Handball

Nächste Etappe auf dem langen Weg eines Ungeduldigen

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Sebastian Arlt

Füchse-Profi Christophersen war zuletzt oft verletzt, jetzt steht er wieder im Nationalteam

Nie scheint der Handball-Supercup so wichtig wie heute. „Der erste Schritt aus der Krise“, titelt das Fachmagazin „Handballwoche“ hoffnungsfroh. „Der Stellenwert ist höher als sonst“, sagt Nationalspieler Uwe Gensheimer mit Blick auf das Vier-Nationen-Turnier von Freitag bis Sonntag in Bremen und Hamburg (siehe auch Infokasten). Es gehe auch darum, so der Mann von den Rhein-Neckar Löwen, „am Image der Nationalmannschaft zu arbeiten. Das ist wichtig für die Außendarstellung.“

Denn die war zuletzt alles andere als positiv: Bei den Olympischen Spielen 2012 in London war das Team des Deutschen Handballbundes (DHB) nicht dabei; in der Qualifikation für die EM im Januar 2014 in Dänemark scheiterte die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger, der deshalb heftig in die Kritik geriet.

Doch seit dem vergangenen Montag sind beim DHB alle in Hoch- und Aufbruchstimmung: Deutschland hat gemeinsam mit Dänemark den Zuschlag für die Austragung der WM 2019 erhalten. Jetzt soll durchgestartet werden. Das Ziel heißt: Rückkehr in die Weltspitze. „Wir wollen die Nationalmannschaft wieder zu einem Premium-Produkt machen“, erklärt Bob Hanning, in Personalunion Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin und DHB-Vizepräsident. Auf dem langen Weg dorthin soll der Supercup die erste Etappe sein.

Oft Kontakt mit dem Bundestrainer

Für Sven-Sören Christophersen ist das Turnier ebenfalls von großer Bedeutung. Seit etwa einem Jahr plagt sich der Rückraumspieler der Füchse Berlin mit diversen Verletzungen herum. Jetzt wieder von Heuberger fürs Nationalteam nominiert worden zu sein, „ist für mich eine ganz tolle Sache“, sagt der 28-Jährige. Nach wie vor ist „Smöre“, wie ihn Kollegen und Fans nennen, nicht wieder komplett zu alter Stärke zurückgekehrt. Vor einigen Wochen hatte er noch auf einen Lehrgang der Nationalmannschaft verzichtet, weil der zu früh gekommen wäre. Doch jetzt hat er Heubergers Einladung dankend angenommen.

„Auch als ich verletzt war, hatte ich immer Kontakt mit dem Bundestrainer“, erzählt Christophersen. „Er hat einige Male angerufen.“ Für Heuberger ist der 1,98 Meter große Rechtshänder ein wichtiger Faktor. Um so erfreuter ist er, dass sich Christophersen auf seinem Weg zurück dem Ziel langsam nähert.

Eine „schwere Zeit“, so der Füchse-Profi, seien die vergangenen zwölf Monate gewesen. „Ich bin ein Kopfmensch“, sagt er über sich. Das heißt, dass er während der Zeit der Comebacks und immer wieder neuen Verletzungen viel gegrübelt hat. Als „sehr ehrgeizig und selbstkritisch“ bezeichnet er sich, Geduld ist nicht seine am meisten ausgeprägte Charaktereigenschaft.

Im November 2012 zog er sich einen Einriss des Außenbandes im rechten Knie zu. Er schaffte es trotz wochenlanger Pause dennoch, im Januar 2013 bei der WM in Spanien im DHB-Team zu stehen. Vielleicht zu früh? Im Februar 2013 entzündete sich sein linkes Knie. Wieder folgte eine Zwangspause, bis er Ende März zurückkam. Dann verdrehte er sich Anfang Juni im Training vor dem letzten Saisonspiel in Hannover das linke Knie. Am 11. Juni wurde er an der Patellasehne operiert.

Eine Pause von vier bis fünf Wochen wurde zuerst prognostiziert. Aber erst am 1. September stand Christophersen wieder auf dem Parkett. Schwer war es, wieder in Rhythmus zu kommen, man merkte ihm an, dass er die Vorbereitung mit den Füchsen nicht hatte mitmachen können. Nur langsam ging es voran. „Ein bisschen muckt das Knie bei hoher Belastung noch, aber das ist nicht beunruhigend.“ Eine Überbelastung beim Supercup fürchtet er nicht. Zum einen, „weil die Spielzeiten gut verteilt werden“. Zum anderen ist DHB-Team-Arzt Kurt Steuer der Mediziner, der ihn im Juni am Knie operiert hat. „Er kann bestens beurteilen, was geht und was nicht.“

Auch Dagur Sigurdsson, sein Trainer bei den Füchsen, hatte keine Bedenken, dass er zur Nationalmannschaft gefahren ist: „Er ist wieder fit, da spricht nichts dagegen.“ Zurzeit muss der isländische Coach gleich auf neun Spieler verzichten. Neben Christophersen ist Torhüter Silvio Heinevetter beim DHB-Team, die drei Schweden Jesper Nielsen, Mattias Zachrisson und Fredrik Petersen sind ebenso beim Supercup im Einsatz wie der Pole Bartlomiej Jaszka. Zudem sind die Tschechen Petr Stochl und Pavel Horak mit ihrer Nationalmannschaft unterwegs. Und Fabian Wiede ist fürs deutsche B-Team abgestellt.

Beim Supercup wird es auch zu einigen Duellen zwischen Füchse-Profis kommen. Eine ganz besondere Situation? In den Augen von Fredrik Petersen eher nicht: „Wenn du auf dem Feld stehst und hast zwei Hände im Gesicht, dann weißt du sowieso nicht, ob das nun einer aus deinem Klub ist oder nicht.“