Doping

Reiterskandal um Prinzessin Haya und ihren Scheich

Sie führt den Weltverband, er lässt seine Pferde dopen

Prinzessin Haya von Jordanien steht als Präsidentin des Reit-Weltverbandes FEI wegen der dubiosen Machenschaften ihres Ehemannes Scheich Mohammed al Maktoum im Distanzreiten erneut in der Kritik. Der Emir von Dubai soll an 20 von insgesamt 33 Dopingvergehen beteiligt gewesen sein, die die Disziplin seit Frühjahr in Verruf gebracht haben. Haya bat nun nach Informationen von „Süddeutscher Zeitung" und „FAZ“ die nationalen Verbände um Mithilfe bei der Aufklärung des Skandals.

Auslöser war ein Interview des belgischen Nationaltrainers Pierre Arnould im „Daily Telegraph,“ das getrost als Hilferuf bezeichnet werden kann. Darin spricht Arnould von Bestechung, Betrug, Doping und Korruption, die die nicht-olympische Disziplin überziehen würden. Orte des Geschehens seien Hayas Heimat Vereinigte Arabische Emirate, aber auch Katar und Bahrain. „Wir hätten ein Idyll ohne die drei Föderationen, die Schande über den Sport bringen“, klagte Arnould.

Der Belgier, früher selbst aktiver Distanzreiter, forderte ein strengeres Vorgehen des Weltverbandes. „Wenn wir nicht schnell etwas unternehmen, wird es in ein paar Jahren keinen Distanzsport mehr geben, jemand wird ihn abgeschafft haben“, sagte Arnould. Ein weiteres Indiz für die negative Entwicklung sei, dass die Zahl der Knochenbrüche und Todesfälle bei Pferden im mittleren Osten enorm zugenommen habe.

Polizei findet Dopingmittel

Der Emir von Dubai, im Jahr 2005 bereits einmal für sechs Monate wegen Dopings gesperrt, ist passionierter Distanzreiter und gibt die Schuld an den vielen Fällen falscher Medikationen allein seinem Personal. Allerdings war eine als Sattelzeug deklarierte Kiste mit 124 Doping-Medikamenten (Sattelzeug) in seiner Privatmaschine am Londoner Flughafen Stanstead von der britischen Polizei beschlagnahmt worden. Der Scheich unterhält in der Nähe von Newmarket einen Stall fürs Training seiner Pferde. Britische Behörden ermitteln inzwischen auch, warum er für sein britischen Rennsportstall mehr als 1000 Angestellte aus Nicht-EU-Staaten mit einem Kurzzeit-Visum beschäftigt hat.

Das vor allem in Asien sehr populäre Distanzreiten ist für die Vierbeiner äußerst strapaziös. Bei den Rennen werden von Ross und Reiter bis zu 160 Kilometer in 24 Stunden absolviert.

Prinzessin Haya von Jordanien, deren Amtszeit nach zwei Legislaturperioden seit 2006 zum Jahresende ausläuft, setzt sich gegen den Vorwurf der Befangenheit und Verstrickung zur Wehr. Die 39-Jährige hat bereits eine Strategiegruppe zur Krise im Distanzreiten ins Leben gerufen, deren Ergebnisse von Arnould jedoch als „Liste von Plattitüden“ bezeichnet wurde. Nun lud Haya für die kommende Woche auch deutsche Funktionäre nach Abu Dhabi ein, um die vielen Probleme im Rahmen eines Seminars zumindest etwas anzugehen: Hanfried Haring (Präsident des europäischen Verbandes EEF) und Sönke Lauterbach (Generalsekretär des deutschen Reiterverbandes).