Leistungsträger

Berlins Mann für alle Fälle

US-Profi Redding wird wegen seiner großen Flexibilität immer wichtiger für Alba

Drei Minuten vor Spielende hatte Reggie Redding seine Arbeit getan. Der Sieg der Basketballer von Alba Berlin gegen TBB Trier stand bereits fest, da holte Alba-Trainer Sasa Obradovic den US-Amerikaner vom Feld. Ein kurzes Abklatschen, ein freundliches Kopfnicken vom strengen Coach – Redding hatte am Sonnabend beim 87:72 wieder einmal einen sehr guten Job gemacht: 13 Punkte, vier Rebounds, fünf Korbvorlagen, zwei Ballgewinne. „In den vergangenen Spielen gehörte er immer zu unseren besten Spielern“, lobt Obradovic. Und auch am Mittwochabend (20 Uhr, O2 World) im letzten Eurocup-Gruppenspiel gegen das belgische Team Belfius Mons-Hainaut soll der 25-Jährige eine wichtige Rolle im Berliner Team spielen.

Die Situation ist nicht ganz einfach: Da die Berliner bereits Platz eins in ihrer Gruppe sicher und die Runde der besten 32 Teams erreicht haben, geht es in diesem Spiel eigentlich nur noch um die „goldene Ananas“; die Belgier sind bereits ausgeschieden. Albas Geschäftsführer Marco Baldi warnt jedoch: „Wir können nur volle Pulle spielen.“ Würde sein Team nicht mit hundertprozentiger Intensität zu Werke gehen, „sind wir nur mittelmäßig“. Zudem bestehe die Gefahr, dass sich die Mannschaft selbst aus dem zuletzt guten Rhythmus bringe.

Redding sieht kein Problem. „Ich will immer gewinnen und gebe immer alles.“ Klingt wie eine oft gehörte Worthülse, trifft aber auf Redding exakt zu, der die Positionen Small Forward und Shooting Guard spielen kann. Egal ob in der Abwehr, im Angriff auf dem Flügel, als Distanzschütze, bei Rebounds oder auch mal als Spielmacher – der Mann aus Philadelphia ist wohl der Flexibelste im Alba-Jahrgang 2013/2014. „Ein kompletter Basketballspieler“, urteilt Baldi.

Lehrjahr auf Zypern

Es hat allerdings seine Zeit gedauert, bis Redding im Alba-Trikot seine beste Leistung hat zeigen können. Denn er musste sich erst einmal sehr umstellen. „Das war schon hart“, erzählt er. „Schließlich habe ich hier in Berlin jetzt eine ganz andere Rolle als vorher.“ Vorher, da hatte er zwei Jahre lang beim Bundesliga-Konkurrenten Tigers Tübingen gespielt. Alles drehte sich – vor allem in seiner zweiten Saison – in der beschaulichen schwäbischen Studentenstadt um ihn. Im Schnitt stand er 34 Minuten und 42 Sekunden auf dem Feld, war bester Werfer (14 Punkte), bester Rebounder (5,4) und bester Passgeber (4,1) seiner Mannschaft. Im Effektivitäts-Ranking, das die wichtigsten Statistik-Kategorien umfasst, belegte er 2012/2013 Platz drei unter allen Bundesligaprofis.

In Berlin hieß es, sich unter- und einzuordnen. „Alba hat sehr viele gute Spieler in seinem Team, jeder will natürlich möglichst lange spielen.“ Bei diesem großen Angebot verteilen sich die Minuten auf breiterer Front. Doch Redding ist auch bei seinem neuen Arbeitgeber inzwischen schon wieder im Schnitt bei gut 29 Minuten Einsatzzeit angekommen. Auf durchschnittlich 10,7 Punkte, 4,0 Rebounds und 3,7 Assists hat er es dabei gebracht. Zuletzt war er um so wichtiger, weil Topscorer David Logan wegen einer Kniereizung pausieren musste. Auch gegen die Belgier ist Logans Einsatz fraglich.

Nach seinem Studium an der renommierten Villanova University (er schloss mit dem Bachelor in Business Administration ab) war Zypern Reddings erste Profistation in Europa. Ein Jahr spielte er für InterCollege Ethna Engomi. Mit dem Klub aus der Nähe von Nikosia wurde er Meister und Pokalsieger. „Das war dort eine der härtesten Zeiten in meinem Leben“, erinnert er sich. Das Leben auf der Insel war sehr gewöhnungsbedürftig, vieles unorganisiert. „Am liebsten wäre ich nach einigen Tagen wieder nach Hause geflogen.“

Doch Redding biss sich durch und landete danach in Tübingen. Ein Strahlen geht über sein Gesicht, wenn er über die Zeit dort erzählt. Besonders dankbar ist er Tigers-Trainer Igor Perovic. „Durch ihn bin ich der Spieler geworden, der ich heute bin.“ Als im Sommer das Angebot von Alba kam, beriet er sich mit dem Coach. Der hätte seinen Topspieler natürlich gern in Tübingen gehalten. Aber wenn er schon wechseln wolle, dann sei Alba das Beste für ihn, riet Perovic damals. Er wusste genau, was auf Reggie Redding zukommen würde. Schließlich sind Obradovic und Perovic seit vielen Jahren befreundet.

Wie viele seiner Teamkollegen erlebte auch Redding am Montag erstmals den traditionellen Besuch des Basketballteams auf der Kinderkrebsstation des Virchow-Klinikums und war begeistert. Gemeinsam mit Trainer Obradovic lauschte der US-Amerikaner Gedichten und verteilte Geschenke an die Kinder.