Champions League

Bayern beeindruckt sich selbst

International zeigt Guardiolas Team seine besten Leistungen, weil es das Tiki-Taka des FC Barcelona weiterentwickelt hat

England ist verblüfft. Nicht nur, weil Manchester City beim 1:3 (0:1) vom FC Bayern München nach allen Regeln der Fußballkunst vorgeführt worden ist. Zum ersten Mal gewinnen vier deutsche Mannschaften an einem Spieltag der Champions League. Protokoll des Erfolges: Neben den Bayern siegen auch Bayer Leverkusen gegen San Sebastian, Borussia Dortmund gegen Olympique Marseille und der FC Schalke 04 beim FC Basel.

Uli Hoeneß wollte über diese Statistik nicht einfach so hinweggehen. „Die Deutschen scheinen wirklich eine Nummer zu werden. Man schlägt ja im Moment alles, was da so kommt. Es gibt in Deutschland drei, vier Spitzenmannschaft, die jeden Gegner in Europa besiegen können“, sagte der 61-jährige Präsident des FC Bayern.

Demonstration der Stärke

Seine Mannschaft hatte am meisten geglänzt. Das 3:1 war eine Demonstration ihrer Stärke. Es war die bislang beste Saisonleistung des Titelverteidigers, der siebte Sieg in dem Wettbewerb in Folge und der Beweis, dass die Mannschaft Trainer Pep Guardiola und dessen Vorstellungen immer besser versteht. Nie zuvor hatte Manchester im Europapokal in einem Heimspiel drei Gegentore hinnehmen müssen, es war die erste Niederlage vor heimischem Publikum seit fünf Jahren. „Ein fast perfektes Spiel“, sagte Torwart Manuel Neuer. Die Bayern sind beeindruckt von sich selbst.

Gut, das erste Tor von Franck Ribery (7.) fiel durch einen Fehler von Neuers Gegenüber Joe Hart. Vor dem 2:0 von Thomas Müller (56.) schlief Manchesters Abwehr, und Hart hatte einen so schlechten Tag, dass er auch einen Rechtsschuss des Linksfüßers Arjen Robben 3:0 (59.) durchließ. Doch es war vor allem die Stärke der Münchner, die City so schwach machte. 89 Prozent ihrer Pässe kamen an, sie schossen 20 Mal auf das Tor. „Was wir gezeigt haben, war große Klasse. Aber ich hatte mir von City etwas mehr erwartet. Sie haben uns viele Räume gelassen“, sagte Robben.

Die Partie galt als bislang schwierigste der Saison und als Maßstab für die Frage: Wie weit sind die Pep-Bayern wirklich? So weit, dass sie sich erlauben konnten, in der Schlussphase nachzulassen. Alvaro Negredo schoss das 1:3 (79.), sieben Minuten später sah Jerome Boateng wegen einer Notbremse an Yaya Toure die Rote Karte. Die City-Profis Toure oder Micah Richards könnten von der Statur her auch als Türsteher arbeiten, doch die körperliche Stärke der Engländer ließen die Bayern vor den hektischen letzten Minuten nicht zum Tragen kommen. In der ersten Halbzeit hatten die Gäste 66 Prozent Ballbesitz, in der zweiten Spielhälfte gab es eine Phase, in der sie den Gegner demütigten. Wie im Training ließen sie den Ball laufen, Kinder nennen das Spiel „Schweinchen in der Mitte“. In das Schweinchen haben Manchesters Bosse vor der Saison 116 Millionen Euro investiert – trotzdem hatte es keine Chance, an den Ball zu kommen. „Die Ballstafetten, die hier gelaufen sind, habe ich in einem Duell zweier Mannschaften auf Augenhöhe noch nie gesehen“, schwärmte Hoeneß.

In den Bundesligaspielen gegen Hannover 96 und den VfL Wolfsburg hatten Fans diese vermisst. Auch Sportvorstand Matthias Sammer, deshalb hielt er ja seine inzwischen berühmte Mahn-Rede. Mittwochabend machten die Münchner deutlich, wie unproblematisch sie in der Champions League in den höheren Modus schalten können. Wie schon beim 3:0 gegen ZSKA Moskau zwei Wochen zuvor. Bislang absolvieren sie unter Guardiola international ihre besten Spiele.

Nach dem Spiel umringten englische Reporter Uli Hoeneß. Sie wollten wissen, warum der deutsche Fußball derzeit so stark und was die Unterschiede zu den englischen Klubs seien. „Wir führen unsere Klubs wie Familien“, antwortete Hoeneß auf Englisch. Und was ist der Unterschied zwischen dem FC Bayern 2013/2014 und dem aus der Vorsaison? „In der vergangenen Saison hatten wir eine super Mannschaft. Jetzt haben wir eine super, super Mannschaft.“ Der Präsident spricht im Guardiola-Duktus. Und betonte: Der Unterschied sei Guardiola. Der Trainer arbeite täglich zwölf Stunden mit der Mannschaft. „Dann kommt so etwas dabei heraus“, sagte Hoeneß und lächelte zufrieden.

Das sollte keine Herabwürdigung von Guardiolas Vorgänger und Triple-Gewinner Jupp Heynckes sein, den Hoeneß ebenfalls als sehr guten Trainer lobte. Der Präsident spürt, dass das Konzept des Spaniers greift. Ohne dass Guardiola das System seines Exklubs FC Barcelona kopiert. Gegen Manchester war es ein bayerisches Tiki-Taka, wenn man so will der Barca-Style 2.0. Vor allem das zentrale Mittelfeld mit Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos funktionierte einwandfrei. Ballbesitz, optimale Raumaufteilung, enorm schnelle Rückeroberung nach Ballverlust, aber auch lange und hohe Pässe, ganz Barcelona-untypisch. Dominant waren die Münchner in dieser Saison schon oft, jetzt kommt die Effizienz dazu. Eine ziemlich erfolgreiche Mischung.

„Ich bin überglücklich“, sagte Guardiola, der Stammstürmer Mario Mandzukic überraschend draußen gelassen hatte und Müller angreifen ließ. Uli Hoeneß umarmte den Trainer beim Bankett im Hotel „The Lowry“. Unter den Gästen machte eine Statistik die Runde, die den Münchnern Hoffnung macht: Immer wenn die Bayern im Europapokal in England siegten, gewannen sie am Ende der Saison einen internationalen Titel.

„Das war eine Augenweide“

Jetzt kommt erst einmal der Alltag in der Liga. Am Sonnabend tritt der Rekordmeister bei Bayer Leverkusen an, bei der Mannschaft, die sie in der Vorsaison als einzige besiegte. Die Münchner sind bemüht, vor dem Topspiel nicht euphorisch zu werden. Philipp Lahm sagte: „Man muss solche Leistungen auch konstant abliefern. Das fehlt uns noch ein bisschen.“ Beim Bankett lobte Vorstandschefs Karl-Heinz Rummenigge die Spieler: „Was ihr geleistet habt, war eine Augenweide. Macht weiter so! Dann werden wir wieder eine Saison erleben, an der wir viel Freude haben. Und neben dem Wein auf unserem Tisch noch das ein oder andere mehr stehen haben.“