Basketball

Kurzarbeiter mit Intelligenz

Uros Slokar bleibt nur sechs Wochen bei Alba. Der Ersatz hilft dabei mehr als erwartet

Sicher war sich Uros Slokar damals nicht gewesen, als er den Vertrag unterschrieb. „Mache ich wirklich das Richtige?“, fragte sich der Basketballprofi. Zwei Wochen später sagt er nun: „Es war die richtige Entscheidung.“ Er sei gut aufgenommen worden, „und ich habe das Gefühl, dass ich helfen kann.“

Das kann er wirklich, der 2,10 Meter große Slowene, den Alba Berlin am 31. Oktober als Notnagel verpflichtet hat. „Es war schwierig, einen Spieler in einer solchen Situation zu bekommen“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel, „da muss man auch etwas Glück haben, dass er wirklich so fit ist.“ Besagte Situation ist die Verletzung von Leon Radosevic, der wegen eines Außenbandrisses und eines Anrisses des Syndesmosebandes im linken Fuß für einige Wochen ausfällt. Alba benötigte einen Ersatz, allerdings nur für sechs Wochen, bis Radosevic wieder zurück ist. Es wurde ein großer, dennoch schneller und athletischer Kurzarbeiter gesucht – und in Uros (sprich: Urosch) Slokar gefunden. Es ist heute in der O2 World gegen Ulm (19 Uhr, Sport1) sein fünftes Spiel im Alba-Trikot. Nach 13 Einsätzen für die Berliner in der Bundesliga und im Eurocup wird nach der Begegnung gegen Trier (14. Dezember) wieder Schluss sein.

Gleich in der Startformation

Der 30-jährige Slokar hatte sich in Wartestellung befunden. Sein Vertrag beim spanischen Klub Gran Canaria war im Sommer nicht verlängert worden, der slowenische Nationalspieler hatte sich danach mit keinem anderen Klub auf ein Engagement einigen können. Jetzt hat er sich auf ein Kurzgastspiel eingelassen. „Besser als zu Hause zu sitzen“, sei ihm durch den Kopf gegangen. In seiner Heimatstadt Ljubljana hatte er sich fit gehalten. „Mein letztes Spiel war am 21. September“, erinnert er sich. Damals schlug Slowenien bei der Heim-EM die Ukraine im Spiel um Platz fünf 69:63.

Einen Tag nach seiner Ankunft in Berlin wirkte er im Spiel in Bonn noch wie ein Fremdkörper, aber danach – gegen Gravelines, München und Mons – erfüllte er seine Aufgaben zuverlässig: Er verteidigte gut, holte Punkte und Rebounds. Erstaunlich schnell kannte er die Laufwege und fügte sich gut ein. Slokar stand immer in der Startformation. „Er hat einen sehr hohen Basketball-IQ“, lobt Trainer Sasa Obradovic.

Neben dem Sportlichen sieht Demirel noch einen anderen Aspekt: „Es muss charakterlich passen.“ Einem Spieler, der nur aushilft, müsse auch klar sein, „dass er nicht als Hauptdarsteller auftreten kann“. Schnell kann ein Neuer das Gefüge innerhalb eines Teams durcheinanderbringen. Bei Slokar bestehe diese Gefahr nicht.

„Natürlich ist es eine ungewohnte Situation, noch nie habe ich einen solchen Vertrag gehabt“, sagt Slokar. „Ich denke jetzt nur von Tag zu Tag, das ist das Beste.“ Warum hat einer keinen neuen Arbeitgeber gefunden, der bei europäischen Spitzenklubs (Treviso, Siena, Rom oder Triumph Lyubertsy/Russland) aktiv, in der Saison 2006/07 sogar in 20 Spielen für die Toronto Raptors in der NBA im Einsatz war? Da wird Slokar einsilbig: „Das müssen sie einige Manager oder Trainer fragen.“

Dass seine Zeit bei Alba auch eine Bühne für ihn sein könnte, um sich anderen Klubs zu empfehlen, verneint der Slowene allerdings. „Viele Leute wissen, was ich kann.“ Die Wochen in Berlin seien eher „für mein Selbstbewusstsein und meine persönliche Befriedigung wichtig“. So sehe er nämlich, dass er wieder mittendrin sein kann auf hohem Niveau im Basketball-Geschäft.

Seine Zukunftsaussichten? „Da mache ich mir keinen Kopf.“ Sicherlich wäre es eine tolle Sache, bei Alba bleiben zu können, aber er kennt ja die Vertragsmodalitäten. Demirel kann ihm keine großen Hoffnungen machen. „Wenn nichts Unvorhersehbares passiert“, ende Slokars Vertrag nach dem Trier-Spiel. „Aber man soll ja nie nie sagen.“