Tennis

Für Boris Becker beginnt heute das zweite Leben als Trainer

Die Ruhe vor dem Sturm erlebte Boris Becker, 46, in seinem Londoner Domizil:

Beim Filmklassiker „Vom Winde verweht“ sowie mit Beef Wellington und der Familie stimmte sich der dreimalige Wimbledonsieger auf seine neue Herausforderung ein. Doch die Idylle im Hause Becker in Wimbledon endete, bevor das Weihnachtsfest ausgeklungen war. Bereits am zweiten Weihnachtsfeiertag saß Becker im Flugzeug Richtung Abu Dhabi, um am Freitag seinen neuen Schützling Novak Djokovic erstmals offiziell als Coach zu betreuen.

Der Weltranglistenzweite aus Serbien trifft im Halbfinale des Showturniers auf den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga, der am Donnerstag gegen den Briten Andy Murray mit 7:5, 6:3 gewann. Im Blitzlichtgewitter aber dürfte bei seinem besonderen Debüt Becker („Lasst uns beginnen“) stehen. Doch trotz der vielen – auch kritischen – Schlagzeilen über die Überraschungs-Combo glaubt Murray nicht, dass zwischen seinem Coach Ivan Lendl und dessen altem Rivalen Becker ein neues Duell auf der Trainerbank entsteht. „In einem Match ist der Einfluss eines Trainers sehr begrenzt“, sagte der Weltranglistenvierte Murray den „Gulf News“: „In dem Moment, wenn der Spieler auf den Platz geht, kann der Trainer wenig Einfluss auf den Verlauf des Matches nehmen, selbst wenn er Becker oder Lendl heißt.“

Allerdings setzten zuletzt auffallend viele Profis auf eine Blutauffrischung. Bei den Männern wechselten fünf Spieler aus den Top Ten zuletzt ihren Trainer, bei den Frauen waren es immerhin fünf der besten Zwölf. Für John McEnroe ist die Fluktuation keine Überraschung: „Viele versuchen so, neue Impulse zu setzen und die paar Prozentpunkte mehr aus sich herauszukitzeln. Und wenn einer damit anfängt, ziehen die anderen nach“, meinte die US-Ikone. Roger Federer spielt mit dem Gedanken, den zweimaligen Wimbledonsieger Stefan Edberg zu verpflichten. Es wäre die Fortsetzung der Retro-Coach-Welle.

Die harsche Kritik an der Verpflichtung Beckers hält Diplom-Psychologin Eva Pfaff für verfrüht. „Beide respektieren sich sehr. Man sollte sie jetzt in Ruhe arbeiten lassen und alles mit Spannung und Interesse verfolgen“, sagte die frühere Top-20-Spielerin.