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Ski-Chef Hörmann soll neuer Präsident des DOSB werden

Spitzenverbände votieren für Allgäuer als Bach-Nachfolger

Die Frage um die Besetzung des höchsten Amtes im deutschen Sport scheint entschieden zu sein. Skiverbandschef Alfons Hörmann soll neuer Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und damit Nachfolger des an die IOC-Spitze gewählten Thomas Bach werden. Die Spitzenverbände des deutschen Sports sprachen sich am Mittwochabend bei ihrer Sitzung in Frankfurt am Main eindeutig für den 53 Jahre alten Unternehmer aus dem Allgäu aus. „Wir haben eine sehr offene Diskussion geführt. Am Ende haben alle einvernehmlich entschieden: Unser Kandidat heißt Alfons Hörmann“, sagte Rainer Brechtken, der Sprecher der Spitzenverbände und Präsident des Deutschen Turner-Bundes.

„Das waren spannende Stunden im Kreis der Fachverbände. Es war eine sehr gute und offene Diskussion“, erklärte Hörmann nach der dreistündigen Sitzung. „Für mich ist es eine tolle Konstellation, weil die Empfehlung einmütig war. Das war zwar – wie so oft im Leben – nur die erste Etappe. Dennoch ist dieses tolle Votum der Verbände natürlich eine Steilvorlage. Es geht nun darum, den gesamten deutschen Sport hinter der Kandidatur zu vereinen.“ Zudem freute sich Hörmann über „das große Vertrauen, das mir auch meine potenziellen Gegenkandidaten Christa Thiel und Ingo Weiss entgegengebracht haben. Die Reihen des deutschen Spitzensports sind damit geschlossen.“

Sowohl Hörmann als auch Brechtken betonten zwar, dass das klare Votum für den Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV) zunächst nur eine Empfehlung an die beiden anderen Säulen des DOSB, die Landessportbünde und die Verbände für besondere Aufgaben, sei. Hörmanns Wahl zum Bach-Nachfolger gilt aber als so gut wie sicher, da die Spitzenverbände bei der DOSB-Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Wiesbaden die Mehrheit der Stimmen haben. In der kommenden Woche (25./26. Oktober) will sich Hörmann persönlich beim Treffen der Landessportbünde in Hamburg vorstellen. „Ich möchte erst einmal Konzepte, Ideen und Informationen austauschen, damit wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen, um ein Programm für die Zukunft zu entwickeln“, erklärte Hörmann. Alles weitere wie Schwerpunkte, wichtige Maßnahmen und Projekte werde man im Lauf der nächsten Wochen erörtern. „Einiges kann man vielleicht schon bei der Versammlung darstellen. Aber danach fängt die Arbeit im Team so richtig an.“

Der bisherige DOSB-Chef Thomas Bach war am 10. September als erster Deutscher zum Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gewählt worden. Seitdem führt der für Wirtschaft und Finanzen zuständige Vizepräsident Hans-Peter Krämer interimsmäßig die mächtige Dachorganisation des deutschen Sports.

Als mögliche Bach-Nachfolger waren auch immer wieder Basketball-Chef Ingo Weiss und Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbands, gehandelt worden. Doch zuletzt kristallisierte sich Hörmann immer stärker als Favorit heraus. „Wir wollten eine Lösung finden, die alle einvernehmlich tragen“, erklärte Brechtken. „Während unserer Diskussion ist kein anderer aufgestanden und hat gesagt: Ich kandidiere.“ Alfons Hörmann sei ein „sehr gutes Angebot an die Landessportbünde, weil er auch ein Mann des Breitensports ist. Der DSV hat sehr viel Breitensport in seinem Angebot.“

Hörmann führt den Deutschen Skiverband seit 2005. Der Unternehmer gilt als „Macher“, in dessen Amtszeit sowohl die alpine Ski-WM 2011 als auch die Biathlon-WM 2012 in Deutschland stattfanden. Außerdem ist er auch als Vorsitzender einer möglichen Bewerbungsgesellschaft Münchens für die olympischen Winterspiele 2022 im Gespräch.