Boxen

„Ich war wahnsinnig vor Wut und wollte Holyfield töten“

Mike Tysons Biografie über Sex, Gewalt und sein neues Leben

Mike Tyson war schon immer eine Klasse für sich. Mit 18 Jahren wurde er Profi-Boxer, mit 20 Jahren der jüngste Schwergewichts-Champion aller Zeiten, und ein Jahr später hatte er bereits die Meistergürtel aller renommierten Kampfverbände gewonnen. „Iron Mike“, wie ihn die Fans nannten, begeisterte dabei nicht mit der Eleganz eines Muhammad Ali. Tyson war mehr eine Box-Maschine. 58 Kämpfe hat er bestritten, 50 gewonnen, 44 davon durch Knockout, oft in Runde eins.

Jetzt hat einer der erfolgreichsten Boxer aller Zeiten, der nach seiner Karriere eher für negative Schlagzeilen gesorgt hat, eine Biografie geschrieben. Eine Lebensbilanz auf 592 Seiten. Und das im Alter von erst 47 Jahren. Das Werk mit dem Namen „Undisputed Truth“ (Unbestreitbare Wahrheit) soll am 12. November auf den US-Markt kommen. In den Memoiren schreibt Tyson offen über seine Sex-, Alkohol- und Drogensucht, seine Zeit im Gefängnis und seinen „Ohrbiss“ beim Kampf gegen Evander Holyfield. Detailliert erzählt er auch über seine gescheiterte Ehe mit Robin Givens. Der Schauspielerin wirft er vor, Schuld an seinem Absturz zu haben.

„Ich hätte von Anfang an sehen müssen, was mit ihr los war“, so Tyson über die erste Begegnung mit Givens. Damals sei die heute 48-Jährige mit ihrer Mutter Ruth, die Tyson „Ruthless“ nennt (skrupellos), zum ersten Rendezvous erschienen. „Die beiden waren auf der Jagd nach einem reichen, schwarzen Promi“, sagt Tyson heute. Damals, als Tyson nach eigenen Angaben mit Super-Model Naomi Campbell und der Zweitplatzierten der Miss America Wahlen, Suzette Charles, in einer Doppelbeziehung steckte und zusätzlich Sex mit unzähligen Groupies hatte, sah er die Gefahr nicht. „Meine sozialen Kontakte bestanden damals darin, dass ich andere Männer ins Koma schlug“, schreibt Tyson in Anspielung auf seine gesellschaftliche Außenseiterstellung. Deshalb sei er auch begeistert gewesen, weil eine so gebildete Frau wie Givens etwas von ihm wollte. Elf Monate später heirateten die beiden. 1989 war alles vorbei.

Tyson traf die Trennung schwer. „Als ich in Los Angeles war, bin ich oft an ihrem Haus vorbeigefahren“, erzählt Tyson in seinen Memoiren. Einmal sei Brad Pitt rausgekommen. „Ihr hättet sein Gesicht sehen sollen. Er habe ausgesehen, als ob er seine letzte Ölung erwarte. Dann habe Pitt ihn angebettelt: „Schlag mich bitte nicht.“ Tyson verschonte Pitt, doch zum Boxen hatte er keine Lust mehr, ertränkte seinen Frust in Alkohol, Drogen und Sex-Orgien. Die Schönheitskönigin Desiree Washington beschuldigte Tyson, sie vergewaltigt zu haben – 1992 wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt. „Ich habe hinter Gittern Dinge gesehen, die ich zuvor für unmöglich gehalten habe“, schreibt Tyson. Zu seinem Schutz habe er sich freiwillig in Einzelhaft stecken lassen. Er habe begonnen zu lesen und sei zum Islam konvertiert.

1997 bekommt Tyson mit einem Weltmeister-Kampf gegen Evander Holyfield eine neue Chance. Ein Fight, der Geschichte schreiben sollte. „Holyfield hat mich permanent mit dem Kopf gestoßen“, schreibt Tyson heute: „Ich war wahnsinnig vor Wut, und ich wollte ihn töten.“ Dann habe er „die Kontrolle verloren und ihn ins Ohr gebissen“. Tysons Absturz kannte danach kein Halten mehr. Ende 2005 will er sein gesamtes Vermögen von knapp 100 Millionen Dollar verprasst haben. „Damals wollte ich sterben“, schreibt er. „Ich hatte Angst, dass ich im Supermarkt meine Rechnung nicht mehr bezahlen konnte.“ Das habe er zuletzt als Kind erlebt, als seine Mutter Sozialhilfe bekam.

Erst im Jahr 2009 schien Tyson dank seiner alten Freundin Naomi Campbell wieder an die Zukunft zu glauben. Und seit vier Jahren sieht er sich wieder auf dem richtigen Weg. Tyson lebt heute mit seiner neuen Familie in Las Vegas.