Hertha BSC

Ein Lockenkopf für Rio

Herthas Lustenberger hofft, noch auf den Schweizer WM-Zug aufspringen zu können

Die Spannung kroch Fabian Lustenberger in die Glieder. Eben noch führte die Schweizer Nationalmannschaft mit 2:0 gegen Albanien. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien schien sicher. Doch in der 89. Minute fiel der Anschlusstreffer für die Albaner. „Da haben wir ganz schön gezittert“, sagt Lustenberger. Dann ertönte der Schlusspfiff. Die Schweiz wird zum dritten Mal in Folge bei einer WM-Endrunde dabei sein. Und Lustenberger sank auf der elterlichen Wohnzimmercouch erschöpft zusammen.

In die Heimat nach Luzern war Herthas Mittelfeldspieler gereist, um sich am vergangenen Freitagabend gemeinsam mit den Eltern, den Brüdern und Frau Monique die Weltmeisterschafts-Qualifikationspartie des Teams von Trainer Ottmar Hitzfeld im TV anzusehen. „Ich bin froh, dass wir es jetzt schon geschafft haben und am Dienstag nicht noch so ein brutales Entscheidungsspiel haben.“ Die letzte Begegnung in der Qualifikationsrunde heute Abend gegen Slowenien (20 Uhr) ist für die Eidgenossen nur noch ein erster Test für die WM. Sie liegen in Gruppe E mit 21 Punkten uneinholbar vor Island (16 Punkte) auf Platz eins.

Lustenberger sagt „wir“, wenn er von der Hitzfelds Mannschaft spricht. Dabei hat er unter dem deutschen Trainer noch nie für sein Land gespielt. Zwar nominierte ihn der ehemalige Coach des FC Bayern München nach der EM 2008 und der WM 2010 schon zweimal für sein Aufgebot. Zum Einsatz kam der heute 25-Jährige aber nicht. Seitdem habe es zu Hitzfeld keinen Kontakt mehr gegeben, sagt Lustenberger.

Und dennoch hofft der Defensiv-Allrounder, dass er trotzdem dabei sein wird, wenn die Schweizer Delegation im Sommer kommenden Jahres nach Rio aufbricht: „Das ist immer in meinem Hinterkopf und bleibt mein Ziel“, sagt Lustenberger. „Ich möchte Nationalmannschaft spielen. Und wenn sich die Möglichkeit ergibt, bin ich sofort bereit.“

Schon einmal erlebte der blonde Lockenkopf, den Hertha 2007 vom FC Luzern verpflichtete und im April mit einem neuen Vertrag bis 2017 an sich band, wie es ist, für sein Heimatland an einem großen Turnier teilzunehmen: 2011 führte er die U21-Auswahl der Schweiz bis ins Finale der EM in Dänemark, das schließlich die übermächtigen Spaniern gewannen. In seinem Klub ist der gelernte Mittelfeldakteur seitdem zum Führungsspieler gereift, überzeugte im vergangenen Zweitligajahr als Innenverteidiger und führt die Blau-Weißen seit August als Kapitän an. Lustenberger stehe „für die Zukunft von Hertha“, sagte sein Vereinstrainer Jos Luhukay, der ihn vor der Saison wieder zurück ins Mittelfeld beorderte.

Doch in der Schweizer Nationalelf tummelt sich starke Konkurrenz auf Lustenbergers Lieblingsposition im defensiven Mittelfeld: Gökhan Inler und Valon Behrami vom italienischen Champions-League-Teilnehmer SSC Neapel sind die Anführer der ansonsten mit jungen, talentierten Akteuren gespickten Mannschaft. Bliebe das Ausweichen in die Innenverteidigung, wo Lustenberger zuletzt auch bei Hertha wieder spielte: „Schlussendlich wäre es mir egal, ob ich in der Verteidigung oder im Mittelfeldspieler eingeplant wäre. Solange ich dabei sein kann“, sagt Lustenberger. „Ich weiß aber, dass Hitzfeld auch im Abwehrzentrum gute Spieler hat und es sehr schwierig für mich wird, noch auf den WM-Zug aufzuspringen.“

Noch keine Minute gefehlt

Hoffnung macht Lustenberger der gute Saisonstart mit Hertha in der Bundesliga. Nach acht Partien stehen die Berliner als Aufsteiger überraschend auf Tabellenplatz sechs, und er selbst hat noch keine Minute gefehlt. „Meine Situation ist nicht die schlechteste: Wenn ich jetzt weiterhin durchspiele, und wir hier in Berlin weiter so erfolgreich sind, dann kann ich Werbung für mich machen.“ Mehr könne er nicht tut. „Ob es dann reicht, ist natürlich eine andere Frage.“