Fußball-WM

Zittern um die Blockbuster

Ribéry, Ronaldo und Ibrahimovic sind Superstars. Mindestens einer wird im Play-off scheitern

Wenn die Titelseiten gehässig werden und die Verschwörungstheorien sprießen, dann steht im Fußball meistens Großes an. In den noch eher gemächlichen Betrieb von nationalen Ligen und Europapokal platzen dieser Tage die Ausscheidungsspiele um die letzten Plätze bei der WM 2014. Es geht um die wichtigste Messe, auf der ein Fußballspieler sich präsentieren kann. Und für einen erlauchten Kreis sogar noch um ein bisschen mehr.

Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic, Franck Ribéry – gleich drei Blockbuster des Gewerbes müssen in Hin- und Rückspielen noch ihr WM-Visum erwerben. Maximal zwei werden dann nächsten Sommer auch tatsächlich in Brasilien spielen, denn Ronaldos Portugal und Ibrahimovics Schweden treffen direkt aufeinander. Elektrisiert blickt die Welt heute auf Lissabon.

Das schwedische Blatt „Aftonbladet“ eröffnete dieser Tage mit einem Foto von 2004, das einen weinenden Ronaldo nach Portugals verlorenem EM-Finale gegen Griechenland zeigt. „So wollen wir ihn auch am Dienstag wieder sehen“, lautete die Schlagzeile. Dann ist das Rückspiel in Solna. „CR7“ selbst ist relativ zufrieden mit dem Los. Er hatte Schlimmeres befürchtet, konkret: ein Duell mit Frankreich. „Weil da viele Interessen im Spiel“ gewesen wären – eine Anspielung auf die Nationalität von Uefa-Präsident Michel Platini und die skandalösen Umstände von Frankreichs WM-Qualifikation 2010 im Play-off gegen Irland (das nicht geahndete Handspiel von Thierry Henry). In Portugal haben sie es seit dem EM-Aus 2000 gegen die Grande Nation (das geahndete Handspiel von Abel Xavier) so gar nicht mit den Franzosen – und mit den internationalen Fußballverbänden auch nicht. Zumal deren Oberhaupt Blatter mit einer Ronaldo-Parodie kürzlich noch munter weiter am lusitanischen Opfermythos strickte.

„Die Aktion von Blatter hat vielen Leuten die Augen geöffnet“, grummelt Verteidiger Pepe. Er könne nur hoffen, dass sein Team gegen Schweden nicht ebenso gegen höhere Mächte ankämpfen müsse wie Ronaldo im Ringen um persönlichen Ruhm. Viele Beobachter sehen keinen Zufall darin, dass Pepe so gekonnt die Aufmerksamkeit auf die Weltfußballerwahl lenkte. Ganz so machtlos ist die Ronaldo-Fraktion nämlich auch nicht, sie wird gesteuert von Jorge Mendes, dem wichtigsten Spielerberater der Welt. Neben Pepe und fast der kompletten portugiesischen Nationalmannschaft gehört zu seinem Stall auch Jose Mourinho, der passenderweise gerade jetzt die Öffentlichkeit mit der Einsicht beglückte, mit Ronaldo bei Real Madrid gearbeitet zu haben, „sei das Beste, das mir in meiner Karriere passierte“.

Der Zeitpunkt für eine PR-Offensive scheint deshalb so günstig, weil das Votum für die Weltfußballerwahl just in den nächsten Wochen fällig ist. Da der viermalige Titelträger Lionel Messi zuerst schwächelte und jetzt verletzt bis Jahresende ausfällt, gilt die Abstimmung als offen wie lange nicht.

Ronaldos Obession für die Auszeichnung ist hinlänglich bekannt. Die von Ribéry scheint kaum geringer. Ja, er denke viel an den Goldenen Ball, gab er in einem Interview mit „L’Equipe“ zu. Seine Frau habe sogar schon einen Platz für die Trophäe frei geräumt, auf dem Kamin im Wohnzimmer. Nur Ibrahimovic scheint die Sache locker zu nehmen, so generös wie er jetzt mit Lob für seine Konkurrenten um sich warf: „Ribéry war großartig dieses Jahr. Messi ist pures Talent. Ronaldo macht das unglaublich gut. Alle haben ein sehr hohes Niveau.“