Pokalaus

Kaiserslautern zerstört Unions Pokaltraum

Die Berliner verlieren nach schwacher Leistung deutlich mit 0:3 gegen den Ligakonkurrenten und scheiden im Achtelfinale aus dem Wettbewerb aus

Als die Entscheidung gefallen war, verließen die Zuschauer in Scharen das Stadion an der Alten Försterei. Nicht die, die den 1. FC Kaiserslautern unterstützt haben, sondern Anhänger des 1. FC Union. Begleitet wurden sie von Pfiffen und höhnischem Gesang („Auf Wiedersehen“, „Wir sind Unioner und ihr nicht“) aus dem Fan-Block der Berliner. Es war ein bitterer Abend, den die Köpenicker beim 0:3 (0:2) gegen die Pfälzer im Achtelfinale des DFB-Pokals erlebten. Ein ganz bitterer.

Dabei hatten sich die Fans der Unioner zur Einstimmung etwas Besonderes ausgedacht. Als die Mannschaften von Schiedsrichter Peter Sippel auf das Spielfeld geführt wurden, war ein Transparent mit jener legendären Szene zu sehen, welche die Pokalhelden von 1968 bei der Siegerehrung zeigte. Anstatt des FDGB-Pokals stemmten sie jedoch den DFB-Pokal in die Höhe, jenen goldenen Pott, der auf den Sieger des Endspiels im Mai im Berliner Olympiastadion wartet.

Im Programmheft zum Achtelfinale gegen die Pfälzer war mit den Mannschaftsaufstellungen zu jedem Spiel noch einmal der Weg des Jahrgangs 2000/01 aufbereitet, der Union nicht nur ins Endspiel gegen Schalke 04 (0:2) geführt hatte, sondern sogar in den Uefa-Pokal. Und war es nicht gar Trainer Uwe Neuhaus gewesen, der in den Tagen vor dem Duell gegen Kaiserslautern noch ein wenig ins Träumen geriet und den nationalen Cup-Wettbewerb als kürzesten Weg in den Europapokal bezeichnete? Ansporn gab es jedenfalls genug, um nach vier Liga-Spielen ohne Sieg – darunter das 0:3 in Kaiserslautern – endlich wieder ein Erfolgserlebnis feiern zu können. Die Stimmen auf den Rängen waren unter den 21.717 Zuschauern jedenfalls klar verteilt zu Gunsten der Unioner. Das Geschehen auf dem Rasen ebenfalls – allerdings klar zu Gunsten der Gäste. Wo war das Selbstvertrauen, das die Spieler in den vergangenen Tagen immer wieder beschworen hatten, wo der Kampfgeist, mit dem der Gegner mürbe gemacht und in die Defensive gezwungen werden sollte? Torsten Mattuschka, der Kapitän, versuchte sich an einer Erklärung: „Wir haben das Spiel schon in der ersten Halbzeit aus der Hand gegeben, haben zu weit auseinander gestanden und das Spielfeld zu groß gemacht. Wenn wir weiter so auftreten, werden wir auch in der Liga nicht mehr viel holen.“

Eine Viertelstunde konnte Union die Partie ausgeglichen gestalten – dann übernahmen die Lauterer das Kommando. Ballsicherheit, Laufbereitschaft, Robustheit hießen die Attribute auf Seiten der Gäste. Bezeichnend: Stürmer Olivier Occean, im Punktspiel vor eineinhalb Wochen Gegenspieler von Baris Özbek bei dessen Platzverweis, wurde bei jedem Ballkontakt, bei jedem Zweikampf ausgepfiffen. Wirklich zu stören schien dies den kanadischen Nationalspieler jedoch nicht. Nein, von Wiedergutmachung für die Pleite auf dem Betzenberg konnte gestern Abend keine Rede sein. Dabei hatte Coach Neuhaus den in der Liga gesperrten Özbek wieder zurück ins Team geholt und wieder im 4-2-3-1-System mit zwei defensiven Mittelfeldspielern agieren lassen. Zudem rückte Mario Eggimann gut ein Vierteljahr nach seinem Bandscheibenvorfall wieder in die Innenverteidigung, Roberto Puncec musste dafür auf die Bank. Allerdings nicht lange, denn nach nur 25 Minuten verletzte sich Fabian Schönheim nach einem Zweikampf mit Occean am rechten Oberschenkel. Und Puncec fügte sich gleich entsprechend ein – mit einem Foul an Konstantinos Fortounis und einer Gelben Karte (27.). Das trug natürlich nicht zur Sicherheit im Union-Spiel bei. Lauterns Trainer Kosta Runjaic konnte es sich sogar erlauben, Torjäger Mohamadou Idrissou 80 Minuten auf der Bank zu lassen. Chancen gab es für die Seinen trotzdem. Und sie wurden genutzt. Nach 18 Minuten konnte Lauterns Enis Alushi ungehindert in den Union-Strafraum flanken, in der Mitte kam Willi Orban zum Kopfball – 0:1. Sekunden vor dem Halbzeit-Pfiff trat Fortounis einen Eckball in den Fünfmeterraum, Florian Dick konnte den Ball an den zweiten Pfosten verlängern, wo Simon Zoller das Spielgerät mit dem Körper über die Linie bugsierte (45.).

Nemec-Treffer aberkannt

Es musste etwas passieren nach einer „richtig, richtig schlechten ersten Halbzeit“, so Trainer Neuhaus. Und tatsächlich keimte so etwas wie Hoffnung auf ein Wunder von Köpenick auf. Der Coach brachte mit Simon Terodde für Özbek einen zweiten Stürmer (54.), und plötzlich war es der Pokalfight, den man sich schon von Beginn an erhofft hatte. In der 58. Minute prüft Terodde FCK-Keeper Tobias Sippel das erste Mal, vier Minuten später brauchte der Gäste-Torwart schon die Hilfe von Chris Löwe. Spätestens nachdem Mattuschka an den Pfosten schoss und Adam Nemec den Ball über die Linie drückte, war die Alte Försterei ein Tollhaus (77.). Doch der Treffer des Slowaken wurde wegen Abseits richtigerweise nicht anerkannt. Das sahen offenbar nicht alle Union-Fans so. Bierbechern flogen auf das Spielfeld flogen. Damit war die Union-Herrlichkeit ebenso schnell wieder vorbei, wie sie begonnen hatte. Und so setzte wenige Sekunden nach dem 0:3 durch Marcel Gaus nach kluger Vorarbeit von Idrissou (83.) die Abwanderungswelle in der Alten Försterei ein.