WM-Qualifikation

Mit 200.000 Euro nach Brasilien

Nationalspieler kassieren fürs WM-Ticket üppige Prämien, reden aber nur über den möglichen Titel

Aus den Boxen dröhnte Samba de Janeiro, dazu passend bestritten Philipp Lahm und Kollegen im Samba-Groove ihre Ehrenrunde durch das Kölner Stadion. Denn nach der erfolgreichen WM-Qualifikation der deutschen Fußball-Nationalmannschaft durch das 3:0 (1:0) gegen Irland feierte das Team von Bundestrainer Joachim Löw schon mal Karneval in Rio.

Anschließend gab der 53-Jährige seinen Spielern bis zum Sonntagabend um 22 Uhr frei. „Jetzt haben wir es verdient, ordentlich zu feiern“, sagte Lahm, der sich bereits in der Kabine ein kühles Kölsch gegönnt hatte. „Ein Fässchen Kölsch ist ja genauso groß wie eine Maß auf der Wiesn“, stellte er anschließend mit Verwunderung fest.

„Das war ein überwältigendes Gefühl“, sagte der 29-Jährige dann aber ernsthaft über die Stimmungslage kurz nach dem Spiel, als auch die ersten Glückwunsch-SMS, unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Mannschaft erreichten. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach war nach der 18. Qualifikation einer deutschen Mannschaft für eine WM ebenfalls ganz aus dem Häuschen und umarmte innig seine „Aushängeschilder“. Ziel nun sei klar: „Wir wollen möglichst diesen Pokal in der Hand halten. Das Problem ist: Das wollen andere auch.“

Ibrahimovic fehlt gesperrt

Auch ein Grund anzustoßen dürfte gewesen sein, dass bei den Feiernden ein nicht geringer Zahlungseingang ins Haus steht. Für die direkte WM-Qualifikation zahlt der DFB 20.000 Euro pro Partie, bei der ein Spieler zum Aufgebot gehört hatte. Insgesamt schüttet der Verband rund vier Millionen Euro aus. Mesut Özil, Per Mertesacker (beide FC Arsenal), Manuel Neuer, Thomas Müller, Jerome Boateng, Lahm (alle Bayern München), André Schürrle (FC Chelsea), Ron-Robert Zieler (Hannover 96) waren bei allen neun Qualifikationsspielen dabei. Sie werden nach dem Schweden-Spiel am Dienstag die Maximalprämie von 200.000 Euro bekommen.

Im kommenden Sommer wünschen sich Niersbach, Löw, Lahm und alle anderen aber möglichst Champagner. „Natürlich muss es unser Ziel sein, dort endlich einen großen Titel zu gewinnen, dafür werden wir alles tun“, sagte Lahm und auch Niersbach blickte bereits in die Zukunft: „In Brasilien gibt es dann hoffentlich auch andere Getränke.“

Das letzte Qualifikationsspiel am Dienstag in Stockholm gegen Schweden (20.45 Uhr/ARD) ist nun bedeutungslos. Da stört es wenig, dass Sami Khedira (reiste sofort ab zu Real Madrid) und auch Superstar Zlatan Ibrahimovic wegen Gelb-Sperren fehlen. Wahrscheinlich lässt Löw mit Max Kruse dann zumindest einen etatmäßigen Stürmer in vorderster Front agieren. „Das ist eine Möglichkeit“, sagte der Bundestrainer, der in den kommenden Tagen seinen Vertrag beim DFB verlängern wird. Bis Mittwoch aber liegen die Gespräche auf Eis. „Ich habe immer gesagt, dass wir über dieses Thema nach der Qualifikation sprechen. Wir haben ja bereits einige Eckdaten abgeklärt, von daher sehe ich kein Probleme. Bis zum Schweden-Spiel tut sich nichts, dann werden wir mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär reden“, betonte Löw.

Danach ist dann sein Planungsteam gefordert. Erstmals geht der DFB-Chefcoach am 6. Dezember in Costa do Sauìpe ohne gebuchtes Turnier-Quartier in eine Gruppenauslosung. „Wir haben uns einige Optionen angeschaut. Entscheiden werden wir uns erst, wenn die Auslosung stattgefunden hat“, so Löw. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen im Riesenland Brasilienl. Stattdessen sind zwei Hotelkomplexe vom DFB reserviert. Ob im Bundeststaat Bahia oder im Großraum Sao Paulo, das entscheidet sich, wenn feststeht, wo die drei Vorrundenspiele stattfinden. Vor der Auslosungen stehen im November noch zwei Härtetests an. Am 15. November spielt Deutschland in Mailand gegen Angstgegner Italien, vier Tage später im Londoner Wembley-Stadion gegen England. Voraussetzung dafür ist, dass die Engländer nicht in die Relegation müssen.