FC Union

„Wir sind bereit, ein vernünftiges Risiko einzugehen“

Union-Chef Zingler präsentiert Rekordzahlen. Verstärkungen für die Bundesliga möglich

Der Jubel war laut und kam aus vollem Herzen. Dabei war die Nachricht, die Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, am Dienstagabend auf der Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten verlas, längst kein Geheimnis mehr. Doch die Vertragsverlängerung mit Torsten Mattuschka, dem Kapitän, der Identifikationsfigur der Köpenicker, ist eben doch etwas anderes. Einen neuen Kontrakt bis 2015 hat der 33-Jährige unterschrieben, plus Option auf ein weiteres Jahr – da hielt es keinen Unioner mehr auf seinem Sitz.

„Wir sehen in ihm mehr als nur einen Fußballer, Torsten Mattuschka bedeutet dem Verein auch als Persönlichkeit etwas“, sagte Zingler. Der Vertrag sei eine Anerkennung für Mattuschkas Leistungen für den Zweitligisten in den vergangenen Jahren. Diese Personalie war nicht das Einzige, was zur guten Laune in der „Schlosserei“, dem VIP-Bereich in der Haupttribüne, beigetragen hat. „Allein schon, dass wir die Versammlung hier abhalten, zeigt, welch gutes Jahr hinter uns liegt“, verdeutlichte Zingler den 581 Anwesenden, darunter die Mannschaft und Trainer Uwe Neuhaus, der erst am Freitag ein neuen Vertrag bis 2016 unterschrieben hatte und gestern seinen 54. Geburtstag feierte.

Union feierte sich selbst. Dazu passt, dass Union „in allen wichtigen Kennzahlen“ (Zingler) hat zulegen können. So wurden im Geschäftsjahr 2012/13 die Einnahmen auf 20,49 Millionen Euro gesteigert (2011/12: 17,13) und trotz erhöhter Ausgaben von 19,31 Millionen Euro (2011/12: 16,73) beinahe ein Rekordgewinn seit der Zweitliga-Rückkehr erwirtschaftet. Das Plus von 1,18 Millionen Euro (2011/12: 0,4) liegt nur knapp unter jenen 1,32 Millionen Euro, die die Saison 2009/10 gebracht hatte. Hält man jene knapp 700.000 Euro Verlust der Stadionbetriebs AG im Jahr 2012/13 dagegen, geht Union mit einem positiven Konzernergebnis von knapp 500.000 Euro aus dem Spieljahr 2012/13.

In der laufenden Saison plant Union sogar mit einem Rekordetat von 24,52 Millionen Euro (Lizenzspielerabteilung: 11,2 Millionen Euro) und einem Gewinn von einer halben Million Euro. „Alle Zahlen sind durch Verträge abgedeckt“, sagte Zingler. Eine Aussage, die dokumentiert, wie seriös an der Alten Försterei gearbeitet wird. „Allein die Haupttribüne steigert die Werbeeinnahmen um zwei Millionen Euro“, so Zingler. Gleichzeitig können jene bis 2025 mit Rangrücktritt versehenen Verbindlichkeiten an Unternehmer Michael Kölmel (rund vier Millionen Euro) weiter getilgt werden. „Dass wir immer mit Gewinn planen können, hat natürlich etwas mit der sportlichen Situation zu tun“, sagte Zingler. Die Mannschaft von Trainer Neuhaus klopft als Tabellenfünfter und mit nur drei Punkten hinter Spitzenreiter Kaiserslautern fester denn je ans Tor zur Bundesliga, im DFB-Pokal steht der Klub im Achtelfinale und damit zwei Runden weiter als geplant. Auch der Zuschauerschnitt von 20.164 – 19.000 sind geplant – ist auf Rekordniveau, ebenso die Zahl der Mitglieder (11.729) und der Sponsoren (298). „Wir haben selbst im Baujahr an Stabilität hinzugewonnen“, erklärte Zingler. Nur so war es auch möglich, dass der Verein als Hauptmieter der Alten Försterei sich mit einem Darlehen von 5,3 Millionen Euro am Bau der 16,7 Millionen Euro teuren Haupttribüne beteiligen konnte.

Fehlt nur noch das i-Tüpfelchen. Doch Zingler wäre nicht Zingler, wenn er Fragen nach dem Aufstieg in die Bundesliga nicht immer wieder unerschütterlich umschiffen würde. Ein konkretes Saisonziel vermisste man auch am Dienstagabend. Stattdessen sagte Zingler folgendes: „Wenn wir die Chance erkennen, werden wir versuchen, sie zu ergreifen. Das ist unsere Pflicht als Vereinsführung. Aber wenn wir es dieses Jahr nicht schaffen, dann werden wir es im nächsten Jahr wieder versuchen.“

Dabei regiert die so erfolgreiche Maxime: nicht mehr ausgeben als man zur Verfügung hat. Doch ließ der Klubchef auch durchblicken: „Wir sind bereit, ein vernünftiges Risiko einzugehen.“ Gut möglich also, dass Trainer Neuhaus nach der Winterpause mit einer weiteren Verstärkung den Angriff auf die Aufstiegsplätze fortführen kann.