Basketball

Albas neue Bescheidenheit

Der Basketballklub startet mit stark verjüngter Mannschaft in die Saison und bittet seine Fans um Geduld

Akeem Vargas hat sich in den Wochen der Saisonvorbereitung seine ganz eigenen Ziele gesetzt. Zum Beispiel hat der 22-Jährige den Drang, immer als Erster beim Training zu sein. Will sich schon warm machen, einwerfen, an seinen Schwächen arbeiten, wenn die Stars seiner Mannschaft noch längst nicht in der Halle sind. Untrügliches Zeichen dafür, wie erfolgshungrig der junge Mann ist. Wenn gespielt wird, „dann will ich auf dem Feld stehen“. Außerdem möchte er in seiner Karriere viele Titel gewinnen, sagt er so keck wie sympathisch.

Aber: Wer ist Akeem Vargas?

Der Deutsch-Amerikaner ist ein großes Talent und eines der neuen Gesichter bei Alba Berlin, dem einstigen deutschen Paradeteam im Basketball, das in den vergangenen zehn Jahren allerdings nur noch einmal den wichtigsten deutschen Titel gewann. Ein ganzes Dutzend neuer Spieler hat der Verein im Sommer verpflichtet, ein paar Routiniers wie die international erfahrenen David Logan, 30, oder Heimkehrer Jan-Hendrik Jagla, 32, sind auch dabei.

Hauptsponsor verlängert bis 2016

Aber vor allem Hoffnungsträger wie Vargas, Jonas Wohlfarth-Bottermann, 23, Ismet Akpinar, 18, Bar Timor, 21, oder der Kroate Leon Radosevic, 23. Die meisten von ihnen erhielten längerfristige Verträge. Anders als in der jüngeren Vergangenheit soll die Mannschaft zukünftig im Falle des Misserfolgs nicht gleich wieder komplett umgekrempelt werden.

„Wir haben lauter Spieler geholt, die bereit waren, sich langfristig zu binden“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi. Die überhaupt bereit waren, für Berlin zu spielen, könnte man hinzufügen. Anders als so namhafte Größen wie Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson oder Nihad Djedovic, die der Verein zwar gern gehalten hätte, die es aber vorzogen, zum neuen Branchenprimus Bayern München zu wechseln. „Wir konnten sie uns nicht leisten“, sagt Baldi, „wir steigen hier nicht in ein Wettrüsten ein.“ Alba werde sein „sehr gutes Fundament nicht für eine Kurzfristigkeit opfern und die Existenz unseres Vereins ganz sicher nicht aufs Spiel setzen“. Bis die ersten Bundesligaspieler aus dem 2006 aufgebauten und mehrfach preisgekrönten Nachwuchsprogramm herauswachsen, wird es noch eine Weile dauern. Deshalb wünscht sich Baldi etwas, das zuletzt auch nicht zu den auffälligsten Eigenschaften Alba Berlins gehörte: „Wir bitten um Geduld.“

Alba kann und will nicht mitbieten mit den Bayern, deren Saisonetat nach eigenen Angaben bei rund zwölf Millionen Euro liegt, und mit Meister Brose Baskets Bamberg, dessen finanzielles Engagement die Zehn-Millionen-Grenze streift. Dort wollten die Berliner schon vor Jahren auch hin, haben es aber nicht geschafft. „Wir müssen darum kämpfen, unser Budget zu verbessern“, sagt der Alba-Geschäftsführer. Es liegt bei rund acht Millionen Euro.

Champions Cup gegen Bamberg

Zumindest wird die solide Basis gewahrt; Hauptsponsor Alba Group hat seinen Vertrag mit den Basketballern um drei Jahre bis 2016 verlängert. Seit 1991 existiert diese Partnerschaft bereits. „Wir sind stolz darauf“, sagt Axel Schweitzer, Miteigentümer der Unternehmensgruppe, „uns geht es um Nachhaltigkeit.“ Und auch er fügt hinzu: „Jetzt ist Geduld gefragt.“

Zugleich freut er sich „wie selten zuvor“ auf die Saison, die für Pokalsieger Alba Sonnabend (20.15 Uhr, O2 World) mit der Partie um den Champions Cup gegen Bamberg beginnt. Diese Trophäe wollen die Berlin gern mitnehmen, die weiteren Saisonziele lauten: die zweite Runde des Euro Cups und zum 24. Mal in Folge das Play-off um die Meisterschaft erreichen. „Andere Ziele“, sagt Baldi, „ergeben sich.“ Sie hängen auch davon ab, wie schnell das neue Team sich entwickelt. An Akeem Vargas soll es nicht liegen: „Ich will hoch hinaus“, sagt er und ist bereit, sich dafür zu quälen. Wer weiß, wo Alba stehen würde, wenn der Verein den jetzt endlich eingeschlagenen Weg schon eher beschritten hätte.