Nationalmannschaft

Löws Fußball kommt den Spielern immer spanischer vor

Der Bundestrainer schwärmt und profitiert von den Ideen des Kollegen Guardiola. WM-Qualifikation Freitag gegen Irland

Joachim Löw wirkte sehr entspannt. Wie ein Trainer, der auf einem langen Weg zur WM noch den letzten, wichtigen Schritt gehen muss, sah der Bundestrainer am Dienstagmittag nicht aus. Aber gut, wer weiß, wie sich die Gemütslage von Löw ändert, je näher der Freitag heranrückt. Da trifft die Nationalmannschaft in Köln auf Irland.

Ein Sieg, vielleicht auch nur ein Punktgewinn, und die deutsche Elf hätte das Ticket für die WM-Endrunde 2014 in Brasilien gelöst; das hängt auch vom Ausgang der Partie der Schweden gegen Österreich ab. Damit hätte Löw Planungssicherheit und müsste nicht, so wie das vor der WM 2002 in Japan und Südkorea letztmals der Fall war, noch eine Ehrenrunde in der Relegation drehen.

Daran mag in dieser Qualifikation niemand denken, zu gefestigt wirkt das deutsche Team. Lediglich ein, zwei Spieler könnten in diese Mannschaft noch nachrücken. Als Löw in der vergangenen Woche sein Aufgebot für die Begegnungen mit Irland und Schweden (15. Oktober) bekannt gab, wurde deutlich, dass er sein WM-Team gefunden zu haben scheint. Trotz des Ausfalls seiner verletzten Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez verzichtete der Bundestrainer neben der Nominierung des Mönchengladbachers Max Kruse auf die Berufung eines weiteren Angreifers. Mit Stefan Kießling, dessen Comeback im Nationalteam seit Monaten erwartet wird, einigte sich Löw darauf, ihn nur im Notfall noch einmal zu benennen.

Löw hat einen Kreis an Spielern gefunden, die variabel einsetzbar sind. Und aus diesem Fundus bedient er sich. Möglicherweise könnte, weil er besser in das System passt als etwa der klassische Stoßstürmer Kießling, noch Kevin Volland in den kommenden Monaten hinzustoßen. Zumindest ist der Name des wendigen und abschlussstarken Hoffenheimers zuletzt intern häufiger gefallen. Ansonsten jedoch steht die Mannschaft. Worum es Löw jetzt geht: die Spielweise zu verbessern.

Deutschland soll noch flexibler und noch weniger ausrechenbar werden, kurz: noch spanischer spielen. Was Löw anstrebt und vervollkommnen möchte, ist nichts anderes als das, was Welt- und Europameister Spanien seit Jahren auszeichnet – und was nun auch die Spieler des FC Bayern unter ihrem Trainer Pep Guardiola versuchen zu praktizieren. Als Coach des FC Barcelona hatte der Katalane von 2008 bis 2012 eine Ära geprägt und insgesamt 14 Titel geholt.

Wenige Wochen ist es erst her, dass Löw in München war, um mit Guardiola zu sprechen. Mehr als drei Stunden saßen sie zusammen und tauschten sich aus – auch bei der Suche nach neuen Ideen. Guardiola geht darin ohne Frage voran. „Die Ideen von Pep Guardiola sind hervorragend. Seine Einschätzungen der Spieler treffen nach so kurzer Zeit schon voll zu“, sagte Löw. All die Ausführungen des Münchner Trainers seien durchdacht und strukturiert: „Er trifft bei allem den Nagel auf den Kopf.“

Mit acht Bayern nach Brasilien

Was in München unter Guardiola auffällig ist: Der enorm hohe Ballbesitz. Im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg sind es es 81 Prozent gewesen. Darüber hinaus eine große Ballsicherheit und schnelle Rückeroberung verloren gegangener Bälle. Das ist beeindruckend und berührt natürlich auch Löws Arbeit bei der Nationalmannschaft. Er profitiert davon, wenn in Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer, Thomas Müller, Toni Kroos, Jerome Boateng, Mario Götze und irgendwann auch wieder Holger Badstuber acht Bayern-Profis einen festen Stamm der DFB-Auswahl bilden, sofern sie alle fit sind.

Zuletzt durfte sich Löw ein Bild davon machen, wie Schweinsteiger weiter vorn im Zentrum agiert und nicht nur im defensiven Mittelfeld. Die größte Überraschung ist sicherlich Lahms neue Rolle in München als „Sechser“ vor der Viererkette. Jahrelang war er als Außenverteidiger gesetzt – erst links, dann rechts. Löw verweist nun darauf, dass Lahm auch im Nationalteam schon vor der Abwehr gespielt habe. Nun erwartet er das bayrische Modell von allen. Jeder möge nicht nur stur auf einer Position spielen. „Wir brauchen in Zukunft die Variabilität, um für den Gegner unberechenbar zu sein. Ich weiß, dass Pep Guardiola in diesem Punkt genauso denkt wie ich.“ Variabilität ist das neue Zauberwort, das eine WM-Teilnahme garantiert.