Eishockey

Eisbären schlagen sich durch

Berliner gewinnen knüppelhartes Spiel mit 90 Strafminuten gegen Straubing nach Penaltyschießen

Das ganze Spiel über hatte er viel probiert, links, rechts, hoch, tief. Es nutzte aber alles nichts. „Von einigen Schüssen hätte ich nicht gedacht, dass der Torwart sie hält“, sagte Mark Bell. Aber Jason Bacashihua stellte sich als hartnäckiger Gegner heraus. Bell indes als guter Beobachter, denn als er die Chance im Spiel eins gegen eins erhielt, brachte der Stürmer des EHC Eisbären den Puck im Penaltyschießen doch im Netz unter. Es schien der Sieg zu sein, doch die Straubing Tigers trafen auch.

Also schickte EHC-Trainer Jeff Tomlinson Bell erneut an den Mittelpunkt, er lief an – und traf wieder. „Ich habe noch nie zwei Penaltys im Shootout geschossen“, sagte Bell, der den Berlinern das 3:2 (0:0, 1:0, 1:2) sicherte. Der Abstand des Neunten in der Tabelle der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) auf den sechsten und direkten Viertelfinalplatz schrumpfte damit auf acht Punkte.

Gestocher mit Haken und Ösen

Der eigentliche Plan der Berliner für die Partie war allerdings schnell Makulatur gewesen. Sorgsam mit den Kräften umzugehen, hatte Trainer Tomlinson als Marschroute ausgegeben angesichts von fünf Ausfällen. Gegen den ERC Ingolstadt machte sich der Verschleiß zwei Tage zuvor bereits bemerkbar, als die Berliner den Sieg (3:2) mühevoll über die Zeit retteten. Da hatte Tomlinson die jungen Spieler aus der vierten Sturmreihe, die als Ersatz für die Verletzten nachrückten, allerdings auf der Bank sitzen lassen. Diesmal wollte er es anders machen und im letzten Heimspiel des Jahres vor erstmals in dieser Saison ausverkauften Rängen (14.200 Zuschauer) die Eiszeit besser verteilen.

Doch die guten Vorsätze von schlauem Spiel, von kurzen Wechseln und wenig Strafzeiten hielten keine fünf Minuten, da hatten die Eisbären bereits zwei Strafen kassiert. Es war ein Beginn, der die Richtung vorgab und sehr entgegengesetzt von derjenigen war, die sich der Meister für die Partie zurechtgelegt hatte. Gegen Ingolstadt noch agierten die Berliner klar strukturiert und sehr überlegt. Straubing, anders als Ingolstadt spielerisch sehr limitiert, erforderte an sich ein ähnliches Verhalten. Stattdessen aber ließen sich die Berliner das Spiel der Gäste aufdrängen.

Das artete schnell in ein Gestocher mit Haken und Ösen aus. Es wurde gestoßen, gerangelt, geschoben, es wurde auch geprügelt. Was dem Berliner Shawn Lalonde und dem Straubinger Jordan Hendry eine frühe Dusche bescherte (8.). Für den besten EHC-Verteidiger war es bereits die dritte große Strafe, im letzten Spiel des Jahres am Montag in Düsseldorf ist er damit gesperrt. Was die Eisbären angesichts der personellen Lage doppelt hart trifft.

Mit der erstaunlichen Anzahl von 39:37 Strafminuten endete das erste Drittel, insgesamt wurden sogar 90 Strafminuten verteilt. Die zahlreichen Unterzahlspiele kosteten viel Kraft, die jungen Spieler saßen bis auf den für Lalonde einspringenden Alex Trivellato erneut auf der Bank, weil sie in den Über- und Unterzahlsituationen keine Option darstellen. „Das tut weh und ist noch mehr Arbeit“, sagte Verteidger Frank Hördler. Lediglich die obligatorische Werbeunterbrechung, die es pro Drittel gibt, verschaffte für 90 Sekunden etwas Luft. „Eigentlich bin ich kein Fan davon, aber im Moment schon. Die Powerbreaks helfen uns derzeit“, sagte Trainer Tomlinson.

Zwei Gegentore in 30 Sekunden

Seine Ansprache in der ersten Pause brachte der Mannschaft allerdings auch etwas. Sie erinnerte sich daran, dass es gegen Kontrahenten wie Straubing selten nützlich ist, den eigenen Stil aufzugeben und mitzurumpeln. Es wurde mehr gelaufen und schneller gespielt. Das minimierte zum einen die Strafzeiten, zum anderen erfuhr die zuvor äußerst zerfahrene und chancenarme Partie eine deutliche Qualitätssteigerung. Die Berliner entwickelten Druck, und Casey Borer traf im Powerplay zum 1:0 (30.). Sein Schuss ging an den Pfosten, anschließend prallte der Puck von Torhüter Bacashihua ins Netz.

Weniger kraftaufwendig wurde die Partie deshalb nicht. Straubing hatte beide vorherigen Saisonvergleiche gegen den EHC gewonnen und rechnete sich auch diesmal etwas aus. Das Risiko, die vierte Reihe öfter als Entlastung auf das Eis zu schicken, ging Tomlinson deshalb nicht ein. Lediglich der schon einigermaßen in der DEL erfahrene Vincent Schlenker durfte sporadisch für ein paar Sekunden in der dritten Reihe auflaufen. Mit dem 2:0 durch Kris Sparre allerdings schien das Spiel zugunsten der Eisbären entschieden (48.). Sparre profitierte von einem Fehler von Bacashihua.

Das an die Substanz gehende erste Drittel verlangte jedoch Tribut. Die Eisbären zogen sich zurück, angesichts des Vorsprungs eine verständliche Reaktion. Nur ließ beim Titelverteidiger auch die geistige Frische nach, so dass Straubing innerhalb von lediglich 30 Sekunden durch Treffer von Rene Röthke und Sandro Schönberger zum Ausgleich kam (53.). „Wir lassen den Gegner ganz allein vor dem Tor stehen“, so Hördler. Mit etwas Glück, EHC-Stürmer Matt Foy handelte sich noch eine Strafe ein, ging die Partie in die Verlängerung. Dort ergaben sich viele gute Gelegenheiten für den EHC, doch Bacashihua erlaubte sich keinen Patzer mehr. Dann kam Mark Bell.