Fußball

Im Weihnachtsurlaub mit den Hertha-Stars

Immer mehr Spieler nutzen Möglichkeiten des Internets bewusst zur Interaktion mit ihren Anhängern

Weihnachtsurlaub, eigentlich sind die Stars von Hertha weg aus Berlin. Zu Hause bei der Familie oder im Urlaub. Und doch sind sie immer dabei, auf dem Smartphone in der Hosentasche. Jeder kann sich mit Angreifer Sami Allagui über sein Sonnenbad am Strand von Dubai freuen, oder mit Ben Sahar über einen Ausflug nach Israel. Wer es besinnlich mag, darf sogar mit zu Familie Lustenberger in die Schweiz ganz dicht an den Weihnachtsbaum rücken. Dank sozialer Medien wie Twitter, Instagram und Facebook war zwischen den Jahren noch nie so viel Nähe bei Hertha.

„Social Media ist etwas Schönes: Wenn man da 20.000 Follower hat und kann denen dann eine kleine Freude machen, ist das doch super. Und wem es nicht gefällt, der muss es sich ja nicht ansehen“, fasst Hertha-Stürmer Sami Allagui die Faszination zusammen, die für ihn von den sozialen Netzwerken ausgeht. Wie diese Freude aussehen kann, hat der Deutsch-Tunesier an Heiligabend präsentiert, als er sich beim Fotodienst Instagram im Weihnachtsmannkostüm präsentierte und, obwohl er ein gläubiger Moslem ist, seinen Anhängern ein frohes Fest wünschte.

Ein Moslem im Weihnachtskostüm

Ob bewusst oder unbewusst, mit ihren Aktivitäten im Netz tragen die Kicker zur eigenen Markenbildung bei. Denn sie entscheiden durch das Posten der mit dem Telefon geknipsten Schnappschüsse selbst, an welchen Momenten die Anhänger teilhaben dürfen. Die Zeiten der unbedarften Gefühlsausbrüche, die via Twitter schnell in 140 Zeichen geschrieben sind, gab es in Deutschland im Gegensatz zur englischen Premier League kaum. „Wenn ich etwas poste, dann mache ich das immer sehr bewusst. Ich stelle da kein Bild rein, wie ich unter der Dusche stehe. Es soll lustig sein oder ein schönes Ereignis, das ich mit den Leuten teilen möchte“, erklärt Allagui seine Strategie.

Die meisten Klubs haben für ihre Profis klare Regeln für die sozialen Netzwerke aufgestellt. Die betreffen vor allem Tabus wie die Mannschaftskabine oder das Posten von Meldungen kurz vor und nach Spielen. Dafür wurden sogenannte Embargo-Zeiten aufgestellt, damit gerade unter dem Eindruck der Emotionen des Spiels keine unbedachten Äußerungen an die Öffentlichkeit dringen. Das alte Motto „Was in der Kabine gesagt wird, bleibt in der Kabine“ gilt auch in Zeiten einer Berichterstattung, die durch Social Media fast live geworden ist.

Während die jungen Spieler die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke sehr schnell angenommen haben, brauchten die Fußballklubs etwas länger. Erst seit Juli hat Hertha beispielsweise mit André Fulczyk einen eigenen Social-Media-Redakteur. In nur einem halben Jahr brachte er etwas Bewegung in die Vereinszahlen. Die Twitter-Follower stiegen um gut 50 Prozent auf 36.541 und auch bei Facebook rangiert der Klub mit 168.947 Fans mittlerweile im Mittelfeld der Liga. Auch wenn die Top-Klubs wie Bayern und Dortmund mit mehreren Millionen Anhängern weit entfernt scheinen.

Entscheidend ist aber weniger die Jagd nach Followern, sondern die Interaktion mit den Fans und die tatsächliche Reichweite, die im Idealfall weit über die reine Zahl derjenigen hinausgeht, die einem Account folgen. Deshalb werten die Klubs ihre Seiten bei Facebook oder Twitter danach aus, wie erfolgreich bestimmte Beiträge sich verbreitet haben. Auch Krisenmanagement kann durch frühzeitiges Erkennen von Themen in den sozialen Medien gesteuert werden.

Experimente mit der Technik

Für Allagui spielen diese Faktoren nur eine untergeordnete Rolle: „Ich weiß nicht, wie viele Follower die anderen Spieler bei Hertha haben. Das ist mir auch egal. Ich weiß, dass ich 23.000 bei Facebook habe. Aber einen Wettbewerb gibt es unter uns nicht.“

Besonders populär ist bei Spielern der Fotodienst Instagram geworden, den Facebook sich im Jahr 2012 für die Summe von 760 Millionen Euro kaufte. Auch Hertha ist seit Oktober dort zu finden. Der Reiz für die Profis besteht darin, dass die Bilder zwar kommentiert werden können, sie aber nicht nach jedem mehr oder weniger gutem Spiel mit einer Unmenge an Nachrichten konfrontiert werden wie bei Facebook. Verteidiger Johannes van den Bergh mag zudem die Art, wie Fotos dort präsentiert werden: „Ich habe Spaß an der Technik, an den Filtern, die man da ausprobieren kann. Wenn ich ein interessantes Motiv sehe, neulich war beispielsweise tolles Licht über dem Olympiastadion, halte ich an und mache ein Bild.“

Der Coup in den sozialen Netzwerken gelang jedoch keinem Spieler bei Hertha, sondern Michael Preetz. Der Geschäftsführer Sport wurde als erster Bundesliga-Manager bei Twitter aktiv. Vielleicht überredet er noch ein paar Spieler zum Mitmachen beim Kurznachrichtendienst, der in Deutschland im Gegensatz zu Facebook oder Instagram noch in der Nische stattfindet. Mitarbeit: ub, mey