Nachwuchs

In Deutschland gibt es viel zu wenige Trainer

Kommission schlägt Alarm und fordert Lehrergehalt

Wer sich ein Bild machen will, wie sich Bundestrainer in Deutschland fühlen, der muss nur Beate Ludewig eine Weile zuhören. „Irgendwann ist Schluss, wir merken doch, dass es den Bach runtergeht“, schimpft die Jugend-Bundestrainerin beim Deutschen Schwimmverband, bis 2008 noch beim Berliner TSC tätig. Rund 27 Millionen Menschen sind Mitglied im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), „wir haben eine Macht als Sport, wir nutzen sie nur nicht“.

Die 61-Jährige zählt zu einer neuen Kommission, die vor Kurzem bei der Bundestrainer-Konferenz in Düsseldorf gebildet wurde. Deren Ziel ist, nach jahrelangen ergebnislosen Diskussionen ihre Interessen selbst in die Hand zu nehmen. Die Trainer fühlen sich und ihren Bereich nicht genügend gewürdigt – finanziell, aber auch ideell. „Sport hat eine hohe Relevanz“, sagt Hockey-Bundestrainer Markus Weise, der seine Teams zu drei olympischen Goldmedaillen führte, „eine extreme Bedeutung für Gesundheit, Bildung und Integration. Aber die wird nicht überall so gesehen.“ Klare Forderungen wurden formuliert: eine angemessene gesamtgesellschaftliche Anerkennung der Werte und Möglichkeiten des Sports, bessere Rahmenbedingungen für Leistungssportler und ihre Trainer sowie die Einbindung der Trainer in Führungsgremien des Sports.

„Uns liegt so viel auf der Seele“, erzählt Ludewig, „da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll.“ Und präsentiert Zahlen, die vielsagend genug sind. Eine Untersuchung an der Uni Leipzig hat ergeben, dass es in den USA 217.000 hauptamtliche Trainer gibt, in Großbritannien immerhin 36.500. In Deutschland sind es 2500. Bei den Olympia 2012 gewannen US-Athleten 46x Gold (Platz eins der Nationenwertung), Großbritannien 29x (3), Deutschland 11 (6). Unter diesen Umständen noch ein erstaunlich positives Abschneiden.

Wobei es den Initiatoren der Kampagne nicht nur um Leistungssport geht. Der kann ohne Unterbau nicht funktionieren, mit der Heranführung der Jüngsten an den Sport im Kindergarten- und Grundschulbereich. Aber in diesem Bereich als Trainer zu arbeiten, ist nicht lukrativ. „Nicht für 1400 Euro, wenn man ein abgeschlossenes Studium hat“, so Ludewig. Die Folge: „Wenn ich Kinder von der Heimatkundelehrerin trainieren lasse, muss ich mich nicht wundern.“ Schiebt jedoch schnell nach: „Wir sind froh, dass wir sie haben.“ Sie fordert, dass Trainer wie Lehrer bezahlt werden.

Finanzielle Sorgen kennt Frank Engel kaum, einst DDR-Nationaltrainer und seit 2009 sportlicher Leiter der Nachwuchsförderung im Deutschen Fußball-Bund. In zehn Jahren hat sich die Zahl der hauptamtlichen Trainer von 50 auf 500 verzehnfacht. 100 Millionen Euro fließen pro Jahr in die Fußball-Nachwuchsförderung in 52 Leistungszentren und 30 Eliteschulen. Dennoch gehört er zur Kommission, und dennoch bemängelt auch er die Bewegungsarmut der Kinder insgesamt. „Wenn ich früher in eine Schulklasse gegangen bin und gesagt habe: So, ihr zehn Kinder klettert mal auf einen Baum, dann haben es acht geschafft, einer halb und einer gar nicht. Heute schafft es einer, einer halb – und bei acht muss ich Angst haben, sie verunglücken.“