Martyrium

Katar hält Profi aus Frankreich seit zwei Jahren gefangen

Zahir Belounis bittet Zidane und Guardiola um Hilfe

Es ist nicht so, dass Zahir Belounis weint, wenn er beginnt, über sein Martyrium zu erzählen. Der Franzose weint bereits, wenn er ans Telefon geht. „Ich halte diesen Albtraum nicht länger aus“, sagt der 33-Jährige im Gespräch mit der Morgenpost. Die Stimme stockt immer wieder, er bekommt dann keinen Ton mehr heraus. Wo er gerade ist? „In meinem Haus. Meine Frau und die Kinder schlafen. Immer wenn sie schlafen, habe ich Zeit, zu weinen.“

Belounis ist ein Gefangener des Emirats Katar, des Ausrichters der Fußball-WM 2022. Seit zweieinhalb Jahren will er das Land verlassen, aber die Behörden verweigern ihm die Ausreisegenehmigung. Er wollte in den Hungerstreik treten, er dachte an Selbstmord, aber all das hat nichts gebracht: Sie lassen ihn einfach nicht raus. Die Geschichte von Zahir Belounis ist ein weiteres Kapitel in dem Buch der Skandal-Geschichten, das in Katar munter fortgeschrieben wird.

Die Vergabe der WM an den Wüstenstaat war umstritten, beim Bau der Mega-Stadt „Lusail City“ vor den Toren der Hauptstadt Doha sollen Dutzende Gastarbeiter ums Leben gekommen sein. Viele der Arbeiter werden mit falschen Versprechungen angelockt. Nach ihrer Ankunft nimmt man ihnen die Reisepässe ab, zahlt – wenn überhaupt – nur einen Bruchteil des vereinbarten Lohns und lässt sie bis zur Erschöpfung schuften. Es klingt wie moderne Sklaverei im – gemessen am Pro-Kopf-Einkommen – reichsten Land der Welt, das nur 300.000 Einwohner hat, in dem aber 1,2 Millionen Ausländer arbeiten.

Nach drei Jahren beim Verein der katarischen Armee hatte Belounis 2010 seinen Vertrag nicht verlängert. Aber sein Ex-Klub wollte ihn unbedingt zurückholen und machte so lange Versprechungen, bis er für fünf Jahre unterschrieb. 5000 Euro Grundgehalt verdiente er und stieg als Kapitän seines Team in die erste Liga auf. Dann aber wurde er nicht mehr gebraucht, erst zum Zweitligisten Al Markhiya verfrachtet, dann zu Al Ahli. Ihm wurde erst weniger Geld gezahlt und seit November 2011 gar nichts mehr.

Belounis reichte mittels eines Anwalts Klage ein. Jetzt, zwei Jahre nach der letzten Gehaltszahlung, sitzt er immer noch in seinem Haus in Doha. Eine Ausreisegenehmigung wurde ihm nicht erteilt, und über die Klage auf Gehaltsnachzahlung hat noch kein Gericht entschieden.

Die Ersparnisse sind längst aufgebraucht. Belounis hat den französischen Präsidenten Francois Hollande in Doha getroffen und – erfolglos – um Unterstützung erbeten. Er flehte Fifa-Boss Sepp Blatter an, ihm zu helfen, aber die Fifa teilte mit, sie könne in dem Fall „nicht intervenieren“, weil Belounis seine Klage auf Gehaltsnachzahlungen bei einem ordentlichen Gericht und nicht bei der Fifa eingereicht habe. Damit zieht sich der Weltverband aus der Affäre. Wie so oft in der Causa Katar.

Belounis hat etliche Gespräche mit Klubverantwortlichen, Behörden und Mitarbeitern der französischen Botschaft geführt und nun einen Brief an Frankreichs Ikone Zinedine Zidane und Pep Guardiola, den Trainer des FC Bayern München, geschrieben. Er bittet beide, „ihre Bekanntheit zu nutzen und sich einzumischen oder es zumindest zu versuchen, diese ausweglose Situation zu beenden.“ Weiter heißt es: „Bitte verstehen Sie, dass ich ein Opfer bin.“

Belounis schreibt: „Sie wissen, wie es ist, Kinder zu haben. Stellen Sie sich vor, wie es ist, täglich in einem halbleeren Haus zu sein. Als sie mir versprochen haben, ein Ausreisevisum zu geben, habe ich meine Möbel verkauft. Wenn ich jetzt in die Augen meiner Töchter schaue, schäme ich mich. Ich ekele mich vor mir selbst, weil ich sie in eine solche Situation gebracht habe.“ Am Ende des Briefs bittet Belounis Zidane und Guardiola, das Wort zu erheben und „zu tun, was möglich ist, um mir zu helfen, damit ich nach Hause kann.“