Talentsuche

Nachwuchs auf dem Prüfstand: Luhukay schaut ganz genau hin

Wer schafft es nach Brooks und Mukhtar zu Herthas Profis?

Nicht alle waren froh über den bleibenden Eindruck, den der Hertha-Nachwuchs in den vergangenen Tagen bei den Profis hinterließ. Sandro Wagner hätte beispielsweise gern auf das harte Tackling des erst 17 Jahre alten Yanni Regäsel verzichtet. Verletzt musste er eine Einheit abbrechen. Übungsleiter Jos Luhukay hingegen war hochzufrieden mit dem einwöchigen Trainingseinsatz der sieben Talente und machte Hoffnung auf noch mehr Nachwuchskicker im Bundesligateam der Berliner.

Dem Niederländer wird nachgesagt, dass er ein Förderer und Forderer junger Spieler sei. Als nun wegen den Reisen zu ihren Nationalteams mehrere Profis fehlten, nutzte er die Lücke im Trainingskader und beförderte Nachwuchsspieler, um die täglichen Einheiten komplett durchführen zu können. Doch die Talente sind für Luhukay mehr als nur Füllmaterial: „Mir hat die Woche viel Spaß gemacht, weil ich mehrere Perspektivspieler auf unserem Niveau sehen konnte“, sagte Luhukay.

Der Sprung ins kalte Wasser

Was dieses Niveau bedeutet, bekamen die Youngster schnell zu spüren. „Ich wurde von Maik Franz direkt einmal umgenietet“, sagte der erst 17 Jahre alte Offensivspieler Shawn Kauter. Reinwerfen ins kalte, bisweilen auch schmerzhaft kalte Wasser, das sieht Herthas Nachwuchskonzept vor. Hochtalentierte Spieler sollen schnell Chancen bekommen und an den neuerlichen Aufgaben wachsen. Titel für die Nachwuchsteams werden gern genommen, sind aber nicht das Primärziel.

Beispielhaft dafür steht die U23-Mannschaft, aus der alle sieben Nachwuchskicker stammen. Das Team steht in der viertklassigen Regionalliga auf dem vorletzten Platz, ist aber stark verjüngt. Einige Spieler könnten sogar noch in der B-Jugend spielen. Zwar soll der Abstieg vermieden werden, doch im Vordergrund steht die persönliche Entwicklung der Spieler: „Wir erhoffen uns natürlich, dass da auch der nächste Schritt bei den Spielern kommt. Die Jungs müssen sich noch in der Liga eingewöhnen und an Erfahrung hinzugewinnen. Sie müssen noch sicherer und abgeklärter werden“, sagte Luhukay.

Dass dieses Konzept funktionieren kann, beweisen Beispiele aus dem aktuellen Profikader: Mit Verteidiger John Brooks, 20, der mittlerweile US-Nationalspieler geworden ist, und Hany Mukhtar, 18, hat Luhukay gezeigt, dass er im Nachwuchsleistungszentrum genau hinschaut.

Der Nächste, dem der Durchbruch gelingen kann, ist Robert Andrich. Luhukay nahm den 19 Jahre alten defensiven Mittelfeldspieler bereits im vergangenen Winter mit ins Trainingslager. Zudem unterschrieb Andrich einen Profivertrag. Doch eine Verletzung warf ihn zurück: „Körperlich und konditionell ist Robert voll im Soll. Jetzt braucht er Spielrhythmus. Zuletzt kam er in der U23 immer mehr zum Einsatz. Dort kann er versuchen, sein Niveau wieder zu erreichen und sich zu verbessern“, sagte Luhukay. Bei Hertha wissen sie, welches Juwel sie mit Andrich haben. Doch Andrich muss auch aufpassen, nicht von anderen Talentierten links und rechts überholt zu werden. Mit Kauter, Regäsel und Farid Abderrahmane, 17, haben sich Akteure in den Fokus gespielt, die im Sommer noch mit der B-Jugend das Finale der Deutsche Meisterschaft bestritten und nun mit der U23 gegen gestandene Regionalliga-Spieler antreten. Zudem bekam Anthony Syhre, 18, vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) gerade in seiner Altersklasse die Fritz-Walter-Medaille in Bronze, die Auszeichnung für den drittbesten deutschen Spieler seines Jahrgangs, verliehen. Er weilte unter de Woche bei der deutschen U19-Nationalelf.

Die Nachwuchskicker rücken nun wieder zurück in die U23. Aber Luhukay sagt: „Wir werden situativ den einen oder anderen wieder mittrainieren lassen.“ Denn sein Ziel ist, dass vielleicht für mindestens einen der Youngster aus dem Kurzaufenthalt bei den Profis irgendwann eine Daueraufenthalt wird.