Interview

„Ich will Sebastian Vettel besiegen“

Daniel Ricciardo wird der neue Teamkollege des Weltmeisters. Der Australier hat klare Ziele bei Red Bull und schätzt Freundschaften

Nach der Rückkehr aus Abu Dhabi bekommt Daniel Ricciardo einen ersten Einblick in sein neues Rennfahrer-Leben. Zum ersten Mal seit der Bekanntgabe seines Wechsels wird er im englischen Milton Keynes den Red-Bull-Simulator testen, in der kommenden Saison dann wird das sein angestammter Arbeitsplatz sein: Der 24 Jahre alte Australier wird als Nachfolger seines Landsmanns Mark Webber der neue Teamkollege von Sebastian Vettel, der in der Qualifikation seine 44. Poleposition nur knapp verpasst hat und am Sonntag (14 Uhr, Sky und RTL) im Großen Preis von Abu Dhabi hinter Webber ins Rennen geht. Obwohl Vettel die Formel 1 länger beherrscht als Ricciardo überhaupt mitfährt, hat der Toro-Rosso-Pilot keine Angst vor der großen Aufgabe, im Gegenteil. Vor dem Grand Prix in Abu Dhabi sprach Simon Pausch mit Ricciardo.

Berliner Morgenpost:

Mister Ricciardo, Sie bekommen, wovon Fernando Alonso nach eigenen Angaben träumt: einen Red-Bull-Boliden unter den Hintern.

Daniel Ricciardo:

Ja, manchmal kann ich es selbst kaum glauben.

Was hat sich verändert, seit Sie vor zwei Monaten von der Entscheidung hörten?

Ich muss seitdem mehr Interviews geben. Und die Zahl meiner Twitter-Follower ist gestiegen. Aber sonst? Ich bin der gleiche Typ geblieben. Ich kann noch über die Straße gehen, ohne bedrängt zu werden wie ein Hollywood-Star.

Was erwarten Sie vom nächsten Jahr?

Zunächst gilt meine volle Konzentration dieser Saison. Aber ab Tag eins nach dem Grand Prix von Brasilien rechne ich mit Herausforderungen auf allen Ebenen: mehr Aufmerksamkeit von außen, Zweikämpfe mit Sebastian Vettel, aus denen ich extrem viel lernen kann. Außerdem will ich mithelfen, 2014 den WM-Titel in der Konstrukteurs-Meisterschaft zu verteidigen. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf das nächste Jahr, bin ziemlich aufgeregt.

Fürchten Sie den Druck, der bei Red Bull höher sein wird als bei Toro Rosso?

Nein, überhaupt nicht. Sebastian hat als viermaliger Weltmeister viel mehr Druck. Sollte unser Auto schnell genug sein für Siege, worauf ich sehr hoffe, wird jeder von ihm erwarten, dass er wieder den Titel gewinnt. Ich bin nur der junge Fahrer. Bei mir rechnet niemand damit, dass ich Sebastian besiegen kann. Trotzdem werde ich es versuchen.

Erkennen Sie Schwachpunkte bei ihm, die Sie ausnutzen könnten?

Er ist in der Form seines Lebens, ich sehe keine Schwäche bei ihm. Vielleicht sollte ich ihm etwas ins Essen mischen (lacht). Nein, im Ernst: Ich will ihn natürlich mit fairen Mitteln besiegen.

Nach dem Titelgewinn nannten ihn die Medien ein „Monster“ oder einen „Tyrannen“. Er hat die vergangenen sechs Rennen gewonnen und jagt die Rekorde von Michael Schumacher. Wie wehrt man sich dagegen, von so einem Monster gefressen zu werden?

Er macht alles sehr richtig. Das werde ich mir genau anschauen und dann versuchen, es so gut es geht nachzumachen.

Welche Parallelen erkennen Sie zwischen Ihnen und Vettel?

Wir sind uns charakterlich sehr ähnlich. Er scheint ein lustiger Typ zu sein. Ich versuche das auch, wir werden bestimmt viel zusammen lachen. Er versucht, sein Privatleben so gut es geht weg von der Strecke zu halten. Er kommt hierher, um seine Arbeit zu erledigen und nicht, um seine Familie von den Kameras filmen zu lassen. Ich sehe es so wie Sebastian.

Können Teamkollegen Freunde sein?

Das hängt davon ab, was Sie unter Freundschaft verstehen. Für mich heißt es, dass man zusammen essen geht oder ins Kino. Dass man sich über Sport genauso unterhalten kann wie über Probleme mit der Freundin. Andererseits: Würde ich meinen Teamkollegen an Weihnachten zu meiner Familienfeier einladen? Ich glaube, dass es schwierig ist, mit seinem Teamkollegen befreundet zu sein. Beide wollen gewinnen, aber es gibt immer einen, der verlieren muss.

Vettel hatte Probleme mit Ihrem Landsmann Mark Webber. Geht der deutsch-australische Ringkampf 2014 weiter?

Nein, sicherlich nicht. Schauen Sie: Mark ist viel älter als ich. Wir sind zwei völlig unterschiedliche Charaktere, das kann man nicht vergleichen. Er hat mir gesagt, ich solle einfach mein Ding durchziehen, und genau das werde ich auch machen. Mit den alten Sachen, die zwischen ihm und Sebastian vorgefallen sind, habe ich nichts am Hut.

In einem Interview haben Sie gesagt, dass der beste Zeitpunkt zum Aufhören der erste WM-Titel ist. Den hat Vettel verpasst. Hoffen Sie trotzdem drauf, dass er nächstes Jahr wieder gewinnt, zurücktritt und Sie die neue Nummer eins bei Red Bull sind?

Ich weiß noch was Besseres: Ich werde Weltmeister und beende dann meine Karriere. Das wäre doch was.