Volleyball

Mit 22 schon Anführerin

Saskia Radzuweit dachte ans Aufhören. Doch beim Köpenicker SC macht ihr Volleyball wieder Spaß

Derbys kennt Saskia Radzuweit bislang nur aus dem Fernsehen. Die 22-Jährige, die im Sommer zum Köpenicker SC gewechselt war, spielte zuvor in Hamburg und damit an der Peripherie der deutschen Frauenvolleyballs. Der nächstgelegene Erstligaklub lag hundert Kilometer entfernt. Das Berlin-Brandenburg-Duell des KSC gegen den SC Potsdam am Sonnabend (19 Uhr, Sporthalle Hämmerlingstraße) ist somit eine Premiere für Radzuweit. „Für mich ist es eigentlich ein ganz normales Ligaspiel, aber ich habe schon mitbekommen, dass es für alle hier eine Partie mit vielen Emotionen ist“, sagt sie.

Abschied von der Trompete

Fünf Jahre lang hatte Saskia Radzuweit für Bundesligist VT Aurubis Hamburg gespielt. Immer wieder hatte man ihr dort großes Potenzial bescheinigt, doch den warmen Worten folgte nicht die entsprechende Spielzeit. Die angehende Ökotrophologin (Ernährungswissenschaftlerin) begann sich zu fragen, ob sich all der Aufwand noch lohnt. Sie investierte viel Zeit in den Volleyball, ging fünf Mal pro Woche zum Training und hatte für den Sport sogar mit dem Trompetespielen aufgehört. War es all das wert gewesen, nur auf der Bank zu sitzen? „Ich hatte den Spaß verloren“, erzählt sie. Sie dachte ans Aufhören, besann sich dann aber doch eines Besseren. Und wechselte zu den Schmetterlingen nach Köpenick.

Dort zählt man in dieser Saison auf ihre Fertigkeiten. Zwar würde sich Saskia Radzuweit niemals selbst als Anführerin bezeichnen – das passt nicht zu ihrer norddeutschen Zurückhaltung. Doch mit fünf Jahren Erfahrung in der Bundesliga zählt sie zu den routiniertesten Spielerinnen im Team von Benedikt Frank. Ihre besondere Qualität liegt darin, die jungen Teamkolleginnen zu motivieren – eine Aufgabe, die im Vorjahr noch KSC-Urgestein Ilona Dröger zukam, die im Sommer ihre Karriere beendete.

In Köpenick darf Saskia Radzuweit dort auflaufen, wo sie am liebsten spielt: im Außenangriff. Als Jugendliche stand sie meist noch im Mittelblock und schaffte es auf dieser Position bis in die Junioren-Nationalmannschaft, „doch dann wurde mir nahegelegt, nach außen zu wechseln, weil ich mit 1,83 Meter für eine Mittelblockerin eigentlich doch ein bisschen zu klein bin“, erinnert sie sich. Sie schulte um, wurde in Hamburg dann aber hauptsächlich als Diagonalspielerin eingesetzt, was zu weiterem Frust führte. „Ich finde, dass mir diese Position nicht so sehr liegt“, sagt sie.

Wegen der Teilnahme an der WM der Unter-23-Jährigen in Mexiko verpasste Radzuweit einen Großteil der KSC-Saisonvorbereitung. In den ersten Partien gab es deshalb noch einige Probleme in der Abstimmung. Mittlerweile aber ist sie aus dem Köpenicker Spiel kaum noch wegzudenken. Ihre Leistungen haben dazu beigetragen, dass der Klub zuletzt sogar lange mit Meister Schwerin mithalten konnte, wenngleich er letztlich doch mit 0:3 verlor.

„Ich habe das Gefühl, wir sind schon relativ weit“, sagt sie. Zu spüren bekommen sollen das am Wochenende auch die Potsdamerinnen, die mit einer Namensvetterin von ihr anreisen: Nationalspielerin Kathy Radzuweit, die in Hamburg sogar Seite an Seite mit Saskia Radzuweit auflief. Verwandt sind die beiden allerdings nicht. „Zumindest nicht, dass ich wüsste“, sagt sie.