Fußball

„Gegen Hertha wird es schwerer als gegen Pilsen“

Bayern-Boss Rummenigge warnt nach Champions-League-Gala vor dem Aufsteiger. Robben sorgt weiterhin für Unruhe

Die 5:0-Gala gegen Pilsen in der Champions League war beim FC Bayern schnell abgehakt. Der Blick richtete sich am Donnerstag bereits zur nächsten Pflichtaufgabe in der Bundesliga. Denn da wartet auf die Münchner am Sonnabend eine große Überraschung.

So sieht es zumindest Karl-Heinz Rummenigge. „Hertha ist bis dato die positive Überraschung der Bundesligasaison, eine Mannschaft, die sehr gut aufgetreten ist. Ich glaube, das liegt vor allem an dem Trainer, den sie haben, der einen sehr guten Job macht, der sehr gut zur Mannschaft passt“, lobte Bayerns Vorstandsvorsitzender den Hertha-Coach Jos Luhukay: „Er hat einen klaren Plan und offensichtlich auch eine hohe Qualität. Das wird gegen Hertha um einiges schwerer werden als gegen Pilsen.“ Für Rummenigge sind die Berliner kein Klub, der um den Klassenverbleib kämpfen muss, sondern der es „auf jeden Fall unter die ersten Zehn schaffen kann“.

Große Worte nach einer rauschenden Ballnacht, in der bis in die Nachspielzeit hinein mit wundervollen Kombinationen und fünf schönen Toren brilliert wurde. Mit der Philosophie eines Trainers, dem es nicht wie manchen seiner Kollegen nur um Erfolg und Effizienz geht und um drei Punkte, sondern um die Schönheit des Spiels. So sagte Coach Pep Guardiola: „Ich möchte, dass wir das Publikum gut unterhalten, von der ersten bis zur letzten Minute. Darum war es heute ein gutes Spiel.“

Eine famose Symphonie, bei der es aber doch einen Missklang gab, der zwar nicht den Genuss des Gesamtkunstwerks in Frage stellte, der aber belegte, dass es im Ensemble einen Solisten gibt. Einen selbst ernannten ersten Geiger, der nicht ganz die Einsätze befolgt, die ihm der Dirigent vorgibt. Arjen Robben gab einmal mehr die zickige Diva, als es wie schon gegen Mainz auch gegen Pilsen um einen Elfmeter ging.

Nach Teil eins des Elfer-Zoffs, als Robben am Sonnabend gegen Mainz (4:1) schießen wollte und dann sichtlich beleidigt reagierte, als er von Guardiola zurückgepfiffen wurde, war die Fortsetzung am Mittwoch nicht minder brisant. Nach einem Foul im Strafraum von Ex-Herthaner Roman Hubnik an Robben und dem folgenden Pfiff von Schiedsrichter Alan Kelly sprang Guardiola von seiner Bank auf, deutete auf den Gefoulten und rief lautstark „Arjen, Arjen“ – als klare Anweisung, wer den Elfmeter nun zu schießen hätte. Vielleicht war es in diesem Moment auch als Entschädigung und Wiedergutmachung für Sonnabend gedacht. Doch was tat Robben? Schüttelte den Kopf und weigerte sich, weshalb sich Franck Ribery den Ball nahm und zum 1:0 traf.

Später sagte Guardiola, sichtlich um Harmonie bemüht: „Für mich ist es egal, wer einen Elfmeter schießt. Ich wollte Arjen, aber wenn sich ein Spieler wie Franck danach fühlt zu schießen, dann soll er. Sie sind frei, ich mag das, wenn Spieler den Mut dazu haben und die Courage.“

Aber kann es ihm wirklich gefallen, wenn einer die Courage hat, sich seinen klaren und unmissverständlichen Anordnungen zu widersetzen? Es ist kaum vorstellbar, dass ein Perfektionist wie der Spanier damit leben kann, wenn seine Autorität untergraben wird und ein Spieler auf dem Platz nicht das umsetzt, was er möchte und von außen vorgibt.

Noch vor einer Woche hatte Guardiola im „Bayern-Magazin“ ganz klar gesagt: „Wer meine Entscheidungen annimmt, den unterstütze ich. Wer das aber nicht verstehen will, wird oft auf der Tribüne sitzen.“ Ob die Bayern in nächster Zeit mit oder ohne Robben spielen, wird vermutlich gar nicht weiter auffallen bei der Auswahl an hochkarätigen Profis. „Wir haben einen Kader, der in Europa seinesgleichen sucht“, schwärmte Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Dennoch sagte Pep Guardiola: „Wir spielen nicht perfekt. Wir spielen nicht einmal fast perfekt.“ Bei Hertha wird man froh sein, wenn die Bayern nicht gleich am Sonnabend das nächste Level erreichen. Denn dass die Berliner Außenseiter in München sind, ist kein Geheimnis. Trotz des großen Lobes von Rummenigge.