„Deutschland-Buch“

Hanning schreibt Deutschland eine Handball-Bibel

Füchse-Chef ändert Verbandsphilosophie

Bob Hanning redete und redete und redete. Und während der frisch gekürte Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB) dem Auditorium staatsmännisch die neue deutsche Handballwelt erklärte, blieb Bundestrainer Martin Heuberger nur die Nebenrolle. Die Szenerie im vornehmen Hotel in der Hamburger Innenstadt ließ kaum Platz für andersartige Interpretationen: Hanning hat im deutschen Handball künftig das Sagen. Mit der Idee für ein „Deutschland-Buch“ ist dem charismatischen Geschäftsführer der Füchse Berlin ein erster Coup gelungen.

„Darin geht es nicht bloß um eine einheitliche Spielphilosophie für alle DHB-Mannschaften. Es geht auch um einen gemeinsamen Wertekodex für alle deutschen Nationalspieler und Nationalspielerinnen“, sagte Hanning auf einer Pressekonferenz, dem ersten gemeinsamen Auftritt mit Bundestrainer Heuberger. Familie, Vertrauen und ein gutes Miteinander seien die neuen Themen im deutschen Handball. Das Buch soll zum Start in die nächste Saison 2014/15 im Sommer fertig sein.

Beim Weg aus der tiefen sportlichen Krise nimmt Hanning vor allem die Spieler in die Pflicht. „Die Spieler müssen uns jetzt helfen. Jeder muss begreifen, dass der deutsche Handball wichtiger ist als die Einzelinteressen“, sagte Hanning. Dies schütze schließlich auch ihr eigenes Kapital. „Man muss jetzt gucken, wer bereit ist, den Weg mitzugehen. Ich dulde keine Parallelwelten.“

Heuberger geht einiges zu schnell

Hanning bezeichnete die Nationalmannschaft als „High-End-Produkt“, für das nun die besten Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Es könne nicht sein, dass ein Spieler auf Lehrgängen in kurzen Hosen zum Essen erscheine, weil er nur mit zwei langen Hosen ausgestattet sei. Von einer Quotenregelung in der Bundesliga für deutsche Spieler, wie unter anderem von Heuberger gefordert, hält Hanning nicht viel: „Wir brauchen keine Quote, sondern gute Spieler.“

Heuberger, dessen Kader-Nominierung für den Supercup in Bremen und Hamburg (1. bis 3. November) nur am Rande interessierte (er berief die Berliner Silvio Heinevetter und Sven-Sören Christophersen), machte angesichts des Tatendrangs seines Sitznachbarn große Augen. „Manche Dinge gehen mir fast ein bisschen zu schnell“, sagte der Bundestrainer, „aber man merkt: Der Bob ist Feuer und Flamme für unser Projekt. Er brennt und ist voller Euphorie.“

Euphorie, die sich nun auch auf dem Spielfeld auszahlen soll. Die Qualifikation für die WM 2015 ist für die deutsche Mannschaft Pflicht. Ein erneutes Scheitern darf sich Heuberger, dessen Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, nicht erlauben. „Das wäre ein Desaster“, sagte Hanning.

Nachdem man unter Heuberger zuletzt sowohl Olympischen Spiele 2012 in London als auch das EM-Turnier in Dänemark im Januar verpasst hatte, soll sie spätestens bei Olympia 2020 wieder um die Goldmedaille kämpfen – ein Ziel, an dem sich dann auch Hanning messen lassen muss.