Eisschnellauf

Shorttrack: 15-jährige Anna Seidel löst das Ticket für Olympia

Anna Seidel saß noch immer sprachlos in ihrem Hotelzimmer im fernen Kolomna, da prasselten teenager-typische Glückwünsche aus der Heimat auf die junge Shorttrackerin ein.

„Ich habe auf Facebook total viele Nachrichten von Freunden bekommen. Es ist schön, dass sich so viele mit mir freuen“, sagte Seidel. Die 15-Jährige hatte beim Weltcup in Russland für eine Sensation gesorgt. Völlig überraschend sicherte sie sich ein Ticket für die olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi.

Die deutsche Olympia-Delegation hat damit in Russland ein neues „Nesthäkchen“. „Ich war so aufgedreht, dass ich kaum schlafen konnte. Es ist noch nicht so richtig angekommen, ich bin einfach nur glücklich“, sagte Seidel, die kurz nach dem Erfolg mit ihren Eltern am Telefon jubelte. In Dresden besucht die 15-Jährige ein Sportgymnasium.

Für die Shorttracker ist Seidels Coup ein Glücksfall. Der Nischensportart eröffnet sich die Chance, im Olympia-Fokus für positive Schlagzeilen zu sorgen. „Solche Situationen tragen dazu bei, dass die Sportart an Popularität gewinnt. Bereits mit dem Weltcup-Erfolg durch Robert Seifert in der Vorsaison haben wir einen kleinen Schritt getan“, sagte Teamleiter Matthias Kulik.

Seidel soll langfristig als Leistungsträgerin aufgebaut werden, als eine Art „Franziska van Almsick des Shorttracks“ will man sie aber nicht vermarkten und verheizen. „Wir wissen als Verband, dass Anna noch sehr jung ist. Wir müssen mit einer gewissen Vorsicht vorgehen und sie ein bisschen schützen“, sagte Kulik. Sotschi sei für Seidel jedoch eine gute Gelegenheit, „um den medialen Trubel ohne den riesigen Leistungsdruck mitzuerleben“.