Diskriminierung

Fremdenfeindlichkeit wird zum Problem für das Tischtennis

Dabei wird die Einbürgerung von Chinesen längst erschwert

Erstmals in der 55-jährigen EM-Geschichte gewann der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die Mannschafts-Titel bei Männer und Frauen zugleich. Doch die Zuschauer im österreichischen Schwechat, wo derzeit das EM-Turnier ausgetragen wird, sollen gesagt haben: „Für Chinesen klatschen wir nicht.“ So wurde es zumindest dem DTTB-Präsidenten Thomas Weickert berichtet.

„Es macht mich nervös, dass so gedacht wird. Wir befinden uns hier in einer rechten Ecke“, sagte Weickert der Berliner Morgenpost. Eingebürgerte Chinesinnen sind im Tischtennis nichts Ungewöhnliches. Knapp zehn Prozent aller Teilnehmerinnen dieser EM kamen im Reich der Mitte zur Welt. Mit vier stellt Deutschland die meisten, doch es ist das erste Mal, dass sie in der Überzahl sind. Han Ying und Shan Xiaona heißen die Frauen, die beim 3:1 über Rumänien den Sieg sicherten.

Dass sich die Verantwortlichen für die Herkunft ihrer Sportlerinnen rechtfertigen müssen, verwirrt. Seit Jahren hält sich das DTTB-Präsidium an den Beschluss, keine vorzeitigen Anträge auf Einbürgerung zu stellen. Ying und Co. sind rechtmäßige Deutsche, sie haben unter anderem die geforderten „acht Jahre gewöhnlichen und rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland“ erfüllt. „Würde man ihnen verbieten zu spielen, müsste man ihnen auch das Wahlrecht nehmen“, sagt Weikert.

Trotzdem sei es für viele Zuschauer gerade bei einer EM authentischer, wenn die Besten eben nicht aus China stammten, erklärt DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig die latente Fremdenfeindlichkeit auf der Tribüne. Kritik gab es auch von denen, die außen vor blieben. Alexander Teichmann, Präsident des Berliner Bundesligisten TTC Eastside, beschwerte sich in der „Berliner Zeitung“ über die Nicht-Nominierung seiner Spielerin Irene Ivancan. Sie selbst will sich dazu nicht äußern.

Der Weltverband ITTF hat den Quasi-Import von Chinesen bereits erschwert. Die Regel: Wer nach seinem 21. Lebensjahr eingebürgert wurde, darf nicht mehr bei Weltmeisterschaften antreten. Wer jünger ist, muss je nach Alter eine bestimmte Sperrfrist absitzen. Für Olympia und EM gilt diese Regel nicht. „Es wäre wichtig, dass es eine Vereinheitlichung gibt“, sagt Schimmelpfennig.