Verlängerung

Hertha lässt Preetz hoch leben

Trotz zwei Abstiegen erhält der Manager einen neuen Vertrag bis 2017, der auch für die Zweite Liga gilt

Kein Champagner, kein Glas Rotwein. Michael Preetz saß bei einem In-Italiener in Neu-Westend und aß einen Teller Spaghetti Vongole, getrunken wurde eine Flasche Wasser. Dabei gab es Anlass zum Anstoßen. Am Vormittag hatte Hertha BSC, zunächst per Twitter, vermeldet, dass der Vertrag mit dem Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation vorzeitig bis 2017 verlängert worden ist. „Für Hertha BSC ist das ein wichtiger und richtiger Schritt, Hertha BSC braucht eine verlässliche Führung“, sagte Präsident Werner Gegenbauer der Morgenpost.

Preetz, 46, freute sich, „dass ich das Vertrauen der Gremien erhalten habe. Gemeinsam werden wir alles daran setzen, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Entwicklung von Hertha BSC konsequent voranzutreiben.“

Bei Fans und Medienvertretern mochte die Meldung den einen oder anderen überraschen (siehe Extra-Text mit Reaktionen). Schließlich hatte Preetz als das Gesicht der beiden Abstiege 2010 und 2012 gegolten. Bei der Mitgliederversammlung im Mai 2012 hatten sich eine Reihe von Mitgliedern ausdrücklich für eine Ablösung des Managers ausgesprochen. Mit Ingmar Pering und Christian Wolter sitzen zwei Vertreter im aktuellen Präsidium, die im Vorjahr als ausdrückliche Preetz-Gegner angetreten waren.

Im Hintergrund jedoch hatte sich die Entwicklung seit längerem angebahnt. Der Personalausschuss des Präsidiums hatte die Verlängerung vorbereitet (Gegenbauer, Torsten Manske, Norbert Sauer). Die Eckdaten des vorigen Vertrages bleiben bei der Neuauflage gleich – Preetz hatte seinen Geschäftsführer-Posten im Juni 2009 angetreten. Das Jahresgehalt beläuft sich weiter auf rund 550.000 Euro. Der neue Kontrakt gilt für drei Spielzeiten. Das heißt, er endet nicht automatisch, falls Hertha in Liga zwei absteigen sollte.

Präsidium votiert einstimmig

Ausschlaggebend für den neuen Vertrag war nicht nur die Aktualität mit dem überraschend guten vierten Platz in der Bundesliga. „Uns als Präsidium hat überzeugt, wie gut der Manager und Trainer Jos Lukay zusammenarbeiten“, sagte ein Mitglied. „Das ist eine überzeugende Performance. So ein Team reißt man in einer Phase des Erfolges nicht auseinander.“ Preetz hat nicht nur die vergangene Aufstiegssaison gemanagt, sondern auch wichtige Personalentscheidungen für die mittelfristige Zukunft von Hertha getroffen. Genannt seien hier die Verlängerung mit Trainer Luhukay bis 2016 oder die neue Verträge mit Fabian Lustenberger, John Brooks, Nico Schulz oder Sandro Wagner. In den Gremien war man zudem angetan, dass die Ziele, die im Sommer 2012 formuliert worden waren, umgesetzt wurden. Dass Hertha seit dem Antritt von Luhukay begeisternde Heimspiele zeigt, dass die Mannschaft auch in der Bundesliga couragierten und leidenschaftlichen Fußball bietet. Zudem wird wohlwollend registriert, „dass sich die gesamte Kommunikation innerhalb des Vereines verbessert hat“, wie ein Präsidiumsmitglied sagte.

Entsprechend fiel die Abstimmung aus: Das achtköpfige Präsidium stimmte der Verlängerung mit Preetz einstimmig zu. Es scheint eine Entwicklung stattgefunden zu haben, da auch die bisherigen Preetz-Gegner dem Manager nun eine positive Zukunftsprognose stellen. Aus dem vierköpfigen Aufsichtsrat vermeldete dessen Vorsitzender Bernd Schiphorst: „Die Initiative ging vom Präsidium aus. Wir haben einstimmig dafür gestimmt. Alles gut.“

Die Verlängerung mit dem Manager ist zugleich ein Signal an den Trainer. Jos Luhukay sagte: „Eine sehr gute Entscheidung. Für den Verein und für mich persönlich. Hertha versucht, sich zu stabilisieren. Michael ist dabei, die Strukturen im Verein nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu verändern. Außerdem hat der Verein intern Ruhe. Wir sind von uns gegenseitig überzeugt.“

Im Verein wissen sie, dass der ehrgeizige Luhukay in Berlin ein „Projekt Hertha“ entwickeln will. Eine Mannschaft, die so über die Stationen Aufstieg und Etablierung perspektivisch in der Lage sein soll, im oberen Drittel der Bundesliga anzugreifen.

Die Alternative für das Präsidium wäre gewesen, da jetzt im Herbst bereits die Planungen für die Kaderzusammenstellung 2014/15 anlaufen, den bisherigen Manager zu entlassen und zum 1. Januar 2014 einen neuen Geschäftsführer zu präsentieren. Diesem Szenario wurde eine klare Absage erteilt.

Präsident Gegenbauer und die wichtigsten Gremien setzen mit der gestrigen Entscheidung ausdrücklich auf Kontinuität. Der Trainer ist bis 2106 an Hertha gebunden, der Manager bis 2017, das Präsidium amtiert bis 2016.

Die Herausforderung für Preetz besteht darin, nun zu beweisen, was er als Manager bisher nicht nachgewiesen hat: Dass er Bundesliga kann. Die Hertha-Fans erinnern sich schmerzlich daran, wie die ersten beiden Erstliga-Saisons unter Verantwortung von Preetz ausgegangen sind. Bei anderen Vereinen, zumal bei Klassenneulingen, würde eine solche Personalentscheidung einhellig gefeiert. Dass die Personalie Preetz trotz einer zurückliegenden Aufstiegssaison und eines guten Liga-Starts Diskussionen hervorruft, zeigt, wie lang die Schatten der Vergangenheit sind.

Preetz sagte dazu: „Ich schaue nicht zurück. Ich freue mich darauf, mitzuhelfen, die Zukunft von Hertha BSC positiv zu gestalten.“

Auf Spuren von Dieter Hoeneß

Abgesehen davon eröffnet das Vertrauen, das Hertha BSC ihm ausgesprochen hat, Preetz historische Perspektiven. Seit 2009 ist er im Amt, seit mehr als vier Jahren. So lange hat sich seit dem Mauerfall 1990 kein Manager beim Hauptstadt-Klub gehalten – mit Ausnahme von Dieter Hoeneß (1997-2009). Preetz auf den Spuren von Dieter Hoeneß – es darf bezweifelt werden, dass Preetz darauf anstoßen wird.