Tennis

Boris Becker bekommt wieder einen Ruf

Novak Djokovic macht die strauchelnde Legende zu seinem Trainer

Novak Djokovic statt Oliver Pocher, Centre Court statt Pokertisch: Boris Becker, 46, kehrt zurück auf die Tennisbühne. Als Trainer des Weltranglistenzweiten Novak Djokovic bekommt der dreimalige Wimbledonsieger, der zuletzt nur noch mit peinlichen Fernsehauftritten oder einer mitleiderregenden Biografie („Das Leben ist kein Spiel“) Aufmerksamkeit auf sich zog, wieder eine Aufgabe, die zu ihm passen könne.

„Ich bin stolz, dass Novak mich eingeladen hat, sein Trainer zu werden. Ich werde mein Bestes geben, damit er seine Ziele erreicht“, wurde Becker zitiert. Schon bei den Australian Open im Januar in Melbourne ist Becker an Djokovics Seite, außerdem wird er bei den French Open, in Wimbledon, bei den US Open sowie bei den Turnieren in Dubai, Miami, Monte Carlo, Rom, Cincinnati, Shanghai, Paris und London mit Djokovic vor Ort sein. Djokovic bezeichnete Becker „als wahre Legende“ und erhofft sich Impulse im Kampf um den Tennis-Thron mit dem Spanier Rafael Nadal: „Mit seiner Erfahrung wird er mir helfen, neue Trophäen bei den Grand Slams und anderen Turnieren zu gewinnen.“

Die Reaktionen auf die überraschende Nachricht waren geteilt. „Oha! Toi toi toi! Das ist eine interessante Konstellation, ich hatte keinen Schimmer davon“, sagte Beckers einstiger Rivale Michael Stich. Er könne sich allerdings „nicht vorstellen, dass er künftig 30 Wochen im Jahr unterwegs ist. Aber Novak wird sich dabei etwas gedacht haben.“

Davon ist auch Rainer Schüttler überzeugt. Die fehlende körperliche Fitness Beckers, der sich wegen anhaltender Schmerzen bereits ein künstliches Hüftgelenk hat einsetzen lassen, ist für Schüttler kein Thema: „Ivan Lendl wird auch nicht mehr jeden Tag stundenlang mit Andy Murray auf dem Platz stehen, aber Fakt ist, dass Murray mit ihm seine ersten großen Titel gewonnen hat.“ Beckers alter Rivale Lendl, 53, ist seit 2011 als Headcoach für Andy Murray verantwortlich und führte den Schotten zum Sieg bei Olympia in London, bei den US Open 2012 und in Wimbledon 2013. „Ziemlich wagemutiger Schachzug", wunderte sich dagegen Ex-Kollege Brad Gilbert. „Das ist schon überraschend für mich, wenn man sieht, wie stark Djokovic das Jahr beendet hat, und bedenkt, dass Marian Vajda siebeneinhalb Jahre sein Cheftrainer war.“

Vajda bleibt allerdings an der Seite des Serben Djokovic – als zweiter Trainer. Wahrscheinlich ist, dass Becker vor allem für das im Tennis so eminent wichtige Mentaltraining zuständig sein wird.

Die einzige Praxiserfahrung als Trainer sammelte Becker zwischen 1997 und 1999 als Davis-Cup-Teamchef, doch die Arbeit auf dem Platz überließ er damals Carl-Uwe Steeb. „Es ist für Boris auch eine tolle Chance“, meinte dennoch Karl Altenburg, der Präsident des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Womöglich aber auch die letzte, noch mal von seinem Tennisruhm zu profitieren.