Fußball

Deutsche B-Elf siegt in Wembley

Ausgerechnet Per Mertesacker erzielt den Treffer zum hochverdienten 1:0-Erfolg gegen England

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bleibt für die Briten ein Albtraum. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw gewann den Länderspiel-Klassiker gegen England im Wembley-Stadion verdient mit 1:0 (1:0) und erwies sich zum sechsten Mal seit 1975 als Party-Schreck in der Kultstätte. Den Siegtreffer in einer an Höhepunkten armen Partie erzielte Abwehrchef Per Mertesacker (39.) vom FC Arsenal, der die DFB-Elf in seiner Wahlheimat als Kapitän aufs Feld führen durfte.

Nach dem 1:1 am Freitag in Italien bestand die DFB-Elf trotz des Ausfalls zahlreicher Leistungsträger auch den zweiten Härtetest mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien. „Wir hätten das 2:0 machen und das Spiel viel früher entscheiden müssen. Darüber habe ich mich ein bisschen geärgert“, sagte Löw, „aber wir waren sehr, sehr ballsicher, haben gut umgeschaltet. Alle haben in der Defensive mitgearbeitet. Man hatte nicht das Gefühl, dass die Engländer uns ausspielen können.“

„Bei der Rückkehr zu Arsenal habe ich nun gute Argumente“, scherzte Torschütze Mertesacker, „es war ein gutes Warmlaufen für die WM.“ Schon mit Anpfiff hatte Roman Weidenfeller deutsche Fußball-Geschichte geschrieben. Der Dortmunder war mit 33 Jahren und 106 Tagen der älteste Torhüter-Debütant aller Zeiten in der deutschen Nationalelf und löste damit den „Helden von Bern“ Toni Turek ab. „Ein bisschen Anspannung war da, aber ich muss mich bei der Mannschaft bedanken, sie hat mich gut aufgenommen“, sagte Weidenfeller.

Ein Novum stellte in Abwesenheit der verletzten Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan auch die Formation der „Doppel-Sechs“ dar, die in Lars und Sven Bender erstmals Zwillinge bildeten. Beim 3:4 gegen die USA im Juni hatten die beiden als erste Zwillinge seit 39 Jahren gemeinsam in der Startelf gestanden, damals agierte der Leverkusener Lars aber als rechter Außenverteidiger.

Löw schont viele Stammkräfte

Insgesamt nahm Löw, der Manuel Neuer, Philipp Lahm und Mesut Özil schonte, acht Änderungen gegenüber dem 1:1 in Italien vor: Nur Toni Kroos, Mario Götze und Jerome Boateng blieben in der Startelf. Mit vier Dortmundern und drei Bayern in der Anfangsformation vermied der Bundestrainer Diskussionen über eine mögliche Benachteiligung eines der deutschen Top-Klubs vor dem Bundesliga-Duell am Sonnabend.

Die Briten wollten vor 85.934 Zuschauern das letztmals in grünen Trikots spielende DFB-Team offenbar überrennen. Der Weltranglistenzweite benötigte einige Minuten, um sich zu ordnen, schaffte es mit großem Einsatz aber zumindest, den Ball von Weidenfellers Tor fernzuhalten. Den Engländern fehlten die technischen Mittel zum Erzeugen gefährlicher Situationen. Die deutsche Innenverteidigung mit Mertesacker und Boateng als „Schatten“ von Wayne Rooney stand gut. Bis nach vorn, wo in Max Kruse ein echter Stürmer lauerte, kam die DFB-Elf aber ihrerseits kaum durch.

Erstmals Gefahr vor dem englischen Tor erzeugte Lars Bender, der im letzten Moment geblockt wurde (37.). Die folgende Ecke schlug Kroos auf den Kopf von Mertesacker, doch Joe Hart parierte. Wenige Sekunden später war der englische Keeper machtlos, Mertesacker gelang nach Kroos-Flanke sein viertes Tor im 95. Länderspiel, das erste per Kopf für den 1,98 Meter großen Verteidiger.

Nach dem Wechsel testete Löw weiter, brachte zunächst Marcell Jansen für Marcel Schmelzer (Wadenprobleme) als Linksverteidiger und Mats Hummels für den starken Boateng (Schmerzen an der Ferse), zehn Minuten später folgte Sidney Sam für Kruse. Reus hatte in der 48. Minute die Vorentscheidung auf dem Fuß, doch der Dortmunder scheiterte freistehend am gut reagierenden Hart.

In der 57. Minute war Weidenfeller bezwungen, aber der Pfosten verhinderte beim 25-Meter-Schuss von Andros Townsend das Gegentor. Sein erstes Tor für die Nationalelf verpasste der Leverkusener Sam (67.), als er frei vor Hart den Ball übers Tor lupfte. Nach nur 20 Minuten Einsatzzeit musste Hummels vom Feld, er war umgeknickt. Für ihn kam Benedikt Höwedes. Trotz der Umstellungen in der Defensive fanden die Briten kaum ein Durchkommen, Weidenfeller blieb bei seinem Debüt fast keine Chance, sich auszuzeichnen.

Am 6. Dezember wird ausgelost

Der spannendste Teil des Jahres steht Löw erst noch bevor. Am 6. Dezember (17 Uhr) steigt die Auslosung für die WM. Zudem sollen die Planungen für das Turnier vom 12. Juni bis 13. Juli zu Ende gebracht werden. Nach der Zeremonie in Costa do Sauípe will die DFB-Delegation die Frage des Basis-Quartiers bei der WM klären. Zur Auswahl stehen eine Hotelanlage in Salvador und eine Unterkunft in Sao Paolo. Die Entscheidung hängt nun davon ab, in welche Gruppe Deutschland gelost wird.

Sicher ist, dass die DFB-Auswahl als Gruppenkopf gesetzt ist. Da der Weltverband Fifa die Töpfe erstmals nach Weltranglisten-Position einteilt, wären auch Erzrivale Niederlande, Italien oder England als Vorrunden-Konkurrenten möglich. Löw ist das egal. „Wir nehmen es, wie es kommt“, sagte der 53-Jährige. Der Sieg in Wembley wird ihm weiteren Rückenwind geben.