Eishockey

Alles auf eine Karte

Die Eisbären setzen verstärkt auf den Verkauf von Saisontickets. Das kostet erst einmal Zuschauer

Am Wochenende ist es wieder soweit: Aktionszeit bei den Eisbären, Tickets werden für 10 Euro angeboten. Noch nicht am Freitag gegen den ERC Ingolstadt (19.30 Uhr), aber am Sonntag, dem zweiten Heimspieltag des Wochenendes, wenn der Titelverteidiger der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gegen die Krefeld Pinguine antritt (14.30 Uhr). Wer jetzt auf die Tabelle schaut, den Meister auf dem vorletzten Platz sieht und denkt, dass da jemand dringend Wege sucht, Zuschauer in die Halle zu locken, der liegt sicher nicht total daneben. Ganz richtig ist es aber auch nicht. Solche Aktionen gibt es nämlich nur noch selten. Beim Ticketverkauf setzen die Eisbären auf einen neuen Kurs.

Auffällig war zuletzt natürlich vor allem, dass weniger Zuschauer in der Halle sind. Früher ließ sich die Farbe der Bestuhlung nur erkennen, wenn man sich rechtzeitig vor einem Spiel in die Arena begab. Die Eisbären, der Dauermeister und Tor- sowie Spaßgarant, zog die Leute massenweise an. Bei einer Kapazität von 14.200 Besuchern in der O2 World wurde der Durchschnitt pro Saison bei 14.000 gehalten. Inzwischen dominieren die blauen Bezüge schon mal nahezu ganze Blöcke im Oberrang. Erstmals wurde die 13.000er Marke in dieser Saison nicht erreicht, vergangene Woche gegen Hamburg verbuchte der EHC mit 12.400 einen Negativrekord in nun bereits über fünf Jahren in der neuen Arena. Nach fünf Heimspielen liegt der Durchschnitt bei 13.080 Besuchern.

Vorläufig keine Lidl-Aktionen

Mit ihren schwachen Leistungen bietet die Mannschaft einen Erklärungsansatz für den Rückgang. Der ist noch nicht dramatisch, noch immer reicht in Deutschland kein anderer Klub außerhalb des Fußballs an diese Zahlen heran. Doch glücklich macht das auch niemanden. Die schlechteren Zahlen haben allerdings ebenso mit Lidl zu tun. „Die Zusammenarbeit hat immer gut funktioniert, aber wir haben diese Aktion ausgesetzt“, sagt Manager Peter John Lee. Seit dem Umzug in die Großarena 2008 gab es bei dem Discounter zum Saisonstart immer Billigtickets, vergangene Saison wurden so gut 20.000 Karten verkauft bei den ersten acht Heimspielen.

Dass nun darauf verzichtet wird, passt zunächst zu dem Eindruck, der sich im Frühjahr aufdrängte. Es wurde über die Erhöhung von Dauerkartenpreisen geredet, die Fans gingen auf die Barrikaden, weil sie befürchteten, zugunsten des lukrativeren Einzelticketverkaufs aus der Halle gedrängt zu werden. „Die Diskussion hat damals eine völlig falsche Richtung bekommen“, sagt Lee. Schuld war ein Fehler in der Kommunikation. Doch die Vehemenz der Widerstände hatte auch ihr Gutes, mit Stimmungsboykotts klärten die Fans den Klub über ihren Wert auf. Das kam an. „Wir haben gemerkt, dass die Dauerkartenbesitzer unsere besten Kunden sind“, sagt Lee. Deshalb sollen sie besser umsorgt werden.

Ein Teil dessen ist der Verzicht auf Lidl-Tickets. „Wir haben immer viel Rabatt rausgehauen, eine Aktion folgte der nächsten. Dabei haben wir die Beziehung zu den Dauerkarten etwas verloren“, erzählt Lee. Wer es wollte, konnte mit Aktionstickets billiger durch die Saison kommen als mit einer Dauerkarte. Das soll vorbei sein. „Das Beste an der Dauerkarte ist der Preis, und das darf nicht ad absurdum geführt werden“, so der Manager. Aktionen sollen nun besser koordiniert werden. Wie jetzt am Sonntag werden in dieser Saison nur drei Spiele mit vom Klub rabattierten Tickets beworben. Partner für einen Block gibt es allerdings weiterhin, dort kauft der Partner den ganzen Block.

Gelegenheitsbesucher kommen jetzt allerdings weniger, damit wurde durchaus kalkuliert. Auch der legendäre Ruf des Spaßgaranten, dem die Bude eingerannt wird, leidet natürlich. „Vielleicht muss man einen Schritt zurück machen, um nach vorn zu kommen“, sagt Lee. Der Verkauf der nicht rabattierten Tickes sei gleich geblieben, bei den Dauerkarten wurde mit 4500 ein Rekord erzielt (4126 im Vorjahr). Durch die Anhebung der Preise bei den Dauerkarten um 11 bis 16 Prozent und leichten Steigerungen auch bei den Einzelkarten dürfte die gesunkene Gesamtzahl der Zuschauer finanziell wohl aufgefangen werden.

Um die Dauerkartenbesitzer will sich der Klub auch verstärkt kümmern. „Wir müssen unseren Service dort verbessern und den Fans gerechter werden, denn diese Leute sind die Basis, auf der wir alles aufbauen“, sagt Lee.

6000 Dauerkarten als Ziel

Im Januar etwa wird eine Gruppe von Fans unterstützt, um zu einem NHL-Spiel nach Philadelphia zu fliegen und dort Claude Giroux sowie Daniel Briere zu treffen, die vergangene Saison kurz beim EHC spielten. Ihnen sollen sogar die Meisterringe zur Übergabe mitgegeben werden. Ein Zeichen des Vertrauens. Wie sehr die langfristige Kundenbindung in den Vordergrund tritt, zeigt auch die neue Mini-Dauerkarte für sechs Spiele.

Mit der Aufwertung der Saisontickets soll auch möglichst eine Erhöhung des Absatzes einhergehen. 6000 verkaufte Dauerkarten betrachtet der Manager als ein schönes Ziel. Das kurzfristige Ausverkaufen der Halle um jeden Preis steht nicht mehr im Mittelpunkt, das schade eher dem Ansehen bei den eigenen Fans. Wenn dadurch erst einmal Plätze frei bleiben in der O2 World, kann Lee damit leben. „Das Erlebnis Eisbären ist mit 1000 Zuschauern weniger immer noch ein tolles Erlebnis“, sagt er. Das gilt zumindest, wenn die Berliner ihre Normalform erreichen und nicht so dürftig spielen wie zuletzt doch recht häufig.