Eishockey

Eisbären sehen ihre Zukunft in Europa

In Berlin findet letztmals die European Trophy statt, die von der Champions League abgelöst wird

Der Alltag hat Pause, mehr als ein Wochenende lang. Nicht Iserlohn oder Schwenningen heißen die Mannschaften, die nach Berlin kommen, um hier ihr Eishockey zu präsentieren. Färjestads BK spielt vor, JYP Jyväskylä auch, dazu noch andere Spitzenteams aus dem Norden. „Da kommt Freude auf“, sagt Laurin Braun, Stürmer des EHC Eisbären. Die European Trophy verdrängt für ein paar Tage die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) aus den Köpfen beim Deutschen Meister, von Donnerstag bis Sonntag findet das Finalturnier des kontinentalen Wettbewerbs in Berlin statt.

Es fühlt sich etwas eigentümlich an, sportlich konnte sich der EHC Eisbären in der Gruppenphase gar nicht qualifizieren. Doch als Gastgeber sind die Berliner gesetzt. „Wir müssen jetzt zeigen, dass das auch berechtigt war“, sagt Trainer Jeff Tomlinson. Eine Aufgabe, die angesichts der Konkurrenz schwierig werden könnte. Der Zweite und Dritte der schwedischen Liga sind im Turnier. Neben den Eisbären und Jyväskylä aus Finnland kommen gleich vier der sechs Teilnehmer aus dem Land des Weltmeisters. „Das ist normal für mich, sie haben sicher die beste Liga in Europa“, so Tomlinson.

Das Beste kann nicht unbedingt als Maßstab gelten, es ist mehr Etikett in diesem Fall. Russische Teams sind nicht in der European Trophy involviert. Und aus den Ländern, die an der Trophy partizipieren, sind auch nicht alle Meister dabei gewesen in der Gruppenphase. Aber darum geht es bei diesem Turnier weniger, es zählt vor allem, dass etwas unternommen wurde, um eine kontinentale Wettbewerbsbasis für viele Vereine zu schaffen.

Traditionell tut sich das Eishockey damit schwer, europäische Vergleiche sind gekommen und meist schnell wieder verschwunden. Die Trophy hat überlebt, dank des Engagements der Klubs, die den Wettbewerb vor vier Jahren eigenständig ins Leben gerufen und auf Einladungsbasis etabliert hatten. „Die Trophy hat sich gut entwickelt“, sagt Peter John Lee, der EHC-Manager. Sein Klub hatte die Erstauflage 2010 sogar gewonnen.

Lulea ist Titelverteidiger

Davon scheinen die Berliner diesmal angesichts der Probleme in der DEL, wo sie Neunter sind, doch ein Stück entfernt. Mit Lulea Hockey ist etwa der Titelverteidiger im Rennen. Die Schweden sind noch nicht ganz so lange in der Trophy dabei wie der EHC, aber zeigten sich in den Gruppenphasen stets als eine herausragende Mannschaft. „Seit wir vor drei Jahren in die European Trophy eingestiegen sind, haben wir dort wertvolle Erfahrungen gemacht, sowohl für das Spiel an sich als auch für den Klub“, sagt Lulea-Trainer Jonas Rönnqvist.

Neben Lulea gilt Frölunda Göteborg als aussichtsreichstes Team. Der Gruppengegner der Eisbären trumpft in der heimischen Liga gerade auf und will das nun auf das Turnier übertragen. „Wir freuen uns auf die europäische Eishockeybühne, weil wir glauben, dass das in irgendeiner Form die Eishockeyzukunft in Europa wird“, sagt Trainer Roger Rönnberg. Die Form ist sogar schon sehr klar: Die Trophy als komplettes Turnier gibt in Berlin ihren Abschied, um als Champions Hockey League im August in neuem Gewand anzutreten.

Dabei wird sich viel verändern. „Alles hat einen viel größeren Reiz“, sagt Eisbären-Stürmer Braun. Der Makel des Vorbereitungsturniers in der Gruppenphase verschwindet, weil die Spiele parallel zu den nationalen Ligen stattfinden. Nach den Gruppenspielen gibt es ein Play-off. „Wir haben viel Arbeit und Ideen investiert, um die Trophy weiterzuentwickeln“, sagt EHC-Manager Lee, der eines der Vorstandsmitglieder der CHL ist.

Erdacht wurde das Konzept von den Trophy-Klubs und gemeinsam mit den Ligen aus Österreich, Finnland, Schweden, Deutschland, der Schweiz und Tschechien sowie dem Weltverband IIHF umgesetzt. Alle halten Anteile an der neuen Gesellschaft, die den Ligabetrieb für drei Jahre absichert. Damit einher geht das dauerhafte Startrecht für Klubs, die wie der EHC bereit waren, Geld in die Idee zu investieren. Jedoch werden anders als bisher auch die Meister und Vorrundensieger in dem Wettbewerb für 40 Teams vertreten sein.

Ganz ohne die European Trophy geht es aber auch in der neuen Champions Hockey League nicht. Der Siegerpokal wird nach dem Vorgängerwettbewerb benannt, und die Gewinner von 2010 an werden auf der Trophäe eingraviert. Irgendwie sind die Eisbären also schon Champions-League-Sieger.