Duell

Debüt gegen das große Vorbild

Für das deutsche Basketball-Talent Dennis Schröder beginnt der Traum von der NBA. Gleich im ersten Spiel für Atlanta trifft er auf Dirk Nowitzki

Manchmal wiederholt sich Geschichte eben doch. Vor 15 Jahren wechselte ein junger deutscher Basketball-Profi aus einem kleineren Bundesliga-Klub in die große NBA. Sein Name: Dirk Nowitzki. Die erste Partie bestritt der große Blonde aus Würzburg gegen die Seattle Supersonics mit seinem Landsmann Detlef Schrempf – bis dahin der beste Deutsche der Liga. Bald darauf startete er bei den Dallas Mavericks eine Weltkarriere, wurde zum besten Europäer, der je in der nordamerikanischen Profiliga spielte, war wertvollster Spieler der Saison und erfüllte sich vor zwei Jahren seinen großen Traum: Er wurde mit den Texanern NBA-Champion.

1,2 Millionen Euro Gehalt

Zum Auftakt der Saison 2013/14 bestreitet am Mittwoch wieder ein junger Deutscher sein erstes NBA-Spiel: Dennis Schröder, der im Juni in der ersten Draft-Runde an 17. Position von den Atlanta Hawks ausgewählt wurde. Der 20-Jährige aus Braunschweig gilt als großes Talent, er erhielt einen Vertrag bis 2015, der ihm pro Jahr 1,2 Millionen Euro garantiert. Und wenn er ein bisschen abergläubisch ist, kann er ebenfalls auf eine große Karriere hoffen. In seiner ersten Partie geht es für den Pointguard gegen die Dallas Mavericks mit Nowitzki.

Der mittlerweile 35-Jährige, dessen Vertrag nach dieser Saison ausläuft, der aber gern für die Mavericks weiterspielen möchte, ist Schröders großes Vorbild. Für ihn ist es „sehr besonders, dass es gleich gegen Dirk geht“. Als Schröder vor der Draft bei verschiedenen Klubs vorspielte, lernte er Nowitzki in Dallas kennen. Der plauderte mit ihm und gab ihm zum Abschied seine Telefonnummer – falls er Fragen habe. Auf dieses Angebot kam Schröder gern zurück: „Wir stehen regelmäßig in Kontakt. Ich versuche mir Tipps zu holen, wie man in das erste NBA-Jahr geht.“ Nowitzkis Antwort? „Ich soll mein Spiel spielen und mich nicht verrückt machen lassen.“

Schröder, der in Braunschweig gern mal im Salon seiner Mutter die männlichen Kunden frisierte, braucht Vertraute in seiner Nähe. Deshalb zog er mit seiner Schwester und seiner Nichte in eine Loftwohnung in Midtown von Atlanta. Außerdem sind gerade sein bester Freund und sein Bruder mit Freundin zu Besuch. „Ich vermisse meine Familie, aber ich wollte den nächsten Schritt gehen.“ Sein größter privater Wunsch ist, dass „wir irgendwann alle hier leben“.

Um sich hinter dem als Starter vorgesehenen Jeff Teague (25) seine Spielzeit zu verdienen, arbeitete der schlaksige, 1,86 Meter große Schröder in zahlreichen Extraschichten vor allem an seinem Wurf und legte sieben Kilo zu, um sich auch unter dem Korb besser durchsetzen zu können. Mit 16 Jahren versprach er seinem mittlerweile verstorbenen Vater, es in die NBA zu schaffen. Nun tut er alles dafür, damit der Traum NBA-Profi nicht nur eine Momentaufnahme bleibt: „Dieses großartige Gefühl habe ich mir hart erarbeitet. Aber ich gebe mich damit nicht zufrieden. Ich versuche, jeden Tag besser zu werden.“

Dafür verzichtete er im Sommer auch auf die Teilnahme an der Europameisterschaft. Eine Entscheidung, die Ex-Bundestrainer Svetislav Pesic scharf kritisierte – Schröder hält sie auch im Rückblick für richtig: „Da habe ich viel über die NBA gelernt.“ Er überzeugte in der Vorbereitung so sehr, dass sein Trainer Mike Budenholzer ihn fest für die Rotation einplant. Dass die Hawks wahrscheinlich nicht mehr so stark sind wie in der vergangenen Saison, als sie in der ersten Play-off-Runde mit 2:4 an den Indiana Pacers scheiterten, könnte für Schröder sogar ein Vorteil sein. Der will sich auf ein Saisonziel deshalb nicht festlegen: „Wir wollen so viele Spiele gewinnen wie möglich.“

Viel Konkurrenz für Miami Heat

Das wäre für sein Vorbild Nowitzki eindeutig zu wenig. Die enttäuschende Spielzeit 2012/13 mit dem Verpassen des Play-off soll für die Mavericks nur ein Ausrutscher gewesen sein. Auch wenn keiner der umworbenen Superstars wie Deron Williams, Chris Paul oder Dwight Howard kam, sind die Texaner stärker als zuletzt; ganz oben mitspielen werden sie nicht. Kapitän Nowitzki, der im Sommer erstmals Vater wurde, möchte es seinen Kritikern noch einmal zeigen. Deshalb geht er hoch motiviert in seine 16. NBA-Saison: „Ich mag mein Team, wir werden ein gutes Jahr haben.“

Es ist fraglich, ob das auch für die Los Angeles Lakers gilt. Die verpflichteten nach einer turbulenten Saison (Trainerwechsel, Kobe Bryants schwere Verletzung, Dwight Howards Wechsel nach Houston) im Sommer Elias Harris (24). Der Forward aus Speyer wurde nach vier Jahren im Collegeteam der Gonzaga Bulldogs zwar nicht gedraftet, erkämpfte sich aber in der Summerleague einen Zwei-Jahres-Vertrag bei den Lakers, zu denen auch der eingedeutschte Center Chris Kaman wechselte. Wegen seines zu inkonstanten Wurfes werden Harris’ Spielanteile überschaubar sein, bis zum 10. Januar kann er jederzeit aus seinem Kontrakt entlassen werden.

Auch ohne deutsche Titelchancen steht die NBA vor einer äußerst spannenden Saison: Miami Heat um Superstar LeBron James will den dritten Titel in Folge gewinnen. Doch die Konkurrenz ist groß: Im Osten wollen vor allem die Indiana Hawks, die Brooklyn Nets und die Chicago Bulls verhindern, dass der Klub aus Florida zum vierten Mal hintereinander das Finale erreicht. Im Westen sind Oklahoma City Thunder, Finalist San Antonio Spurs und die Los Angeles Clippers Miamis härteste Konkurrenten.

Vom Kampf um den Titel ist Dennis Schröder weit entfernt. Aber zumindest kann auch einem misslungenen Debüt eine ganz große Karriere folgen. Nowitzki verlor damals mit Dallas gegen das Schrempf-Team Seattle 86:92. In 16 Minuten hatte er eine Feldwurfquote von null Prozent, holte keinen Rebound und traf nur zwei Freiwürfe.