Hertha BSC

Helden im Sturzflug

Hertha gegen Braunschweig ist das Duell der gefallenen Zweitligastars Ronny gegen Kumbela

Bejubelt, geliebt, vergöttert. Die Helden ihrer Klubs. Mit ihren Toren die Schlüsselfiguren für den Aufstieg in die Bundesliga. Das war einmal für Herthas Ronny (18 Tore, 14 Vorlagen in Liga zwei) und Braunschweigs Domi Kumbela (19 Tore, drei Assists). Seit Saisonbeginn sind beide auf der Suche nach ihrer Form der vergangenen Spielzeit. Doch die Gründe, warum beide den Status als dominante Spieler nicht in Liga eins untermauern konnten, sind unterschiedlich. Die Partie Hertha BSC bei Eintracht Braunschweig (17.30 Uhr, Sky und im Liveticker bei immerhertha.de) aber ist nicht nur eine Erinnerung an bessere Zweitligazeiten für beide. Sie bietet Kumbela und Ronny darüber hinaus auch die Chance für einen Neuanfang.

Das letzte Aufeinandertreffen der beiden Klubs am 8. April dieses Jahres war ohne den Hauch einer Übertreibung eine Ronny-Show. Erst gab Hertha vor Anpfiff im Olympiastadion vor über 50.000 Zuschauern die Vertragsverlängerung mit dem Brasilianer um vier Jahre bekannt. Im Spiel war er dann an allen drei Toren zum 3:0 beteiligt. Zwei Treffer erzielte er selbst, eins legte er Adrian Ramos auf.

Nur 53 Minuten in sieben Spielen

Ganz anders sieben Monate später. Sein Trainer Jos Luhukay ist vom Theater um seinen Spielmacher genervt: „Es wird viel zu viel über Ronny geredet. Wenn er alles lesen könnte, was über ihn geschrieben wird, dann würde er am Boden liegen. Es ist abnormal, was über ihn geschrieben wird.“ Dabei hat gar nicht so sehr der Umfang der Berichterstattung über Herthas Brasilianer zugenommen. Es ist die Relation, die nicht mehr stimmt. Das Verhältnis zwischen der Anzahl der Artikel und der auf dem Platz gezeigten Leistung klafft auseinander. Denn Ronny ist nunmehr nur noch ein Mitläufer bei den Berlinern. Trotz demonstrativer Fotos, die ihn auf Facebook beim Training im Urlaub zeigten, kam Ronny mit schlechten Fitnesswerten zurück. Zugang Alexander Baumjohann schnappte ihm den Platz weg. Doch Luhukay schützte Ronny. Der Trainer hoffte auf Einsicht und die magischen Momente, mit denen er in der Zweiten Liga so manches Spiel zu Herthas Gunsten kippte. Als der 27-Jährige jedoch selbst die zweite Chance nach Baumjohanns Kreuzbandriss nicht nutzte, schien es, als hätte Luhukay den Glauben verloren. Nur noch 53 Minuten Einsatzzeit bekam Ronny in den vergangenen sieben Spielen. Luhukay bezeichnete zuletzt eine mögliche Einwechslung des Brasilianers als „Harakiri“, da er so freiwillig eine Unterzahl im Mittelfeld riskieren würde.

Herthas Platz sieben ist ein Verdienst von Spielern, die erst den Ausfall von Baumjohann und dann die Formkrise von Ronny aufgefangen haben. Per Skjelbred und Tolga Cigerci kamen kurz vor Transferschluss und sorgten gemeinsam mit Änis Ben-Hatira (der heute verletzungsbedingt ausfällt) für ein lauffreudiges und kompaktes Mittelfeld. „Die Spieler, die auf Ronnys Position spielen, zeigen gute Leistungen. Da muss man schon besser sein, um an ihnen vorbeizukommen“, sagte Manager Michael Preetz.

Doch Hertha fängt nicht nur als Team das Fehlen seines Aufstiegshelden auf, sondern zeigt insgesamt eine gute Effizienz vor dem Tor, auch wenn die Blau-Weißen jetzt schon seit 187 Minuten auf einen Torerfolg warten. Doch insgesamt benötigen sie nur 5,4 Schüsse für einen Treffer. Platz sieben in dieser Rangliste.

Ganz anders Braunschweig: Die Niedersachsen benötigen für ein Tor 13,5 Versuche. Sie sind damit das ineffizienteste Team der Bundesliga. Nur acht Treffer gelangen in 14 Spielen. Die Eintracht konnte den Ausfall ihres Stürmers Domi Kumbela nicht kompensieren, der in der Vorsaison 19 Tore schoss. „Hertha hat schon in der Zweiten Liga mit einem Erstligakader gespielt. Wir spielen in diesem Jahr mit einer Zweitliga-Mannschaft in der Bundesliga“, erklärt Braunschweigs Manager Marc Arnold, warum beide Aufsteiger trotz der Ausfälle ihrer Aufstiegshelden ganz unterschiedlich dastehen.

Kumbela schlampte im Gegensatz zu Ronny aber nicht in der Vorbereitung. Der Kongolese erlitt zum Ende der vergangenen Spielzeit einen Sehnenanriss, der ihn für vier Monate aus dem Geschäft riss. Auch Arnold sieht in beiden Fällen keine Gemeinsamkeit: „Kumbela kam aus einer langen Verletzungspause, musste erst einmal in den Spielbetrieb eingegliedert werden und hatte keine richtige Vorbereitung.“ Dazu kam die Umgewöhnung der taktischen Ausrichtung. Hertha sucht sein Heil in der Offensive. Braunschweig versucht – anders als in der Zweiten Liga – defensiver zu spielen. „Für Kumbela als Stürmer ist das schwer. Wir müssen als Aufsteiger erst einmal sehen, dass wir hinten sicher stehen. Und dann ist da eben auch eine andere Qualität in den gegnerischen Abwehrreihen.“ Die Tendenz zeigt bei Braunschweigs Angreifer aber nach oben. Die letzten beiden Partien spielte er komplett durch. Immerhin zwei Tore gelangen ihm bisher.

Zum Rapport bei Preetz

Ronny traf bereits drei Mal als Einwechselspieler, saß aber im letzten Spiel nur auf der Bank. Dabei könnte Hertha den Brasilianer im Moment mehr denn je gebrauchen. Doch das Hoffen von Trainer Jos Luhukay auf einen genialen Moment wird immer wieder vom Risiko seiner fehlenden Fitness getrübt. Das Vertrauen in Ronnys professionelles Verhalten ist momentan niedrig.

Manager Preetz bestellte ihn diese Woche sogar zum Rapport, sagte aber: „Uns geht es nicht darum, auf Ronny einzuprügeln. Wir würden uns alle freuen, wenn er mehr Einsätze bekommt.“ Doch eins ist klar: Die Geduld mit dem Brasilianer ist nicht unendlich. „Jeder Spieler kann sich im Training für die Startelf anbieten. Sonst hätte das Mittrainieren keinen Sinn. Das gilt auch für Ronny“, sagte ein sichtlich vom Thema genervter Luhukay. Ronny könne die Diskussionen um seine Person nur mit Leistung beenden. Vielleicht bekommt er heute die Chance dazu. Kumbela jedenfalls steht bereit für das Duell der gefallenen Aufstiegshelden.