Zweite Liga

Union fürchtet gegen Sandhausen die Favoritenrolle

Es gibt Vereine in der Zweiten Liga, da nötigt allein schon der Name Respekt ab. Kaiserslautern mit seiner Geschichte und der Legende von der uneinnehmbaren Festung Betzenberg zum Beispiel. Oder der 1. FC Köln – erster Meister der Bundesliga. Beim Blick auf den heutigen Gast des 1. FC Union (18 Uhr, Sky) ist man geneigt zu sagen: Und es gibt den SV Sandhausen.

Der Klub aus dem Südwesten verkörpert den unattraktiven, den provinziellen Teil der Liga. Nur knapp über 14.000 Einwohner hat die Gemeinde unweit von Heidelberg. Alle zusammen würden noch nicht einmal das Stadion an der Alten Försterei ausfüllen. Es ist diese ungleiche Ausgangssituation, die gemeinsam mit den Erfolgen der vergangenen Wochen viele bei Union mahnen lässt. Nur nicht überheblich werden.

„Jeder denkt nach dem Pokalerfolg und dem Sieg in Paderborn, dass wir nun locker 3:0 oder 4:0 gegen Sandhausen gewinnen. Aber es ist das genaue Gegenteil. In dem Spiel müssen wir noch konzentrierter und noch aufmerksamer sein, weil jeder nach den letzten Partien ein einfacheres Spiel erwartet“, warnt beispielsweise Roberto Puncec.

Der kroatische Verteidiger spricht damit wie ein Musterschüler aus, was Trainer Uwe Neuhaus von seiner Mannschaft erwartet. Sich nicht allein auf die Höhepunkte konzentrieren, sondern auch die vermeintlich schmucklosen Spiele mitnehmen und gewinnen. Im Stile einer Spitzenmannschaft eben. Eine Rolle, in der sich das Team als Tabellendritter mehr und mehr findet.

„Wenn ich Roberto die Worte so abnehme, muss ich gar nichts mehr sagen.“ Doch nach diesem Satz von Neuhaus ist nicht Schluss. Im Gegenteil. Der Trainer wirkt, als traue er der Grundstimmung in der Mannschaft und im Umfeld nicht ganz über den Weg. Vielleicht fürchtet er wirklich den Fluch des eigenen Erfolges und die damit gestiegene Erwartungshaltung. Schließlich rechnet Neuhaus genau damit heute Abend im Stadion: „95 Prozent der Zuschauer werden denken: Okay, das ist eine Pflichtaufgabe, wir werden die drei Punkte holen, und es geht nur noch um die Höhe des Sieges.“

Dabei hat Sandhausen in den vergangenen Wochen eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie Union geschrieben. Vier von fünf Partien hat der Klub gewonnen. Jeweils drei Punkte gegen Kaiserslautern und Bochum sowie bei 1860 München nötigen Respekt ab. Dazu steht der Verein von Unions Ex-Kapitän Daniel Schulz im Pokal-Achtelfinale.

Sieht auch Torsten Mattuschka so, der knapp zusammenfasst: „Wird ein schwieriges Spiel. Da müssen wir alle Ruhe bewahren.“ Ein Sieg würde Unions Position oben in der Tabelle festigen. Und Mattuschka könnte beherzt feiern. Der Kapitän wird heute 33 Jahre alt.