Berlins Sportler des Jahres

Sieger der Herzen

Sabine Lisicki, Robert Harting, Jos Luhukay und die BR Volleys sind Berlins Sportler des Jahres

Die Überraschungssieger des Abends kamen mit Verspätung, denn sie hatten erst noch ein Bundesligaspiel gegen den VC Dresden mit 3:1 zu meistern. Doch die schöne Anerkennung eines sehr erfolgreichen Jahres wollten sie sich nicht entgehen lassen. Im Estrel Convention Center bekam der deutsche Volleyball-Meister BR Volleys zum ersten Mal in der Geschichte der Berliner Sportlerwahl den ersten Preis überreicht. Bei der insgesamt 35. Auflage gewannen außerdem Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki, Diskus-Weltmeister und -Olympiasieger Robert Harting sowie, auch dies eine kleine Überraschung, Hertha-Trainer Jos Luhukay.

Das Siegerfoto war diesmal nicht ganz komplett, denn auch die Mannschaft von Hertha BSC mit ihrem Erfolgscoach Luhukay hatte einen wichtigen Termin: Heute steht das Duell der Aufsteiger bei Eintracht Braunschweig an. Für das Team spielten Geschäftsführer Ingo Schiller und Zecke Neuendorf das Empfangskomitee bei der Preisübergabe. Sabine Lisicki war trotz prall gefüllten Abendprogramms – sie wurde auch noch auf dem Flughafen Tempelhof bei der Show „Ein Herz für Kinder“ erwartet – in Begleitung ihres Freundes Oliver Pocher erschienen.

Tränen nach dem Finale

In Wimbledon hatte die Berlinerin das beste Turnier ihres Lebens gespielt und erst im Finale in der Französin Marion Bartoli ihre Meisterin gefunden. Zuvor hatte sie unter anderem die Weltranglistenerste Serena Williams im Viertelfinale nach klarem Rückstand niedergekämpft. Deshalb vergoss sie schon während des verlorenen Endspiels ein paar Tränen. „Wimbledon ist ein Ereignis, dass ich nie vergessen werde. Ich hoffe, nächstes Jahr noch einen Schritt weiter gehen zu können“, sagte Lisicki am Abend. Große Sympathien hat die 24-Jährige bereits gewonnen. Was sich auch an ihrer Wahl vor Vorjahressiegerin Daniela Schulte zeigte. Die blinde Schwimmerin wurde 2013 wiederholt Weltmeisterin. Auf Rang drei landete Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, mittlerweile 41 Jahre alt und erneut Medaillenanwärterin bei den Spielen in Sotschi.

Eine noch klarere Entscheidung fiel bei den Männern. Robert Harting, der nicht nur ein herausragender Sportler ist, sondern auch immer wieder durch seinen mutigen Konfrontationskurs gegenüber den Sportfunktionären Pluspunkte sammelt, vereinte fast ein Drittel der Stimmen auf sich. „Dies ist ein Publikumspreis und deshalb ein besonders schöner Lohn für das, was man geleistet hat“, sagte Harting. Dass sein Kumpel Patrick Hausding ihm am nächsten kam, hat ihn zusätzlich gefreut. Der Wasserspringer vollbrachte mit seinem WM-Titel im Synchronspringen vom Turm an der Seite des Riesaers Sascha Klein etwas Historisches, denn nie zuvor war ein Deutscher Weltmeister geworden. Der drittplatzierte Kanute Marcus Gross feierte in diesem Jahr sogar den Gewinn von WM- und EM-Gold.

Britta Steffen verabschiedet

Als große Gewinner des Abends jedoch durften sich Hertha und die BR Volleys fühlen; beide holten je einen ersten und zweiten Platz und lieferten sich untereinander dabei einen harten Kampf. Während bei den Funktionären nur 524 Tage nach seinem Amtsantritt Luhukay, der Hertha zurück in die Bundesliga geführt hat, vor Volleys-Coach Mark Lebedew landete, lagen bei den Mannschaften die Volleyballer ganz knapp vorn. „Das ist eine großartige Auszeichnung und Anerkennung unserer Arbeit“, freute sich Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „es wird unserem Projekt helfen.“ Dieses Projekt hat ohnedies einen erstaunlichen Aufstieg erlebt. Durch den Umzug in die Schmeling-Halle stieg der Zuschauerschnitt auf fast 5000. Und zwei Meistertitel in Folge taten ein Übriges.

Wieder einmal war die Gala ein großes Fest für den Berliner Sport. In diesem Jahr war die Veranstaltung im Estrel mit 2350 Tickets ausverkauft. 140 Kellnerinnen und Kellner servierten 300 Enten, 110 Kilo Roastbeef, 50 Kilo Lachs und ebenso viel Schokolade. Gefeiert wurde bis tief in die Nacht. Die Moderation der Ehrung hatten Wolf-Dieter Poschmann (ZDF) und Sarah Beckmann (RBB) übernommen; dabei wurde auch Britta Steffen verabschiedet, die Doppel-Olympiasiegerin von Peking.