Interview

„Ich spüre großen Respekt gegenüber uns Deutschen“

Per Mertesacker über seine Erlebnisse in England

Im schönen Stadtteil Hampstead hat sich Per Mertesacker mit seiner Frau und seiner Tochter niedergelassen. Seit knapp drei Jahren lebt der Nationalspieler des FC Arsenal dort. Mit Lars Gartenschläger sprach der 29-Jährige über seine Erlebnisse in England.

Berliner Morgenpost:

Spätestens seit Mesut Özils Wechsel ist der FC Arsenal in aller Munde. Mit 29 sind Sie so etwas wie der Vater einer deutschen Kolonie.

Per Mertesacker:

Das fühlt sich gut und positiv an. Vor Jahren wäre es in England noch undenkbar gewesen, dass so viele Deutsche auf einem Haufen für einen Klub spielen. Wer hätte gedacht, dass wir mal so begehrt sind? Es hat den Anschein, als hätte vor drei Jahren eine neue Ära begonnen.

Teammanager Arsene Wenger hat den Satz geprägt: „Vertraut den Deutschen, denn sie können kämpfen!“

Ich würde das nicht nur auf Arsenal beziehen. Ich spüre allgemein in England einen großen Respekt uns Deutschen gegenüber. Wir stehen nach Meinung der Engländer für Qualität. Wir sind immer da, wenn man uns braucht. Man kann uns vertrauen.

Der Özil-Wechsel hat den Hype um Arsenal noch einmal befeuert. Es gab Flashmobs von Fans im Özil-Trikot.

Jeder Spieler, der zu uns kommt, wird mit offenen Armen empfangen. Wobei die Dimension bei Mesut schon eine spezielle ist. Von 100 Leuten, die Mesut auf der Straße erkennen, erkennen mich vielleicht 20. Sein Wechsel war schon ein ganz besonderer. Das hat hier alle vom Hocker gehauen. Selbst uns Spieler. Denn mit dem Wechsel wussten wir, dass wir jetzt die Qualität haben, oben angreifen zu können.

Aber Sie können sich auch nicht beklagen. Nach der Melodie von „Guantanamera“ singen die Fans in Bezug auf Sie „The big fuckin German“.

Das ist phänomenal. Die Fans und der Trainer haben mir auch in einer schwierigen Zeit vertraut. Das macht mich stolz. Nach Fehlern, aus denen ich gelernt habe, habe ich mir einen gewissen Stellenwert erarbeitet. Jetzt bin ich dabei, etwas zurückzuzahlen.

Ist Deutsch Arsenals zweite Amtssprache?

Kann man so nicht sagen, es wird hauptsächlich Englisch gesprochen. Dass wir Deutschen auch mal in unserer Sprache einen Spaß machen, ist doch klar. Lustig wird es immer, wenn Tomas Rosicky (Tscheche, früher Dortmund – d.R.) den Joke versteht und mit seiner Lache um die Ecke biegt.

Und wie schaut es in der Arsenal-Kantine aus – wird da typisch Deutsches serviert?

Oh ja, wir haben einen deutschen Koch. Wenn wir wollen, kommt auch mal Bratwurst oder Sauerkraut auf den Tisch.