Olympiastadion

Boateng gewinnt ungleiches Duell gegen Ben-Hatira

Pfiffe vom Publikum bei der Auswechslung des Schalkers

Es war ein ungleiches Duell der alten Kumpels. Änis Ben-Hatira stand längst unter der Dusche, als Kevin Boateng noch schwer gefragt war. Ben-Hatira wollte nicht weiter eingehen auf das Treffen mit seinem ehemaligen Teamkollegen, mit dem er sich in den 1990ern in den Bolzkäfigen im Wedding ausgetobt hatte. Frei nach dem Abba-Song „The winner takes it all“ wollten die Medien von Boateng hingegen jedes Detail wissen.

Beim Bezahlsender Sky gab es eine Extraschaltung mit dem Star des FC Schalke. Ob die ARD-Sportschau, das ZDF-Sportstudio, die diversen Radio-Stationen – die Fragen prasselten auf den gebürtigen Berliner ein. Boateng ließ sich nicht aus Ruhe bringen. Nein, auf dem Platz hat er nicht mit Ben-Hatira geredet, ihre Wege haben sich kaum einmal gekreuzt. Nein, Ben-Hatira hat für die Partie in der Rückserie keine Revanche angekündigt. „Und wenn, wird Änis sie nicht bekommen.“

Zwischendrin begrüßte er alte Bekannte wie Andreas Neuendorf. „Mit ’Zecke’ habe ich nie den Kontakt verloren, er ist ein enger Freund.“ Mit seinem älteren Bruder George umarmte er sich am Rande des Spielfeldes.

Emotionen bei seiner ersten Rückkehr ins Olympiastadion leistete sich Boateng nur vor dem Anstoß. „Beim Warmmachen habe ich mich dauernd umgeschaut. Ich kenne das ja alles. Ich habe mich riesig gefreut, hier wieder zu spielen.“ Von 1996 bis 2007 hatte Boateng fast alle Jugendmannschaften bei Hertha durchlaufen und war Profi geworden, ehe er im Sommer 2007 für 7,9 Millionen Euro zu Tottenham Hotspur gewechselt war.

Mit dem Anpfiff lieferte Boateng eine professionelle Vorstellung ab. „Wir wussten, dass das ein Kampfspiel wird. Und den Kampf haben wir besser angenommen und damit auch verdient gewonnen.“

Rein sportlich lieferte Boateng einen unauffälligen Auftritt ab. 48 Ballkontakte, das ist Durchschnitt. Ebenso wie seine Laufleistung von 10,3 Kilometern oder seine Passquote von 68 Prozent. Bei keinem der beiden Schalker Tore war Boateng beteiligt. „Das war alles egal“, sagte Boateng, „nach zuvor zwei Niederlagen wollten wir unbedingt gewinnen.“

Anders als in den vergangenen Partien spielte Boateng nicht zentral im Mittelfeld, sondern auf der linken Außenbahn. „Der Trainer hat mich gefragt, ob das geht. Ich habe dort schon bei Milan gespielt. Ich habe vielleicht nicht mein bestes Spiel gemacht, aber es ging uns um das Resultat.“

Bei seiner Auswechslung nach 87 Minuten gab es für den einstigen Hoffnungsträger Pfiffe vom Berliner Publikum. Boateng war nicht beeindruckt. „Ja, das habe ich mitbekommen. Aber es kann mich ja nicht jeder mögen.“