Hertha BSC

Risiko aus Überzeugung

Jörn Meyn über Luhukays Rotation

Fans und Beobachter reagieren mit Unverständnis auf Jos Luhukays Entscheidung, mit einer B-Elf in das Pokalspiel gegen Kaiserslautern gezogen zu sein. Der Hertha-Trainer habe damit das wieder einmal viel zu frühe Ausscheiden aus dem Wettbewerb billigend in Kauf genommen – er sei ein Hasardeur, der sehenden Auges den Traum vom Finale im eigenen Stadion geopfert habe.

Diese Kritik ist richtig und falsch zugleich. Zutreffend ist sie, weil in einem Fußballverein wie in jedem anderen profitorientierten Unternehmen der Republik am Ende des Tages die Ergebnisse zeigen, ob die Führungskräfte die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Den klammen Herthanern entgehen durch das Pokal-Aus rund 500.000 Euro.

Falsch sind die Vorwürfe dennoch, weil sie etwas in Frage stellen, was Luhukay und Hertha zuvor oft genug stark gemacht hat. Beim FCK handelte der 50-Jährige schließlich nach einem Prinzip, dem er immer verschrieben war: dem Prinzip Risiko aus Überzeugung. Er setzte stets auf Nachwuchsspieler, wechselte wie in Nürnberg beim Stand von 1:1 offensiv und ließ einen bisweilen Aufsteiger-unüblichen Hurra-Fußball spielen, weil er Vertrauen in das eigene Personal hatte. Von ihm war er überzeugt und deshalb bereit, mutige Entscheidungen zu treffen. Das brachte ihm oft viel Lob ein. Die Entscheidung für eine B-Elf gegen den FCK fiel in dieser Tradition.

Wer jetzt den Trainer anzählt, macht es sich zu einfach. Denn wer fragt eigentlich nach der Mannschaft, die sich von einem bestenfalls ordentlichen Zweitligisten hat niederringen lassen? Nur eine B-Elf? Am Mittwoch schickte Luhukay ein Team auf den Platz, das über die Erfahrung aus 569 Bundesligaspielen verfügt.