Fußball

Blau-Weiße Ernüchterung

Hertha tritt gegen Schalke engagiert auf, doch die Berliner vergeben viele Chancen und verlieren 0:2

Die blau-weißen Fans taumelten vor Glück im Olympiastadion. Sie tanzten und klatschen ihrer Mannschaft Beifall. Ein Bild, an das man sich zuletzt in der Berliner Arena schon gewöhnt hatte. Doch anders als bei den vier Heimsiegen von Hertha BSC in dieser Spielzeit hatten diesmal nur die Gäste Grund zur Freude. Der Berliner Aufsteiger verlor eine ausgeglichene Partie gegen den Champions-League-Teilnehmer Schalke 04 durch Tore von Adam Szalai (26. Minute) und Julian Draxler (90.+4) mit 0:2 (0:1).

„Für uns fühlt sich diese Niederlage sehr schlecht an“, sagte Berlins Cheftrainer Jos Luhukay enttäuscht. „Wir haben nicht schlechter gespielt als in unseren Heimspielen zuvor.“ Auch im zehnten Bundesligaspiel in Folge gegen Schalke gelang den Herthanern kein Sieg.

Dabei hatte Hertha gut begonnen. Luhukay setzte auf die Elf, die eine Woche zuvor beim FC Bayern nur mit 2:3 unterlag. Sein Team wirkte ballsicher und schaltete schnell von Abwehr auf Angriff. Das führte zur ersten guten Gelegenheit für die Berliner: Nico Schulz fing einen Pass im Spielaufbau der Königsblauen ab, steckte auf Ben-Hatira durch, der plötzlich frei vor Schalkes Keeper Timo Hildebrand auftauchte, doch seinen strammen Flachschuss parierte der ehemalige Nationaltorhüter (12.).

Vier Minuten später wähnten die 69.277 Zuschauer im Berliner Olympiastadion den Ball schon im Netz. Wieder hatte Schulz mit einer Flanke Ben-Hatira in Szene gesetzt. Der Deutsch-Tunesier zog direkt ab, doch sein Schuss landete am Außennetz. Das Schalker Team von Trainer Jens Keller brauchte eine Zeit, um ins Spiel zu finden. Nationalspieler Draxler umdribbelte drei Herthaner und zog aus 16 Metern ab, doch sein Schuss flog hauchdünn am Berliner Kasten vorbei (23.). Plötzlich war Schalke im Spiel. Bei seiner Rückkehr sechs Jahre nach seinem Weggang von Hertha kam Kevin-Prince Boateng im Strafraum an den Ball, passte zu Szalai, dessen Schuss aus kurzer Distanz vom Berliner Schlussmann Thomas Kraft zur Ecke geklärt werden konnte. Der Eckball von Dennis Aogo flog in den Fünfmeterraum, Kraft verschätzte sich beim Rauslaufen, und Szalai köpfte ins leere Tor (26.).

Das 0:1 war bereits das vierte Kopfballgegentor der Berliner in den letzten zwei Spielen und das dritte nach einer Standardsituation. Wie schon in München zweimal musste Kraft auch diesen Treffer auf seine Rechnung nehmen. Obwohl Innenverteidiger Sebastian Langkamp ihn in Schutz nahm: „Das war mein Gegenspieler und mein Fehler.“

Ramos verzweifelt an Hildebrand

Der Rückstand hinterließ Eindruck bei den Herthanern: Was zuvor noch flüssig nach vorn lief, stockte nun. Einzig einen Schuss vom wieder einmal laufstarken Per Skjelbred musste Hildebrand bis zur Pause noch parieren (32.).

Zu Beginn des zweiten Durchgangs konnten sich die Schalker bei ihrem starken Schlussmann bedanken, dass sie noch führten: Erst lenkte der 34-Jährige einen Freistoß von Tolga Cigerci über den Querbalken (50.). Dann verhinderten seine Fingerspitzen bei der fälligen Ecke und einem strammen Kopfball von Adrian Ramos den Ausgleich. Der erneute Eckball landete wieder bei Ramos, doch der Kolumbianer köpfte freistehend drüber (51.).

Die beste Phase des Spiels brach an: Hertha drückte, hatte aber Probleme, die zahlreichen Kontermöglichkeiten konsequent zu Ende zu spielen. Schalke machte es besser: Talent Max Meyer kam an der Strafraumgrenze an den Ball und drosch ihn ans Berliner Gebälk (63.). Fast im Gegenzug zwang der eingewechselte Ronny Hildebrand zur Parade, als er es aus 20 Metern flach probierte (65.). Schalke stand nun sicher. Zwanzig Minuten lang ließen die Knappen nichts mehr zu. Als Ramos doch einmal zum Kopfball kam, stand wieder der beste Schalker Hildebrand richtig (85.). Auch den letzten Versuch von Ronny, der einen Freistoß auf das Tor zog, hatte Hildebrand im Nachfassen sicher (90.+3). Hertha warf nun alles nach vorn und musste mitansehen, wie Draxler den letzten Konter des Spiels zum 0:2 vollendete.

„Dass wir uns für den großen Aufwand, den wir heute betrieben haben, nicht belohnt haben, tut sehr weh“, sagte Ben-Hatira. Dass Hertha dies nicht gelang, lag an der mangelnden Chancenverwertung und an Timo Hildebrand.