Neue Stärke

Deutsche Basketballteams auf Höhenflug in Europa

BBL-Klubs profitieren von ihren gestiegenen Budgets

„Dieses Team wird noch große Siege feiern.“ Georgios Bartzokas, der Trainer von Olympiacos Piräus, meinte nicht seine eigene, die beste Vereinsmannschaft Europas. Er beschrieb nach einem überaus glücklich zustande gekommenen 88:83-Sieg gegen Bayern München in der vergangenen Woche den Verlierer, der dem Titelverteidiger in der Europaliga alles abverlangt hatte. Die deutschen Basketball-Teams sind insgesamt hoch im Kurs. Sieben, so viele wie nie zuvor, sind in dieser Saison in den höchsten internationalen Wettbewerben Europaliga (München, Bamberg) und Eurocup (Berlin, Bonn, Ulm, Oldenburg, Quakenbrück) unterwegs. Fünf von ihnen haben zwei ihrer ersten drei Spiele gewonnen – auch das ein Zeichen gewachsener internationaler Stärke.

Dazu zählt traditionell Alba Berlin. Das stark verjüngte Team, das am Dienstagabend (20 Uhr, O2 World) im Eurocup den französischen Pokalsieger Gravelines Dunkerque empfängt, hat wie immer das Erreichen der nächsten Runde zum Ziel. Die Berliner sind seit über 20 Jahren nicht nur dabei, wenn es um kontinentale Herausforderungen geht, sondern sehr ambitioniert am Start. „Alba ist einer der Leitsterne unserer Liga“, lobt Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). Der Verein hat in Europa mit die höchsten Zuschauerzahlen und wurde schon mehrfach für seine gute Organisation ausgezeichnet. Und zum Vorbild.

Während früher viele Konkurrenten den Europapokal nur als lästiges Beiwerk empfanden, in dem man sowieso nur verlieren kann, ist inzwischen ein wahrer Wettkampf um die freien Plätze da. Das hat Gründe. Der wichtigste: Die Vereine können es sich jetzt leisten, größere Kader aufzustellen, Spieler mit höherer Qualität zu verpflichten und ihre Mannschaften länger zusammenzuhalten. Der Durchschnitt der Saisonbudgets hat sich in den vergangenen fünf Jahren auf 4,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Und dieses Geld „ist solide am Markt verdient“, wie Pommer sagt, nicht durch Zuschüsse von Mäzenen oder Kommunen, wie es häufig in Süd- oder Osteuropa der Fall ist.

Auf Dauer, ist Alba-Geschäftsführer Marco Baldi überzeugt, werden sich die Klubs durchsetzen, die nicht von Gönnern abhängig sind, „sondern am Markt agieren“. Die Entwicklung der BBL im internationalen Vergleich nennt er „atemberaubend. Sie wächst und wächst. Wir sind in Europa wettbewerbsfähig.“ Sicher gebe es ein knappes Dutzend Vereine wie Maccabi Tel Aviv, Real Madrid oder Panathinaikos Athen, die über allen schweben. Aber dahinter gibt es ein Feld von noch einmal 50 bis 60 Mannschaften. Darunter sind jetzt zum ersten Mal sieben deutsche. Andere Ligen haben weniger gut gearbeitet, und so kommt es häufiger zu erfreulichen Resultaten aus deutscher Sicht. Dass sich etwa die stolzen Spanier von Cai Saragossa innerhalb einer Woche Alba Berlin und den Telekom Baskets Bonn beugen müssen. Dass die neureichen Bayern den italienischen Champion Siena aus der Halle schießen oder die Brose Baskets Bamberg Efes Istanbul niederkämpfen.

Nun ist dies nur ein Zwischenfazit, „aber ein positives“, stellt Pommer fest, „am Ende kommt es natürlich darauf an, wie weit die deutschen Klubs wirklich kommen.“ Schließlich hat sich die BBL das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2020 die spanische ACB als Nummer eins in Europa abgelöst zu haben. Pommer findet: „Wir gehen den Weg, den wir uns gewünscht haben.“ Die großen Siege sollen bald folgen.