Football

Ein Kalifornier lässt die Adler vom großen Coup träumen

Dank Quarterback Ramay winkt das Finale im eigenen Stadion

Die Berlin Adler sind auf Beutejagd. Nachdem im Meisterschafts-Viertelfinale Titelverteidiger Schwäbisch-Hall überraschend deutlich besiegt wurde, konnten die Footballspieler das anstehende Halbfinale bei den Dresden Monarchs (Sonnabend, 15 Uhr) scheinbar nicht mehr abwarten. Kurzerhand wurde im Siegesrausch auf der Rückfahrt auf einer Raststätte eine lebensgroße Plastikkuh entwendet. Zwar blieb es letztlich nur bei einem Versuch, denn der Fang passte nicht in den Bus. Für Aufregung sorgte die Aktion aber allemal. Die antreibenden Täter hinter der Aktion wurden ermahnt und könnten sogar vereinsintern gesperrt werden.

In sechs Monaten gereift

Quarterback Kevin Ramay bekam davon nichts mit, er schlief bereits: „Wir haben gern Spaß. Auf der Rückfahrt sind wir vielleicht etwas zu verrückt geworden, aber ich weiß nicht genau, was passiert ist.“ Dass der US-Amerikaner inmitten seines wild feiernden Teams zur Ruhe kam, verblüfft. Schließlich hatte der Spielgestalter kurz zuvor ein fast tadelloses Spiel abgeliefert, obwohl er zuvor zwei Partien verletzt aussetzen musste.

Doch mit gerade 22 Jahren besticht der Spielmacher vor allem durch seine Reife. „Kevin ist erwachsener im Auftreten als sein Alter. Man merkt ihm nicht an, dass er ein Neuling in der Mannschaft ist“ freut sich insbesondere Offensiv-Koordinator Johnny Schmuck. „Er ist immer früher beim Training und ist sehr fordernd. Er besitzt gleichzeitig auch eine natürliche Menschenführung.“

Wie sicher Ramay sein Team jetzt in der Offensive anführt, ist erstaunlich. Denn er wagte erst im April frisch vom College den Sprung nach Berlin. Auf dem Feld schwankten seine Leistungen zu Beginn, Nervosität schlug sich auf seinen Spielstil nieder. „Am Anfang hat er seine Coolness verloren“ erinnert sich Schmuck.

Abseits des Sports fand sich Ramay, auch dank der Hilfe der anderen beiden US-Amerikaner im Team, dagegen schnell zurecht und genießt offensichtlich das Abenteuer Europa: „Ich habe eine Menge Spaß, Berlin ist großartig! Ich mag es einfach, durch die Stadt zu laufen und sie zu erkunden, aber es gibt noch so viele Orte, die ich bisher noch nicht sehen konnte.“ Selbst mit dem derzeitig grauen Wetter hat der gebürtige Kalifornier kein Problem. „Ich habe am College zwei Jahre in Oregon gespielt. Dort hat es jeden Tag geregnet, ich bin also schon Schlimmeres gewohnt.“

Auf dem Footballfeld wurde der Quarterback mit jedem Spiel sicherer. Mittlerweile dirigiert er die Offensive der Adler so gut, dass sie als Prunkstück des Teams gilt. Auch gegen Dresden setzt der Trainer Schmuck darauf, dass seine Spieler im Angriff ins Laufen kommen.

Trotz des klaren Sieges gegen Schwäbisch-Hall sehen sich die Berliner gegen Dresden nicht als Favorit. „Das Spiel ist quasi ein Derby, es besteht seit Jahren eine Rivalität. Wir haben in der regulären Saison gegen die Monarchs nicht schlecht ausgesehen, aber seitdem haben sie sich noch mal personell verstärkt. Wir müssen unbedingt in der Offense punkten“, weiß Schmuck.

Auf Ramays Schultern wird also einiges an Verantwortung lasten. Mit einem Sieg würden die Adler in das Finale im eigenen Stadion einziehen. Doch daran verschwendet der Quarterback, genauso wie über seine sportliche Zukunft, noch keine Gedanken. „Wenn wir jetzt an das Finale denken, tun wir uns keinen Gefallen. Wir müssen uns auf die Monarchs fokussieren“, sagt Ramay. Mit seinen 22 Jahren ist er halt schon ein alter Hase.