Medizin

„Verletzungen können zum Tod führen“

Neurologe Sparenberg über die Gefahr bei einem Schädel-Hirn-Trauma

Bei einem Schädel-Hirn-Trauma handelt es sich um eine schwerwiegende Verletzung des Schädels, durch die das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wird. Aufgrund eines direkten Aufpralls des Gehirns gegen den Schädelknochen können Blutergüsse und Quetschungen entstehen. An diesen Stellen sterben die Gehirnzellen unwiederbringlich ab. „Ein Schädel-Hirn-Trauma erfordert schnelle Rettungsmaßnahmen. Im schlimmsten Fall führen die Verletzungen zum Tod“, sagt Paul Sparenberg, stellvertretender Klinikdirektor der Neurologie am Unfallkrankenhaus Berlin.

Bis auf wenige Stellen ist das Gehirn vollständig vom Schädelknochen umgeben. Kommt es zu Schwellungen aufgrund eines Blutergusses oder der Bildung eines Hirnödems, hat es keine Möglichkeit sich auszudehnen – der Druck im Gehirn steigt. Im schlimmsten Fall kommt es zu Einklemmungen im Bereich des Hirnhauptlochs. Dort gehen Rückenmark und Gehirn ineinander über. Zentrale Mechanismen wie Atmung und Kreislauf werden gestört, der Patient stirbt. Um dem entgegenzusteuern, sollte der Patient schnellstmöglich operiert werden. „Oberflächliche Blutergüsse können operativ entfernt werden. Um den Druck weiter zu senken, wird der Schädelknochen aufgetrennt – so kann sich das Gehirn nach außen ausbreiten“, sagt Sparenberg. Häufig wird der Patient zusätzlich in ein künstliches Koma versetzt, so auch Michael Schumacher. Durch diese Maßnahme verlangsamt sich der Stoffwechsel des Gehirns, die Zellen benötigen weniger Energie und sind weniger verletzlich. Sparenberg: „Die Spätfolgen richten sich je nachdem, welche Gehirnregion beschädigt wurde. Es kann zu einer Vielzahl von Beeinträchtigungen wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Persönlichkeitsveränderungen kommen.“

Hinsichtlich Michael Schumacher möchte Sparenberg keine Ferndiagnose stellen, die Behandlungsschritte sind aus seiner Sicht jedoch nachvollziehbar. „Er scheint sehr schnell behandelt und operiert worden zu sein. Das erhöht die Chancen, einen Behandlungserfolg herbeizuführen“, sagt Sparenberg.