Bundesliga

Herthas Frust wird immer größer

Gegen Champions-League-Starter Leverkusen halten die Berliner wieder prima mit, nutzen die Chancen aber nicht so clever wie Stefan Kießling

Ganz groß prangte die Aufforderung in der 60. Minute des Spiels Hertha gegen Leverkusen im Olympiastadion auf der Anzeigetafel: „Wählt den Helden des Tages!“ Es ist nicht bekannt, ob Tolga Cigerci die Aufforderung an die 47.419 Zuschauer gelesen hat, doch nur wenige Minuten später tat der Mittelfeldspieler mit der größten Berliner Chance in der Partie alles dafür, dass er gewählt würde. Allein Gästetorhüter Bernd Leno verhinderte mit seiner Parade den Ausgleich, so dass Hertha die Partie am Ende mit 0:1 (0:1) verlor.

Vor dem Anpfiff gegen den Champions-League-Teilnehmer hatten sich die Hertha-Profis vorgenommen, sich endlich für den großen Aufwand zu belohnen. Zu frisch war noch die Erinnerung an das 0:2 gegen Schalke im Heimspiel zuvor. So entwickelte sich von Beginn an eine hart umkämpfte Partie zwischen den Strafräumen. Sicher und kompakt stehen schien die Maxime zu sein, welche die Trainer ausgegeben hatten. Nur selten kam Hertha vors Leverkusener Tor. Einmal blockte Philipp Wollscheid einen Schussversuch aus der Drehung von Sami Allagui ab (18.), dann stand Ömer Toprak der Möglichkeit von Adrian Ramos im Weg (24.).

Abseitsstellung vor dem Gegentor

Ein blitzschneller Konter in der 28. Minute reichte Leverkusen, um sich den entscheidenden Vorteil im Spiel zu erarbeiten. Im Mittelfeld blieb ein Herthaner liegen, der Ball kam zu Gonzalo Castro. Innenverteidiger Sebastian Langkamp entschied sich herauszurücken, so dass Johannes van den Bergh beim Pass von Castro alleine bei Bayers Offensivkräften Stefan Kießling und Jens Hegeler stand. Letzterer leitete das Spielgerät direkt zu Kießling. Der in der Nationalmannschaft verschmähte Stürmer zeigte seine Klasse und verwandelte Bayers erste Möglichkeit gegen Hertha-Keeper Thomas Kraft.

Pech für die Berliner, dass Schiedsrichter Guido Winkmann die knappe Abseitsposition von Hegeler beim Konter nicht erkannte. Langkamp haderte mit der Entscheidung des Referees: „Schade, dass das Abseits nicht gegeben wurde. Aber letztendlich sind wir selbst schuld. Da müssen wir uns cleverer anstellen, vielleicht ein taktisches Foul machen.“

Dabei zeigte sich Hertha nach dem Gegentor nicht geschockt, sondern versuchte weiter, zu Möglichkeiten zu kommen. Doch die Gäste bekamen immer ein Bein in den letzten Pass der Heimmannschaft oder köpften die zahlreichen Flanken ins Aus. Doch nicht nur die starke Abwehrleistung der Leverkusener war verantwortlich für die fehlende Torausbeute der Berliner.

Trainer Jos Luhukay zeigte sich deshalb frustriert. „Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Wenn ich die Statistik sehe, werde ich sicher schlecht schlafen. Wir waren auf Augenhöhe. Viel Ballbesitz allein reicht nicht, um Spiele zu gewinnen. Wir haben 44 Flanken geschlagen und nur eine war richtig. Und die hätte drin sein müssen“, spielte der Niederländer auf die große Möglichkeit Cigercis an.

Mit der Enttäuschung war der Trainer nicht allein. Auch sein Kapitän konnte nur mühsam seinen Ärger über den Ausgang der Partie verhehlen: „Es nervt, dass wir wieder zum Teil die bessere Mannschaft waren, aber dennoch verloren haben. Die letzten Prozente haben gefehlt. Wir haben gut gespielt, stehen aber wieder mit leeren Händen da. Das ist wirklich bitter.“

Auf der Gegenseite konnte sich Trainer Sami Hyypiä über eine gelungene Generalprobe vor dem Champions-League-Spiel am Mittwoch freuen: „Ich bin sehr zufrieden, dass wir die drei Punkte hier gewonnen haben. Wir hatten vor dem Spiel gesagt, dass Hertha ein schwerer Gegner ist und wir hart kämpfen müssen. Wir können daraus etwas mitnehmen. Manchester flankt schließlich auch sehr viel.“

Es war dieses leicht vergiftete Lob, das Luhukay kurzzeitig die Fassung verlieren ließ. Zu oft schon hatte er solch nette Worte nach verlorenen Heimspielen hören müssen. „Wir brauchen minimal sechs bis acht Situationen, um uns zu belohnen. Das Spiel war wie gegen Schalke. Mich ärgert das maximal, dass wir aus dieser Überlegenheit nicht einmal einen Punkt holen. Das ist frustrierend. Das ist nicht das erste Mal. Stuttgart, Schalke und Leverkusen haben wir nicht ins Spiel kommen lassen. Das frustriert. Am Ende bekommen wir Lob und Anerkennung für unseren guten Fußball. Aber ich will Erfolg und nicht nur gut spielen lassen.“

Hertha sucht die Effizienz, mit der das Team in die Saison startete, als Frankfurt mit 6:1 geschlagen wurde. „Der Unterschied ist der Kader“, suchte Manager Michael Preetz eine Erklärung. „Leverkusen spielt Champions League, und wir kommen aus der Zweiten Liga. Solch eine Niederlage wäre manchmal einfacher zu akzeptieren, wenn man keine Chance hat.“

Dass das Spiel am Ende nur 0:1 verloren ging, lag am starken Rückhalt durch Thomas Kraft. Gegen Heung-Min Son (66.) und den eingewechselten Robbie Kruse (71.) wehrte der Hertha-Torwart beste Möglichkeiten im direkten Duell mit den Angreifern ab. Nach dem Spiel wurde er als „Held des Spiels“ ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die er wie alle anderen sicher lieber Tolga Cigerci gegönnt hätte.