Turnier

Handball-WM: Viertelfinale und eine Medaille im Blick

Vor der Handball-Weltmeisterschaft war Medaille das Unwort des Jahres für die deutschen Frauen, nach dem Durchmarsch ins Viertelfinale gegen Dänemark lockt erstmals seit 2007 wieder Edelmetall.

„Wir sind noch lange nicht fertig, wir wollen mehr“, verkündete Kreisläuferin Anja Althaus. Im Spiel um den Einzug ins Halbfinale wartet auf den EM-Siebten am Mittwoch in Novi Sad allerdings ein anderes Kaliber als Angola beim 29:21-Sieg am Sonntag. Dänemark, Heimatland von Bundestrainer Heine Jensen, versetzte im Achtelfinale Europameister Montenegro mit 22:21 den WM-K.o.

„Das ist das erste Mal in meiner Zeit als Bundestrainer, dass wir bei einem großen Turnier gegen Dänemark spielen. Das mag von Außen etwas Besonderes sein, aber ich gehe immer aufs Handball-Parkett, um zu gewinnen. Und so wird es auch am Mittwoch sein“, sagte Jensen. Am Sonntagabend nach dem eigenen Viertelfinal-Einzug verschafften sich die deutschen Spielerinnen vor dem Fernseher einen ersten Eindruck vom kommenden Gegner. „Dänemarks Stärken sind der Klassiker, dass sie Konter spielen und sehr schnell spielen“, analysierte Kapitänin Clara Woltering.

Die deutsche Mannschaft kann nicht nur wegen ihres Trainers auf eine gehörige Portion Dänemark-Erfahrung verweisen. Spielmacherin Anna Loerper spielte bis vor dieser Saison beim Team Tvis Holstebro und gewann mit dem Club den EHF-Pokal. Susann Müller, mit 50 Treffern Nummer 1 der WM-Torschützenliste, verdiente zwei Jahre lang bei SK Arhus und Randers HK ihre Brötchen. Und die 31 Jahre alte Abwehrchefin Anja Althaus kennt das Spielsystem der Skandinavierinnen aus fünf Jahren bei Viborg HK, die von zwei Champions-League-Siegen gekrönt waren, aus dem Effeff. Jensen warnte deswegen vor dem EM-Fünften: „Das wird sehr schwer. Das ist eine Mannschaft, die sehr schnell Handball spielt.“

Die zwei spielfreien Tage kommen der DHB-Auswahl gerade recht. „Die brauchen wir nach den kräftezehrenden ersten Spielen“, sagte Rückraumspielerin Nadja Nadgornaja. „Die Spielerinnen haben gut trainiert bei ihren Vereinen und machen immer noch einen guten Eindruck. Doch es ist klar, dass sechs Spiele natürlich Kraft gekostet haben“, befand auch der Bundestrainer und machte seinen Frauen Mut: „Unser Gegner wird auch sechs Spiele gemacht haben.“ Am Montag zählte aber nur die Regeneration. Vormittags tankten Clara Woltering und ihre Kolleginnen bei einem lockeren Lauf durch das neblige Novi Sad frische Kräfte. Am freien Nachmittag waren gemütliches Kaffee trinken oder auch ein Stadtbummel als Regeneration für Kopf und Körper geplant.