Optimismus

Trikottausch ist nicht mehr das Wichtigste

Leverkusen will Manchester United mutig angreifen

Rudi Völler, Sportdirektor beim Bundesligisten Bayer Leverkusen, geht, entgegen seiner Gewohnheit, ein wenig in die Offensive. Leverkusen wolle den Bayern und dem BVB „ein bisschen lästig werden“, erklärte der 53-Jährige. Mit dem 1:0 bei Hertha BSC schob sich Leverkusen gar zwischen die beiden besten deutschen Fußballvereine der jüngeren Vergangenheit. Da blieb sogar Rudi Völler nichts anderes übrig, als sich aus der Deckung zu wagen. Auch auf der internationalen Bühne will der Werksklub in dieser Spielzeit den nächsten Entwicklungsschritt vollziehen. Bestenfalls soll das Abenteuer Champions League länger dauern als in der vorvergangenen Saison, als Bayer im Achtelfinale zweimal vom FC Barcelona vorgeführt wurde und die Leverkusener Spieler ausschließlich dadurch Aufsehen erregten, dass sie schon in der Halbzeitpause von Spiel eins einen Trikottausch mit Lionel Messi verwirklichen wollten.

Derlei Peinlichkeiten sollen sich nicht wiederholen, wenn am Mittwochabend (20.45 Uhr, ZDF und Sky) mit Manchester United wieder einmal ein Großer des europäischen Fußballs in der Leverkusener Arena vorstellig wird. Für Bayer ist es der Saisonhöhepunkt und gleichzeitig das erste Leverkusener Match seit 384 Tagen, das live im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt wird. „Es ist schön zu wissen, dass ganz Deutschland darauf schaut. Dann müssen wir auch da sein und den Leuten zeigen, dass wir guten Fußball spielen können“, sagte Stürmer Stefan Kießling am Tag vor dem Spiel und fügte hinzu: „Und die Überraschung schaffen.“

Lehren aus dem Hinspiel gezogen

Mit sieben Punkten nach vier Spielen liegt Bayer in der Gruppe A nur einen Zähler hinter Manchester, Donezk auf Platz drei hat zwei Punkte weniger als Bayer. Folglich kann die Mannschaft mit einem Sieg über den englischen Topklub, der die Erwartungen in der Premier League als Tabellensechster derzeit nicht erfüllt, die Qualifikation für die K.o.-Runde perfekt machen. „Wir sind zu Hause eine Macht. Die müssen uns erst einmal besiegen – auch wenn es Manchester United ist“, sagte Kießling und erinnerte an das Hinspiel am ersten Gruppenspieltag, das Bayer 2:4 verlor: „Da waren wir nervös. Jetzt haben wir uns gewappnet und hoffen, dass wir alles so umsetzen, wie wir es uns vorgenommen haben.“

Trainer Sami Hyypiä sagte: „In Manchester hatten wir ein bisschen Angst, unser Spiel zu spielen. Jetzt haben wir hoffentlich den Kopf frei und zeigen, was wir können. Dann wird es ein großartiges Spiel für alle Beteiligten.“ Verzichten muss der Finne auf Sidney Sam und Sebastian Boenisch, die verletzt ausfallen. Dennoch herrscht vor dem Anpfiff gegen den englischen Rekordmeister Optimismus.