Nationalmannschaft

Handballer auf Liebesentzug

Deutsche Mannschaft gewinnt den Supercup vor leeren Rängen

Drei Spiele, drei Siege: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat den ersten Schritt aus der sportlichen Krise bravourös gemeistert und mit einer makellosen Bilanz den Supercup gewonnen. Das Team von Bundestrainer Martin Heuberger holte sich mit dem sechsten Erfolg beim prestigeträchtigen Vier-Nationen-Turnier reichlich Selbstvertrauen für die großen Aufgaben im kommenden Jahr. Für einen faden Beigeschmack sorgten allerdings die leeren Zuschauerränge.

Nach den Erfolgen gegen den Olympiazweiten Schweden (29:24) und Außenseiter Ägypten (36:26) besiegte der WM-Fünfte zum Abschluss Polen mit 24:23 (11:11) und beendete das Turnier mit der maximalen Ausbeute von sechs Punkten. Beste deutsche Torschützen in der Neuauflage des WM-Finales von 2007 vor erneut nur 4050 Zuschauern in Hamburg waren Kreisläufer Patrick Wiencek und Rechtsaußen Johannes Sellin mit jeweils fünf Treffern. Garant des Sieges war allerdings Torhüter Silvio Heinevetter, der den Erfolg im zweiten Abschnitt mit teils spektakulären Paraden festhielt. Für den polnischen Vize-Weltmeister von 2007 traf Karol Bielecki am häufigsten (5 Tore), Füchse-Spielmacher Bartlomiej Jaszka einmal.

„Das ist der perfekte Abschluss einer wunderbaren Woche für den deutschen Handball“, sagte DHB-Präsident Bernhard Bauer. Wenige Tage nach der erfolgreichen WM-Bewerbung 2019 bot das deutsche Team bei seinen Auftritten in Bremen und Hamburg eine ansprechende Leistung, überzeugte mit einem starken Kollektiv und konnte eine neue Aufbruchstimmung erzeugen. Der Supercup galt für das Team, das bei der Europameisterschaft im Januar nur Zuschauer sein wird, als Startschuss in die Vorbereitung auf das WM-Play-off im Juni 2014. Nach verpasster Olympia- und EM-Teilnahme ist die Qualifikation für den Weltmeister von 2007 Pflicht.

Fans reagieren auf Misserfolge

„Ich bin mit der Leistung der Mannschaft zufrieden, aber wir dürfen das Ganze jetzt auch nicht überbewerten“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning und sprach von einem „Freundschaftsturnier“. Der neue starke Mann im deutschen Handball verwies auf die große Aufgabe im kommenden Sommer. „Die Quali wird unsere Weltmeisterschaft. Wenn wir im Juni scheitern, haben wir ein Problem. Das ist ein No-Go und darf nicht passieren“, sagte der 45-Jährige.

Wie schwer es die Sportart in Deutschland schon jetzt hat, legte das Zuschauerinteresse am 18. Supercup schonungslos offen. Nachdem bereits bei der ersten Turnierstation in Bremen knapp die Hälfte der Plätze leer geblieben war, verirrten sich am Sonntag gerade einmal 4050 Zuschauer in die riesige Multifunktionsarena im Hamburger Volkspark (Fassungsvermögen: 13.000).

Der Oberrang war komplett verwaist und mit schwarzem Tuch abgehängt. „Wir haben mit unseren zuletzt gezeigten Leistungen in der Öffentlichkeit Kredit verspielt. Das merkt man an den Zuschauerzahlen, ganz klar“, sagte Bundestrainer Heuberger selbstkritisch. Von einer Rückkehr in kleinere Arenen halten die DHB-Verantwortlichen allerdings nichts. „Unser Anspruch muss auch in Zukunft sein, große Hallen zu füllen“, sagte Hanning.

Während Verbandschef Bauer ankündigte, Fehler bei der Planung der Veranstaltung analysieren zu wollen, gab sich Kapitän Oliver Roggisch kämpferisch. „Für mich ist es ein großer Ansporn, die Hallen wieder so voll zu bekommen. Das können wir aber nur durch Leistung schaffen“, sagte Roggisch. Die Auftritte beim Supercup waren auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung.