Interview

„Wir erstarren nicht mehr vor diesen Gegnern“

Basels Trainer Yakin über den Aufschwung in der Schweiz

Murat Yakin ist seit Oktober 2012 Trainer des FC Basel. In der Bundesliga spielte der türkisch-stämmige Schweizer für den VfB Stuttgart und für den 1. FC Kaiserslautern. Für die Nationalmannschaft der Schweiz absolvierte er 49 Länderspiele. Mit dem Schweizer Meister will er nun ins Achtelfinale der Champions League einziehen. Dafür reicht ein Remis heute bei Schalke 04. Morgenpost-Redakteur Lutz Wöckener sprach mit dem 39-Jährigen.

Berliner Morgenpost:

Herr Yakin, das Schweizer Nationalteam hat sich direkt für die WM 2014 qualifiziert, der FC Basel steht vor dem Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse. Was ist in der Schweiz passiert?

Murat Yakin:

Das liegt sicherlich viel an der Nachwuchsarbeit. Spieler wie Shaqiri, Xhaka, Inler, Dzemaili, Behrami sind keine Zufallsprodukte. Sie spielen auch nicht bei irgendwelchen Vereinen im Ausland, sondern bei Topklubs. Sie haben gelernt, was es heißt, Erfolg zu haben. Davon profitiert unser Fußball.

Die ethnischen Wurzeln dieser Spieler liegen im Ausland. Hat der Verband aus der Vergangenheit gelernt und bindet er diese Talente nun früher?

Da wurde zuletzt tatsächlich schon gut gearbeitet. Aber wenn uns Spieler wie Kuzmanovic, der jetzt bei Inter Mailand spielt, Rakitic oder auch Petric nicht weggeschnappt worden wären, wäre es ja gigantisch. Da darf man die Mentalität und die Wurzeln dieser Spieler nicht unterschätzen, dass einige eben lieber für ihr Vaterland spielen wollen.

Nun sind Sie Trainer in Basel. Wie bewerten Sie die Ausgangslage vor dem entscheidenden Spiel beim FC Schalke 04?

Wenn man die bisherigen Gruppenspiele betrachtet und eine Runde vor Schluss vor Schalke liegt, dann ist das für uns schon mal eine sehr, sehr gute Leistung. Das Minimalziel mit dem Erreichen der Zwischenrunde in der Europa League ist bereits erreicht. Jetzt aber können wir etwas ganz, ganz Großes schaffen.

Sehen Sie sich in der Favoritenrolle?

Der Druck liegt bei Schalke. Wir können abwarten. Die müssen kommen.

Wie intensiv haben Sie die Diskussion um Schalkes Trainer Jens Keller mitverfolgt?

Ich nehme das nicht so ernst. Bundesliga und Champions League sind verschiedene Welten.

Wäre die Achtelfinalteilnahme mehr wert als die Schweizer Meisterschaft?

Absolut.

Was sind die Gründe für die bislang so erfolgreiche Saison des FCB?

Die Mannschaft hat in den vergangenen Jahren das gewisse Etwas bekommen. Sie kann auch mit Druck umgehen. In Spiele gegen den FC Chelsea geht man mittlerweile mit Respekt statt Angst. Wir erstarren nicht mehr vor diesen Gegnern.