Steuerbetrug

Kritik an Hoeneß und seinen treuen Bayern

Als Uli Hoeneß tränenreich von seiner Steuersünde berichtete, huldigte die Masse ihrem Star mit Applaus.

Fast bedingungslos sicherten die Mitglieder dem Präsidenten des FC Bayern München am Mittwochabend ihre Gefolgschaft zu. Konsequenzen aus der Steuerhinterziehung in Millionenhöhe oder dem anstehenden Strafprozess forderte niemand. „Eine fatale Situation für die öffentliche Hygiene“, urteilte Wolfgang Seibel, der sich als Professor an der Universität Konstanz unter anderem mit dem Verhältnis von Macht und Moral beschäftigt. Er befürchtet gerade bei Jüngeren einen Verlust an Respekt vor der Rechtsordnung. Seit sieben Monaten sitzt Hoeneß seine Steuersünde aus. Bei Bayerns Jahreshauptversammlung mobilisierte er die Mitglieder durch Emotionen. „Er setzt auf eine falsche Kameraderie“, monierte Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Antikorruptions-Organisation Transparency International. „Hoeneß hat nicht verstanden, dass Glaubwürdigkeit und Reputation nicht verwechselt werden dürfen mit Emotionen und Anerkennung der Basis.“