Schach-WM

Wunderkind Carlsen will auf den Schach-Thron

Wenn am Sonnabend die Schach-WM zwischen dem Norweger Magnus Carlsen und Titelverteidiger Viswanathan Anand aus Indien beginnt, startet nicht nur das womöglich größte Duell seit den Partien zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky 1972 – sondern auch ein Kampf der Generationen.

Denn für die Faszination im Fünf-Sterne-Hotel Hyatt Regency wird vor allem der Herausforderer sorgen. Gerade einmal 22 Jahre alt ist Carlsen und doch schon jetzt ein Superstar. Eine Modemarke verpflichtete ihn als Werbemodel, das „Time Magazin“ wählte den „Mozart des Schachs“ in diesem Jahr unter die 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt, für „Cosmopolitan“ gehört er unter die 100 attraktivsten Männer weltweit. Häufig wirkt der durchtrainierte Carlsen aber auf den ersten Blick unnahbar, als leide er unter chronischer Langeweile. Doch am Schachbrett ist es damit vorbei – dort ist er ein Kämpfer.

Als Kind saß er beim Essen oft abseits der Familie an einem Extratisch – um weiter in Ruhe Schach spielen zu können. „Ich wäre nicht dort, wo ich heute bin, wenn ich nicht all diese Stunden investiert hätte“, sagt der jüngste Weltranglistenerste der Geschichte. Anand rangiert nur auf Platz 8. Carlsen erreichte dank vieler Turniersiege im Frühjahr die höchste Wertungszahl für seine Spielstärke (2872 Elo-Punkte), die jemals ein Spieler erreicht hat. Während sich andere Großmeister stundenlang in die Feinheiten der Eröffnung vertiefen, misst der Norweger dieser Phase des Spiels weit weniger Bedeutung bei. Er besiegt seine Gegner lieber im Mittel- und Endspiel, gibt auch deutliche Remisstellungen nie verloren – ein Kämpfer eben.

Die Formkurve Anands dagegen zeigt nach unten, nur noch selten gewann der 43-Jährige zuletzt Turniere. Neben dem Heimvorteil wird seine Erfahrung aber als Vorteil angesehen. Das WM-Duell ist auf zwölf Partien ausgelegt. Das Preisgeld beträgt 2,55 Millionen Dollar (1,89 Millionen Euro), von dem der Sieger 60 Prozent erhält.