Großveranstaltung

Europas Leichtathletik-Stars treffen sich in Berlin

Die EM findet 2018 im Olympiastadion statt und soll der Sportart einen Schub geben

Eigentlich konnte nichts schiefgehen – und entsprechend hielt sich die Anspannung auch in Grenzen. Doch als am Sonnabendvormittag kurz nach 10 Uhr in Zürich die Entscheidung offiziell bekannt gegeben wurde, war die Freude doch sehr groß: Die Leichtathletik-Europameisterschaft 2018 wird im Berliner Olympiastadion stattfinden. Nach der unvergesslichen Weltmeisterschaft 2009 kehren nun Europas Spitzenathleten auf die blaue Bahn zurück.

Im August 2018 werden Läufer, Werfer und Springer um die Medaillen kämpfen. Der genaue Termin der sechstägigen Veranstaltung steht noch nicht fest. 1400 Sportler und 700 Offizielle aus 50 Ländern werden erwartet, bis zu 2000 Medienvertreter werden aus der deutschen Hauptstadt berichten.

„Wir garantieren 2018 eine EM auf höchstem technischen Niveau und mit ausgezeichneten Rahmenbedingungen für die Athleten und Athletinnen“, versprach Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, war extra mit nach Zürich gereist, wo der DLV dem europäischen Verband (EAA) seine Bewerbung präsentierte. Er wies darauf hin, „dass wir mit der WM 2009 schon einmal gezeigt haben, dass wir ein internationales Leichtathletik-Großereignis hervorragend organisieren können“. Berlin verfüge mit dem Olympiastadion „über eines der modernsten Stadien Europas“.

„Berlin hat mit einer eindrucksvollen interaktiven Präsentation begeistert“, erklärte der EAA-Präsident Hansjörg Wirz. Eine weitere Präsentation gab es nicht – Berlin war als einziger Bewerber um die EM übrig geblieben. Als letzter Konkurrent hatte Ende Juni Budapest seine Bewerbung wegen Problemen mit dem Stadion zurückgezogen.

Hocherfreut wurde das Votum für Berlin auch beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgenommen. „Diese Vergabe zeigt wenige Tage nach der Entscheidung für die Handball-WM in Deutschland und Dänemark erneut, wie sehr wir weltweit als Ausrichter von Sportgroßveranstaltungen geschätzt werden“, erklärte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Er sah sich in den Bemühungen um olympische Winterspiele bestärkt: „Mit Blick auf München 2022 sagen wir: Wenn nicht jetzt, wann dann.“

Einen ähnlichen Schub für die Leichtathletik wie im Vorfeld, aber auch nach der WM 2009 erhofft sich Gerhard Janetzky, der Präsident der Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV), von der EM: „Es ist für den Verband wie für die Sportler immer sehr gut, auf ein solches Ziel hinzuarbeiten.“ Das gebe eine besondere Motivation.

WM 2009 hatte Vorbildfunktion

Er strich die Wichtigkeit heraus, dass die Leichtathletik im Olympiastadion, einem der wenigen Stadien in Deutschland mit einer Laufbahn, präsent ist. Einmal im Jahr sei das Internationale Stadionfest (Istaf) in der gut 70.000 Zuschauer fassenden Arena – „aber das war’s dann auch schon“. Wenn nicht für ein solches Großereignis, fragt Janetzky, „wofür haben wir dann die Bahn im Olympiastadion?“

Nach der WM 2009 habe er zunehmendes Interesse bei Berliner Kindern für die Leichtathletik festgestellt. Im Bereich unter 16 Jahren finde sich sehr talentierter Nachwuchs. „Die Titelkämpfe hatten eine Vorbildfunktion.“ Beispiel Diskuswerfer Robert Harting, der damals Gold gewann: „Diskuswerfen wird jetzt nicht mehr komisch angeguckt“, sagt Janetzky. Für 2017 werde sich Berlin „als EM-Generalprobe“ mit dem Olympiastadion um die Deutschen Meisterschaften bewerben.